Symposium 2018

Moralischer Fortschritt: Märchen oder machbar?

am 21. und 22. Juni 2018

Die Idee, dass es menschheitsgeschichtlich so etwas wie moralischen Fortschritt zu verzeichnen gäbe, findet sich in unterschiedlichen Ausprägungen in Philosophie und Kultur. Selbst in Anbetracht krasser Rückschritte wie der Zivilisationsbrüche des 20. Jahrhunderts oder auch nur angesichts der unvollständig eingelösten Versprechen in Sachen Antidiskriminierung, besteht die Tendenz, doch davon auszugehen, dass das Projekt der moralischen Verbesserung seine Berechtigung hat und mehr darstellt als ein Narrativ, das westlichen Gesellschaften Anlass gibt, sich selber auf die Schulter zu klopfen. Welche Vorstellungen von moralischem Fortschritt sind aber heute noch tragbar? Wie sind diese metaethisch und pragmatisch zu denken? Welche Rolle kann die Literatur spielen bei der Freisetzung der moralischen Vorstellungskraft für die Entwicklung „besserer“ oder „fortschrittlicher“ Überzeugungssysteme? Wie ist die Spannung zwischen moralischem Anspruch und individueller Überforderung zu verstehen? Gibt es so etwas wie eine (Erfolgs-)Geschichte des moralischen Lernens, die sich fortschreiben ließe auf andere Gebiete, wie etwa auf die Behandlung von nicht-menschlichen Tieren? Und wie belastbar sind in dem Zusammenhang oft bemühte Analogien mit Anti-Sklaverei-Bewegungen, der Umweltschutzbewegung und dem Kampf für Frauenrechte? Wenn moralischer Fortschritt wirklich möglich sein sollte, lässt sich ein Muster erkennen, das sich nutzen ließe, um gegenwärtige Entwicklungen hin zum Besseren zu steuern, oder sind Menschen letzten Endes in ihren Bemühungen um moralische Verbesserung immer angewiesen auf das Urteil der Nachgeborenen?

Mit: Livia Boscardin (Basel), Dietmar Dath (Freiburg), Dale Jamieson (New York), Philip Kitcher (New York), Frederike Middelhoff (Würzburg), Alice Pinheiro Walla (Bayreuth), Friederike Schmitz (Berlin), Catherine Wilson (York)
Leitung: Mara-Daria Cojocaru (München)

Programm

Donnerstag, 21. Juni 2018

Anreise bis 14 Uhr
14.15 Uhr Begrüßung
14.30 Uhr Catherine Wilson: Moral progress: the relevance of studies of cognitive error (auf Englisch)
15.30 Uhr Kaffee
16 Uhr Philip Kitcher: Possibilities of moral progress (auf Englisch, per Skype)
17 Uhr Frederike Middelhoff: Sein und essen, was wir lesen?! Perspektiven und Grenzen moralischen Fortschritts durch literarische Texte
18 Uhr Kleiner Empfang
19 Uhr Dietmar Dath mit einer öffentlichen Lesung und einer Diskussion zu Fiktion und Wissenschaft

Freitag, 22. Juni 2018

9.30 Uhr Alice Pinheiro Walla: Is Kantian morality too demanding? (auf Englisch)
10.30 Uhr Friederike Schmitz: Gerechtigkeit auch für Tiere? Argumente, Entwicklungen und Utopien
11.30 Uhr Kaffee
12 Uhr Livia Boscardin: “Enlightened,” sustainable exploitation of nature, animals and women*
13 Uhr Dale Jamieson: Moral progress in a dark time (auf Englisch)
14 Uhr Ende des öffentlichen Tagungsprogramms

Hier geht es zur Anmeldung - oder per E-Mail an: rottendorf@hfph.de