Gelingende Wertebildung im Kontext von Migration. Eine Handreichung für die Bildungspraxis

Philosophische Grundlegung und qualitative Sozialforschung zur Kriterien-Entwicklung

SJ-Bild_28360_Austria_2016_0314_Oscar_Spooner_JRS_Europe_03-scr.jpgDer Prozess der Integration geflüchteter Menschen hängt nicht zuletzt damit zusammen, ob ein Zusammenleben auf einer gemeinsamen Wertebasis möglich ist und inwiefern Wertepluralität gefördert wird sowie Wertekonflikte konstruktiv bearbeitet werden. Neben den Fragen, welche Werte „uns“ in Deutschland wichtig sind, welche davon propagiert und inwiefern diese tatsächlich gelebt werden, welche Werte es womöglich kritisch zu hinterfragen gilt und welche Wertvorstellungen geflüchtete Menschen besitzen, rücken noch grundlegendere Fragen in den Mittelpunkt öffentlicher und wissenschaftlicher Diskurse, wenn es um Werte und um sogenannte „Wertebildung“ geht: Was sind Werte überhaupt? Wie entstehen sie bzw. wie werden sie gebildet? Inwiefern sind Werte gemeinsame Werte und wie werden sie gemeinsam gebildet? In welchen Situationen sind Menschen geneigt und in der Lage, sich intensiv mit ihren und mit anderen Wertvorstellungen auseinanderzusetzen und diese gegebenenfalls in einem Prozess der Selbstbildung zu modifizieren?

Diverse Integrationsmaßnahmen, Orientierungskurse und interkulturelle Workshops sollen geflüchteten Menschen dabei helfen, sich in Deutschland zurechtzufinden, herrschende Werte, Normen, Gesetze und Gepflogenheiten anzuerkennen sowie sich der womöglich zunächst fremd anmutenden Kultur anzunähern, ohne das Gefühl zu haben, ihre eigene kulturelle Identität aufgeben zu müssen. In diesen Angeboten kann es ausdrücklich und dem Begriff nach oder auch eher im Vollzug und der Sache nach um „Werte-Bildung“ gehen.

Welche Angebote zur Wertebildung gibt es insbesondere in Bayern? Wie ist Wertebildung innerhalb dieser Angebote konzeptuell verankert? Kann sich auf dieser Grundlage tatsächlich Wertebildung als persönliche wie gemeinschaftliche Auseinandersetzung mit eigenen und mit anderen Werten vollziehen, sodass gemeinsam(e) Werte gebildet werden? Welche Faktoren tragen aus Sicht der Geflüchteten und der Kursteilnehmer_innen zum Gelingen der Wertebildung bei?

Das Projekt wird durch das Bayerische Staatsministerium für Arbeit und Soziales, Familie und Integration gefördert und am Zentrum für Globale Fragen (ZGF) vom 15.12.2016 bis zum 31.12.2017 durchgeführt. Einerseits sollen die Konzepte entsprechender Angebote zur Wertebildung geflüchteter Menschen analysiert werden, andererseits steht die Lebenswelt derjenigen Akteur_innen im Mittelpunkt der Untersuchung, die an diesen Angeboten teilnehmen und daher aus ‚erster Hand‘ von ihren Erfahrungen berichten können. Mit Hilfe leitfadenorientierter Interviews soll diesen Erfahrungen Raum gegeben und die Perspektive geflüchteter Menschen aufgegriffen werden.

Ziel ist es, den Anbieter_innen praxisnahe Ansatzpunkte zur Konzeption, Ergänzung, Modifikation oder Umstrukturierung ihrer aktuellen oder geplanten Wertebildungsmaßnahmen zu geben und Institutionen, die solche Angebote fördern, Kriterien an die Hand zu geben.

Die erarbeiteten Empfehlungen werden im Dezember 2017 in Form einer Handreichung publiziert, deren Praxistauglichkeit in Workshops erprobt und diskutiert werden soll.

Den Abschluss des Projektes bildet eine eintägige Tagung an der Hochschule für Philosophie München, die im Sinne eines Theorie-Praxis-Transfers einen wissenschaftlichen Blick auf die Thematik „Wertebildung im Kontext von Migration“ ermöglichen und den interdisziplinären Austausch der beteiligten Akteur_innen fördern soll. Zu der Tagung werden Vertreter_innen aus der Bildungspraxis, aus Wissenschaft und Politik sowie Geflüchtete bzw. Migrant_innen und weitere Interessierte eingeladen.

 

Eine Übersicht zum Projekt finden Sie hier.

 

Ansprechpartner_innen:

Dr. Thomas Steinforth

Christina Büchl M.A.

Marion Einsiedler M.A.