Forschungsprojekte

Der verengte Naturbegriff als Herausforderung für das christliche Welt- und Menschenbild

Der enorme Erfolg der Naturwissenschaften seit dem 19. und vor allem 20. Jahrhundert führte dazu, dass man vor allem in der gesellschaftlichen Diskussion glaubte, dass alles Wesentliche in der Welt naturwissenschaftlich erfasst werden könne. Umgekehrt wird dasjenige, was sich einer naturwissenschaftlichen Analyse entzieht, als etwas Unwesentliches oder als Erscheinung charakterisiert, die nicht nur von naturwissenschaftlich erfassten Strukturen abhängt, sondern vollständig darauf zurückgeführt werden können soll.

Insofern auch der Mensch als Teil dieser Natur gesehen wird, erscheinen Dimensionen des Mensch- und Personseins wie Bewusstsein und Geist in diesem Licht nur noch als kausales Produkt der zugrundeliegenden materiellen Konstellationen. Diese reduktionistische Sichtweise stellt nicht nur wesentliche anthropologische Grundmerkmale des humanistischen Menschenbildes in Frage, sie betrifft auch ganz wesentlich den möglichen religiösen Interpretationshorizont des Menschen.

Allerdings ist die behauptete Zurückführung der lebensweltlichen Strukturen auf rein physische Strukturen kein direktes Resultat der Naturwissenschaften, sondern stellt selbst eine über die wissenschaftlichen Ergebnisse hinausgehende Interpretation dar.

Ziel des Forschungsprojekts ist es, die methodischen, und somit die prinzipiellen Grenzen des naturwissenschaftlichen Ansatzes und die daraus resultierende Verengung des Wirklichkeitsbegriffs herauszuarbeiten und daran anschließend einen Rahmen für einen erweiterten Subjekt- und Wirklichkeitsbegriff zu schaffen, der es ermöglicht, sowohl die naturwissenschaftliche Perspektive als sinnvolle, zweckgerichtete Thematisierung der Natur auszuweisen als auch der Notwendigkeit nachzukommen, wesentliche, aber von den Naturwissenschaften methodisch ausgeklammerte Aspekte der Wirklichkeit für eine Deutung von Welt und Mensch miteinzubeziehen und sie für eine mögliche religionsphilosophische Perspektive zu öffnen.

Leitung: Dr. Tobias Müller (in Kooperation mit Prof. Dr. Stefan Bauberger und Prof. Dr. Harald Lesch)
Laufzeit: 1.4.2015-31.3.2020
Fördereinrichtung: NoMaNi-Stiftung

 

Promotionsprogramm "Die Herausforderung der naturwissenschaftlichen Perspektive für das menschliche Selbst- und Wirklichkeitsverständnis"

Durch das Promotionsprogramm soll ein Anreiz geschaffen werden, die Beschäftigung mit naturwissenschaftlichen Themen mit philosophischer bzw. theologischer Relevanz im Kontext der Thematik „Natur und Subjekt“ an der Hochschule für Philosophie zu intensivieren.

Grundsätzliche Voraussetzung für die Förderung ist die Durchführung der betreffenden Arbeit im Zusammenhang mit dem ING, d.h. in der Regel unter wissenschaftlicher Anleitung eines der an der Hochschule für Philosophie lehrenden Institutsmitglieder.

Leitung: Prof. Dr. Stefan Bauberger / Prof. Dr. Harald Lesch / Dr. Tobias Müller
Laufzeit: ab Mitte 2016
Fördereinrichtung: Adolf Haas-Stiftung