"Keiner von uns darf sich rausreden!" Jonas Bedford-Strohm über digitale Verantwortung im Blog der Association for Computing Machinery

"Keiner von uns darf sich rausreden!" Jonas Bedford-Strohm über digitale Verantwortung im Blog der Association for Computing Machinery

Auf der Negativseite und besonders im Kontext Mensch-Sein mit Algorithmen, welche Risiken sehen Sie für das Mensch-Sein?

Die Schattenseite davon, dass heutzutage jeder sein eigenes Medienhaus sein kann, ist nicht nur, dass der Qualitätsjournalismus Umsatzeinbußen hinzunehmen hatte und deswegen die Versorgung in der Fläche, vor allem im Lokalen, schlechter geworden ist. Eine Schattenseite ist auch, dass diejenigen, die die Institutionen der Demokratie nicht reformieren, sondern abschaffen möchten, genauso mächtige Möglichkeiten bekommen wie diejenigen, die für die Demokratie kämpfen und sich am Gemeinwohl beteiligen. Hier müssen die öffentlich-rechtlichen Institutionen, denen der Volkssouverän über den Rundfunkstaatsvertrag die freiheitlich-demokratischen Grundordnung in die DNA geschrieben hat, neue Wege finden, um einen echten gesellschaftlichen Diskurs zu fördern. Das Ziel muss sein, dass sich diejenigen, die sich rechts oder links des Spektrums ausgeschlossen fühlen, wieder konstruktiv an gemeinsamen Lösungen für die Zukunft beteiligen.

Wer trägt Ihrer Meinung nach die Verantwortung, um diese Risiken zu begrenzen?

Wir alle. Keiner von uns darf sich rausreden. Die Digitalverweigerer sind verantwortlich, weil sie sich mit der größten Herausforderung unserer Zeit nicht ernsthaft beschäftigen. Die Digitalfanatiker sind verantwortlich, weil sie keinerlei kritische Perspektive auf die Schattenseiten einnehmen können. Die Regelwütigen sind verantwortlich, weil sie kreative digitale Lösungen von der Graswurzel verhindern. Die Radikalliberalen sind verantwortlich, weil sie naiv den Selbstregulierungskräften vertrauen und zerstörerischen Praktiken keinen Einhalt gebieten. Und wir alle als Nutzerinnen und Nutzer sind verantwortlich, weil wir durch unsere Klicks die Gestaltung der digitalen Welt mitprägen und die Innovation dorthin geht, wo die Nutzerinnen und Nutzer sein wollen. Uns klarzumachen, dass diese Verantwortung real und wichtig ist, und wir alle einen Beitrag zum digitalen Gemeinwohl zu leisten haben, das sehe ich als Aufgabe von Journalismus, von öffentlichen Institutionen, aber auch von Innovations-Eliten an, die viel Aufmerksamkeit für bahnbrechende Produkte bekommen und diese Aufmerksamkeit nutzen müssen, um einen intelligenten Diskurs darüber zu fördern.

Das volle Interview lesen Sie auf den Seiten des deutschen Kapitels der Association for Computing Machinery hier.

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