Ringvorlesung des Evangelischen Studienwerks Villigst zum Thema Psyche startet am 4. Juni 2021

Am 9. Juli 2021 spricht Prof. Dr. Barbara Schellhammer im Rahmen der Ringvorlesung "Psyche" über "Ahcâhk (Cree) – Die Essenz alles Lebendigen. Versuch zur ‚Psyche‘ in der Tradition kanadischer Ureinwohner". Der Vortrag stellt das vorläufige Ergebnis einer Spurensuche nach Vorstellungen der „Psyche“ in Traditionen kanadischer Ureinwohner dar. Dabei wird deutlich, dass First Nations und Inuit damit weniger das verbinden, was wir in der psychologischen Forschung unter „Psyche“ verstehen, sondern vielmehr die spirituelle Essenz des Menschen. Diese spirituelle Dimension des Menschen bedeutet, dass wir untrennbar mit unserer natürlichen und sozialen Umwelt leben und Teil eines Lebenszyklus sind, der es unmöglich macht, die „Psyche“ nur individualistisch zu verstehen.

Coronabedingt findet die Vortragsreihe freitags von 18:00 bis 20:00 (c.t.) Uhr über Cisco WebEx unter folgendem Link statt:

https://evstudienwerk.webex.com/meet/konferenz7

Was ist die Psyche? Wo ist sie? Ist sie überhaupt? Wie erkenne ich sie? Kann heute noch von der Unsterblichkeit der Seele gesprochen werden? Wie gehen Menschen damit um, wenn die Psyche zu sich selbst spricht und dabei als externe (un)kontrollierbare Stimme(n) wahrgenommen wird? Wo verlaufen die Grenzen zwischen einer „gesunden“ und einer „leidenden“ Psyche, welche Möglichkeiten lassen sich heute zur Reduktion von Seelenleiden finden? Welche historischen und interkulturellen Vorstellungen gibt es von den Konzepten „Körper“ und „Seele“? Aus welchen Perspektiven betrachten die Neurowissenschaften und die Theologie dieses Themengebiet? Diese interdisziplinäre Ringvorlesung beleuchtet die „Psyche“ aus zahlreichen praktischen und theoretischen Blickwinkeln.


Die Vorlesungsreihe startet diesen Freitag, am 04.06. mit einem Vortrag von Andreas Jung, Genesungsbegleiter und Vorsitzender von EX-IN Hessen:

Der Faden der Ariadne - Wie schwere psychische Krisen bewältigt werden können

Der Vortrag wird den Versuch unternehmen die Abkehr von der Universalität des mittelalterlichen Kosmos mit dem eigenen durch Erkrankung und Schizophreniediagnose beschädigten Leben in Verbindung zu bringen. Dabei wird die Verletzlichkeit zum Maßstab für ein therapeutisches Eingreifen, dass Menschen befähigt eigene Wege zu gehen. Bildung kann eine wichtige Voraussetzung für ein tragen und gehalten werden in der Krise sein. Es wird in diesem Zusammenhang auf die Problematik von Stigmatisierung und Beschämung der Krankheit, aber auch von menschlichem Ungenügen, in modernen Gesellschaften eingegangen. Der Rückgriff auf den Gedanken der europäischen Bildung wie sie der Marburger Romanist und Exilant Erich Auerbach entwickelt hat, wird für den von psychischer Erkrankung schwer Betroffenen zur Ressource für die eigene Genesung und zu einer neuen Erfahrung.


Das vollständige Programm umfasst folgende Vorträge:

04. Juni 2021: Andreas Jung, Genesungsbegleiter und Vorsitzender von EX-IN Hessen:
Der Faden der Ariadne - Wie schwere psychische Krisen bewältigt werden können

11. Juni 2021: Elis Eichener, Ruhr-Universität Bochum, Praktische Theologie:
Die Krux mit dem Seelenbegriff. Praktisch-theologische Erwägungen zur Seele

18. Juni 2021: Prof. Dr. Sabine Föllinger, Philipps-Universität Marburg, Klassische Philologie: Vorstellungen von 'Körper' und 'Seele' in der griechischen Antike

25. Juni 2021: Prof. Dr. Dominik Endres, Philipps-Universität Marburg,
Theoretische Neurowissenschaften: Psychologie im Zeitalter von KI und VR

9. Juli 2021: Prof. Dr. Barbara Schellhammer, Hochschule für Philosophie München, Intercultural Social Transformation: Ahcâhk (Cree) – Die Essenz alles Lebendigen. Versuch zur ‚Psyche‘ in der Tradition kanadischer Ureinwohner

Alle weiteren Infos hier: https://plurale-psychologie.de/wordpress/ringvorlesung/