Freiwilligendienste als interkulturelle Bildungserfahrung

„Ein Jahr wirklich anders leben…?“

Die Teilnahme an einem jesuitischen Freiwilligendienst als interkultureller Bildungsprozess und Motivation für langfristiges gesellschaftliches Engagement

 

Bild 2.jpgInterkulturelle Bildungsprozesse und insbesondere Prozesse der Wertebildung sind eines der Schwerpunktthemen des Zentrums für globale Fragen. Deswegen hat das Zentrum sehr gerne den Auftrag der Jesuitenmission angenommen, vom 01.01.2018 bis zum 31.12.2018 ein Forschungsprojekt über deren Freiwilligendienste durchzuführen. Aufgrund der Vielfalt der bisher von der Jesuitenmission angebotenen Programme liegt der Schwerpunkt der Studie auf den zwei größten Programmen, JV und JEV.

An dem seit über zehn Jahren angebotenen Programm Jesuit Volunteers (JV) und dessen Vorgänger, Jesuit European Volunteers (JEV), sowie weiteren kleineren Freiwilligendiensten haben bis heute mehr als eintausend Personen teilgenommen. Jedes der Programme verfügt über ein eigenes Profil hinsichtlich der Schwerpunktsetzung, Durchführung sowie Vor- und Nachbereitung der Teilnehmenden. Ein Teil der ehemaligen Freiwilligen zeigt nach ihren Einsätzen in unterschiedlichen Kontexten gesellschaftliches Engagement. Andere knüpfen erst nach vielen Jahren an ihr ursprüngliches Engagement an. Und schließlich gibt es auch Personen, für die ihr Engagement nach dem Einsatz vor Ort beendet ist.

Ziel der Studie ist es herauszufinden, inwiefern sich der Freiwilligeneinsatz langfristig auf das gesellschaftliche Engagement der Teilnehmenden auswirkt. Relevant sind dabei nicht zuletzt die subjektiven Einschätzungen der Teilnehmenden – wie sie mit dem Programm zufrieden waren und an welchen Punkten ihrer Ansicht nach Änderungsbedarf besteht. Im Rahmen der Analyse werden sowohl die persönliche als auch die gesellschaftliche Dimension sowie deren Verwobenheit betrachtet. Hinsichtlich der persönlichen Dimensionen stellt sich etwa die Frage, inwiefern sich der Freiwilligeneinsatz auf die Lebensentwürfe, Wertehaltungen und sozialen Beziehungen der Teilnehmenden auswirkt. Bei Betrachtung der gesellschaftlichen Dimension ist insbesondere von Interesse, inwiefern sich aus der Erfahrung des Freiwilligeneinsatzes langfristiges Engagement für gesellschaftlich relevante Prozesse ergibt. Hier ist beispielsweise an ein strukturierteres Engagement in Gruppen, Parteien, Medien oder öffentlichen Foren zu denken, aber auch an eher informelle Formen des Engagements.

Schließlich geht es darum, inwiefern die Jesuitenmission die Ausgestaltung ihrer Programme möglicherweise anpassen kann, um aus der Gruppe der ehemaligen Freiwilligen möglichst viele Menschen zu gewinnen, die sich systematisch für gesellschaftlich relevante Projekte und politische Anliegen einsetzen. Was sind im Zusammenhang mit einem Freiwilligeneinsatz im Rahmen der Jesuitenmission hemmende und fördernde Faktoren für langfristiges gesellschaftliches Engagement? Welche Unterstützung brauchen die Freiwilligen? Hier geht es um Formen nachhaltigen Engagements für eine Agenda des Wandels in direktem Zusammenhang mit der Arbeit der Jesuitenmission.

Diese und weitere Fragen sollen im Projekt mit einer Umfrage und Interviews beantwortet werden. Für eine quantitative Umfrage werden alle ehemaligen Freiwilligen angeschrieben. Ziel der Befragung ist es, einen ersten Eindruck von den für diese Personen wichtigen Aspekten zu erhalten sowie erweiterte Erkenntnisse hinsichtlich relevanter Faktoren für nachhaltiges Engagement zu gewinnen. Neben der Umfrage werden leitfadengestützte Interviews durchgeführt. Die subjektiven Relevanzsetzungen, Erfahrungen, Interpretationen und Wünsche der ausgewählten Interviewpartner_innen sollen einen tieferen Einblick in die persönliche und gesellschaftliche Dimension von nachhaltigem Engagement geben sowie darüber, inwiefern dieses aus der Verbindung mit dem Freiwilligeneinsatz entstanden ist.

Die Ergebnisse der Studie werden in einem ausführlichen Bericht vorgelegt. Die zentralen Themen erlauben aber auch eine grundlegende Reflexion im Rahmen der Bildungsphilosophie, wobei Aussagen zu Kriterien gelingender Wertebildung gemacht werden können, die ein langfristiges Engagement befördert.

Ansprechpartner_innen:

Dr. Thomas Steinforth

Christina Büchl M.A.

Christian Franke M.A.