Alumni im Portät: Anna Prettl

Alumni der Hochschule für Philosophie München arbeiten erfolgreich in Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Medien, Kultur und Kirche. In der Reihe „Alumni im Porträt“ sprechen wir mit ausgewählten Persönlichkeiten über ihre Zeit in der Kaulbachstraße und ihre heutigen Aufgaben. In diesem Wintersemester haben wir mit der Münchner Architektin Anna Prettl gesprochen.

Anna Prettl studierte von 2013 bis 2016 an der HFPH und schloss ihr Studium mit dem Master of Arts ab. Parallel dazu studierte sie an der Technischen Universität München Architektur und arbeitet heute bei m8architekten.

 

Sie haben neben einem Master in Philosophie auch einen Bachelor in Architektur und arbeiten heute als Architektin. Wie passen Philosophie und Architektur zusammen?

Architektur sollte für den Menschen und die Gesellschaft entwerfen. Dafür muss sie diese aber erst verstehen – ihre Werte, Visionen und Ängste. Ein guter Architekt schafft es diese komplexen Zusammenhänge in den Entwurf einzuarbeiten und so das Bauwerk zu einer erfahrbaren Behauptung werden zu lassen. Als solche kann das Gebäude die Benutzer unterstützen und leiten oder sie einengen und verstören.

Beispielsweise verkündete das Olympiastadion 1972 deutlich die Werte der Offenheit und Flexibilität, für die das neue Deutschland stehen wollte. So wurde es zum Sprachrohr der Gesellschaft. Le Corbusier hingegen setzte in der Villa Savoye aussagestark seine Vision der Zukunft um. Die Wünsche der Bauherren interessierten ihn weniger, wodurch sich diese in ihrem eigenen Haus fremd fühlten.

Architekturaufnahme der Villa Savoye

Le Corbusier entwarf die Villa Savoye gemeinsam mit seinem Vetter Pierre Jeanneret. Sie wurde 1928 bis 1931 in Poissy nordwestlich von Paris erbaut.

Es geht also nicht nur darum Wertvorstellungen baulich umzusetzen, sondern auch die Zusammenhänge in Gesellschaft und Individuen richtig zu verstehen. Ein wichtiger Teil der Philosophie ist das Analysieren und Begründen von Behauptungen und Werten. So kann sie zu Fundament und Schlussstein eines guten Entwurfs werden.

 

War es schwierig, zwei Studiengänge gleichzeitig zu meistern?

JA, aber ich würde es (anders) wieder tun!

Da sind die organisatorischen Schwierigkeiten von sich überlappenden Kursen und Prüfungen und die Vorbereitungen, die koordiniert werden wollen – Zeiten mit wenig Schlaf sind gewiss und die Regelstudienzeit sollte man besser vergessen.

An der HFPH bin ich da sehr unterstützt worden. Es war einfacher als gedacht Verlängerungen für Hausarbeiten zu erhalten oder mal ein paar Minuten früher aus dem Seminar gehen zu dürfen – eine Viertelstunde war einfach zu knapp für den Weg von der HFPH zur TUM. Die Dozenten akzeptierten das Doppelstudium nicht nur, sondern bekundeten Interesse.

Und dann sind da die weicheren Faktoren der eigenen Motivation, Grenzen und Prioritäten.

Nach meinen Erfahrungen in Freiburg plante ich das Masterstudium nur hobbymäßig nebenbei laufen zu lassen. Aber da machte mir die HFPH einen Strich durch die Rechnung, indem sie die Begeisterung für die Philosophie neu entfachte – nicht gerade förderlich für mein Schlafpensum.

 

Sie haben vor Ihrem Masterstudium an der HFPH schon Philosophie an der Universität Freiburg studiert. Was unterscheidet die beiden Hochschulen in Ihren Augen besonders?

An der HFPH herrschte eine sehr familiäre Atmosphäre – ein vertrautes Miteinander, geprägt von gegenseitigem Respekt und dem gemeinsamen Streben nach Wissen und Erkenntnis.

In Freiburg ging es mit den vielen Kommilitonen eher anonymer zu und die Lehrstühle schienen mir abgeschlossener.

Auch bot mir das Studium in Freiburg nicht den großen Überblick oder die Tiefgründigkeit, die ich mir erhofft hatte, letzteres ist im Bachelor aber auch schwer zu erreichen. Als ich nach München kam, war ich beeindruckt von dem breit gefächerten Wissen, das meine neuen Kommilitonen aus dem Grundstudium an der HFPH mitbrachten. Dazu gehörte ein fundierter Überblick über die Philosophiegeschichte und ein nicht nur auswendig gelerntes, sondern systematisch durchdachtes Fundament in den großen Fragestellungen. Im Master schienen mir die Kommilitonen besser vorbereitet und diskussionsfreudiger als in Freiburg – in München waren sie eher interessierte Praktiker als Theoretiker der Philosophie.