Gleichstellung und die Frauenbeauftragte an der Hochschule für Philosophie München

Gleichstellung in Akademia ist ein wichtiges Thema: Obschon laut Statistischem Bundesamt regelmäßig genauso viele Frauen wie Männer ein Studium beginnen, finden sich über Promotion und Habilitation hinweg zunehmend weniger Frauen, und auf C4-Professuren sind es typischerweise nur mehr unter 12%. Die akademische Philosophie ist dabei keine Ausnahme. Im Gegenteil, im Vergleich zu einigen MINT-Fächern sind Frauen hier noch deutlicher benachteiligt. Die Gründe sind vielfältig: vom Stereotyp des bärtigen Philosophen bis zu Problemen der modernen Fachkultur. Sie sind auf jeden Fall immer auch strukturell begründet, weshalb u.a. mit dem Amt der Frauenbeauftragten das Thema Gleichstellung innerhalb der Hochschule auch strukturell verankert ist.

 


Was ist eine Frauenbeauftragte?

Die Aufgaben einer Frauenbeauftragten sind generell im Bayerischen Hochschulgesetz definiert. Dort heißt es:

„Die Frauenbeauftragten achten auf die Vermeidung von Nachteilen für Wissenschaftlerinnen, weibliche Lehrpersonen und Studierende; sie unterstützen die Hochschule in der Wahrnehmung ihrer Aufgabe der tatsächlichen Durchsetzung der Gleichstellung von Frauen und Männern.“ (BayHschG, Art. 4, Abs. 2, Satz 1)

An der Hochschule dient zusätzlich das Leitbild dazu, den Aufgabenbereich der Gleichstellung zu interpretieren. Seit Sommer 2017 gibt es das Amt der Frauenbeauftragten an der Hochschule unabhängig vom Kanzler. Die Frauenbeauftragte wird vom Senat eingesetzt.

 


Wie ist die Situation von Frauen an der Hochschule?

Die Situation von Frauen an der Hochschule ist tendenziell etwas schlechter als die an anderen philosophischen Fakultäten in Deutschland. Generell gilt, dass die Anteile von Männern und Frauen zu Studienbeginn in der Philosophie so gut wie ausgewogen sind, Frauen aber über die Qualifikationsstufen hinweg verloren gehen. Aktuell gibt es bei 12 Professoren keine Professorin an der Fakultät.

 


Wer ist die Frauenbeauftragte und wie erreiche ich sie?

Der Senat hat im Sommersemester 2017 Frau Dr. Mara-Daria Cojocaru auf Vorschlag der Studierenvertretung zur Frauenbeauftragten ernannt.

Sie erreichen die Frauenbeauftragte unter gleichstellung@hfph.de.

 


Welche Maßnahmen unternimmt die Frauenbeauftragte für die Studentinnen?

Es gibt regelmäßig, einmal im Semester, die Möglichkeit, sich im Rahmen der Frauenvollversammlung mit der Frauenbeauftragten zu treffen. Bei diesen Treffen geht es um die gemeinschaftliche Entwicklung von Initiativen zur Förderung von Frauen im Studium sowie zur Verbesserung der Fachkultur im Sinne der Gleichstellung insgesamt. Zudem können sich hier Studentinnen unterschiedlicher Semester und Qualifikationsstufen vernetzen.

Im Rahmen von Workshops, Vortragsreihen und Berufungsverfahren unterstützt die Frauenbeauftragte die Hochschule dabei, die Gleichberechtigung von Frauen und Männern tatsächlich zu erreichen und bestehende Nachteile zu beseitigen.

 


Mehr zum Thema?

Hier finden sich weiterführende Links zum Thema Gleichstellung, Geschlechtergerechtigkeit und Frauen in der Wissenschaft. Die Links sind nach Thema und nach Beitragsart sortiert.

 

Thema "Chancengleichheit/Geschlechtergerechtigkeit"

Wissenschaftliche Studien

Artikel in Zeitschriften und Zeitungen

 

Thema "Diskriminierung von Frauen"

Radiobeiträge

  • „Das Frauenbild der Philosophen“
    (Philosophen traut man im Allgemeinen tiefere Einsichten zu als Menschen, die keine berufsmäßigen Denker sind. Was sie im Laufe der Jahrhunderte über Frauen gesagt haben, klingt jedoch in den meisten Fällen erstaunlich einfältig. Die Geschichte der großen Denker ist in weiten Teilen eine Geschichte frauenfeindlicher Vorurteile. Die meisten tun nichts anderes, als das theoretisch zu legitimieren, was 2000 Jahre und länger praktiziert wurde: die Unterdrückung der Frau. Dabei werden die immer gleichen Argumente in immer neuen Variationen vorgeführt.)
    20 Min. Radiobeitrag des Bayerischen Rundfunks zum nachhören
  • „Die neuen Frauenhasser und der Feminismus“
    (Untersuchung der zunehmenden Hetze gegen Frauen im Internet.)
    50 Min. Radiobeitrag des Bayerischen Rundfunks zum nachhören

Blogbeiträge

 

Thema "feministische Philosophie" und "Frauen in der Philosophie"

Sammelbände

  • „Frauen in Philosophie und Wissenschaft“
    (Der von Brigitte Doetsch herausgegebene Band präsentiert die aktuelle Feministische Philosophie und sammelt Beiträge, die Einblick geben in den gegenwärtigen Forschungsstand, wie ihn „Philosophinnen im dritten Jahrtausend“ erreicht haben. Insgesamt neun, zum Teil interdisziplinär ausgerichtete Arbeiten werden vorgestellt. Das Themenspektrum ist weit: Geschichte der Philosophie; Politische Philosophie und Naturphilosophie; Epistemologie; Biopolitik und Bioethik als Bereiche praktischer Philosophie; Forschung über Geschlechterverhältnisse. Alle Beiträge gehen zurück auf eine Vortragsreihe des Braunschweiger Zentrums für Gender Studies (www.genderzentrum.de). Leser/-innen erhalten einen guten Überblick über die aktuelle Frauenforschung aus der Sicht theoretischer und praktischer Philosophie.)
Thema "Förderung von Philosophinnen"

Projekte/Netzwerke

Artikel in Zeitschriften und Zeitungen

Interviews

Blogbeiträge

  • „Philosophinnen...denn die Philosophie ist weiblich“
    (Internetseite, die es sich zur Aufgabe gemacht hat alle Philosophinnen lexikalisch zu versammeln. Zudem gibt es eine Zeittafel von der Entstehung der Philosophie bis heute, in der die Philosophinnen eingezeichnet sind)
  • „Feminist Philosophers“
    (Feminist philosophy, more than most areas of philosophy, needs to be informed by real-world information and examples. One of our goals is to help feminist philosophers keep up with philosophically relevant facts and examples. Of course, there’s far more than we could ever hope to cover, but at least this is a start. By using ‘categories’, one can easily find useful examples for teaching and research. We’re also hoping that feminists who aren’t philosophers may find some philosophical reflections and references helpful and interesting. And, sometimes, we’ll just post things that are good for a laugh. Because we all need that. Do let us know if you think there’s something we should be covering that we’re not, by clicking on the ‘contact’ category. We’ll see what we can do.)

Studien

 

Literatur zu Gender und Philosophie und Frauen in der Philosophie (Auswahl)

Bitte beachten Sie auch den Präsenzbestand in unserer Bibliothek zu feministischer Philosophie und zentralen Werken von Philosophinnen. 

Über Hinweise oder Ergänzungsvorschläge zu dieser Seite bzw. dem Thema freuen wir uns natürlich! Bitte senden Sie dazu einfach eine Mail an gleichstellung@hfph.de.

 


Was sind Gender-Märchen?

In der Gesellschaft generell, aber auch in der Philosophie, halten sich bestimmte Vorurteile über Frauen hartnäckig. Der "freie Zusammenschluss von Studentinnenschaften" (fzs), ein überparteilicher Dachverband von Studierendenvertretungen in der Bundesrepublik, hat einen Flyer herausgebracht, dessen Inhalt wir mit freundlichen Genehmigung hier auf der Website darstellen dürfen.

 

Männer sind durchsetzungsfähiger, Frauen sozialer.

Diese Auffassung entspricht gesellschaftlichen Erwartungen; Kinder werden bereits in frühen Jahren entsprechend dieser Rollen erzogen. Durchsetzungsfähigkeit und soziale Kompetenzen sind unabhängig vom Geschlecht.

Frauen haben kein Interesse an Führungspositionen.

Aufgrund des geringen Anteils haben Frauen in Führungspositionen eine Sonderstellung, die sie größerer Belastung und höherem Druck aussetzt. Insbesondere werden Fehler, die sie machen, auf ihr Geschlecht projiziert bzw. zurückgeführt.

Biologische Unterschiede lassen sich nicht weg-diskutieren.

Menschen in nur zwei Geschlechter einzuteilen wird vielen nicht gerecht. Es gibt biologisch wie emotional alles dazwischen. Außerdem sind die Unterschiede zwischen Personen desselben (wahrgenommenen) Geschlechts oft größer als zwischen Personen verschiedener Geschlechter.

Frauen ziehen Kinder ihrer Karriere vor.

Fehlende Betreuungsmöglichkeiten und gesellschaftliche Normen drängen Frauen in diese Rolle. Vergünstigungen wie das Betreuungsgeld halten dieses reaktionäre Familienbild ebenfalls aufrecht.

Frauenförderung ist nicht mehr zeitgemäß. /Ich kann und darf als Frau ohnehin alles, was ein Mann kann.

Es gibt immer noch wenige Frauen in Führungspositionen. Das wird besonders in der Berichterstattung über die wenigen Ausnahmen sichtbar. Zudem bekommen Frauen im Vergleich zu Männern weiterhin weniger Gehalt in vergleichbaren Positionen.

Frauen sollen sich selbst helfen, wir sind dafür nicht zuständig.

Menschen, die diskriminiert werden, sind meistens bereits ausgeschlossen und haben daher oft nicht mehr die Möglichkeit, für sich selbst zu sprechen und wahrgenommen zu werden. Aus einer privilegierten Position heraus kann aber dazu beigetragen werden, ihnen diesen Raum zu geben.

Frauenförderung ist Männerdiskriminierung.

Frauen waren und sind in Führungspositionen von Politik, Wissenschaft und Wirtschaft strukturell unterrepräsentiert. Natürlich geht Gleichstellung mit dem Verlust von Privilegien einher. Sie ist aber keine Diskriminierung, sondern ein Ausgleich struktureller Benachteiligung.

Durch Frauenförderung werden auch ungeeignete Frauen gefördert.

Dies steht nur zu befürchten, wenn zu wenig geeignete Frauen existieren. Das setzt voraus, dass Frauen grundsätzlich in bestimmten Bereichen weniger kompetent seien.

Die Gender Pay Gap (dt. Geschlechter-Lohnlücke) entsteht durch marktwirtschaftliche Effekte.

Die Entscheidung, welche Berufe gesellschaftlich „wichtig“ und damit wirtschaftlich lukrativ sind, wird von einer männlich dominierten Gesellschaft getroffen. Körperlich anstrengende „Männerberufe“ werden z.B. besser bezahlt als etwa die frauendominierten und gleichwohl anstrengenden Pflegeberufe.

Gegen fehlende Bewerbungen von Frauen kann nichts getan werden.

Fehlende Bewerbungen zeigen nicht fehlendes Interesse, sondern Strukturen, die Frauen die Teilhabe erschweren. Dazu gehören sexistische Witze, offensives Kommunikationsverhalten, ein sexualisiertes Arbeitsumfeld oder ein permanenter Sonderstatus als einzige Frau. Aktive Ansprache im Vorfeld zeigt Frauen, dass sie explizit erwünscht sind und führt in der Regel zu mehr Bewerbungen von Frauen.

Ich will keine Quotenfrau sein.

Um bestehende selbsterhaltende Machtstrukturen aufzuheben, bedarf es des Zwangs von außen. Quoten sind hierbei ein notwendiges Übel, das wir zeitweilig brauchen, um Frauen die gleichen Möglichkeiten zu eröffnen wie Männern.

Diversity ist zielführender als Frauenförderung.

Die strukturelle Diskriminierung der Hälfte der Bevölkerung bedarf beim Abbau aller Ungleichbehandlungen einer besonderen Aufmerksamkeit.

Diversity Management ist besser als Antidiskriminierungsmaßnahmen.

Nicht wirtschaftliche Faktoren sollten die Motivation hinter Gleichstellungsarbeit sein, sondern die Gleichstellung an sich.

Kitaplätze genügen als Frauenförderung.

Gleichstellungspolitik darf sich nicht auf Familienpolitik beschränken. Damit wird sogar das Klischee der Frau als
Familienverantwortliche verstärkt und Familie auf ein „Frauenproblem“ reduziert. Die alleinige Verfügbarkeit von Betreuungsplätzen überwindet nicht den fehlenden Zugang von Frauen zu bspw. Führungspositionen, Lohnunterschiede oder Sexismus.

Ich würde nie jemanden diskriminieren. / Mir ist noch nie Diskriminierung begegnet.

Diskriminierung findet oft unbeabsichtigt und unbewusst statt. Was für die eine Person noch in Ordnung ist, kann die nächste schon als diskriminierend empfinden. Außerdem gilt es nicht nur, Alltagsdiskriminierung abzubauen, sondern auch diskriminierende Strukturen.

Das ist doch nur Spaß.

Mobbing macht den Täter*innen meistens Spaß, deshalb ist es aber nicht in Ordnung. Sexistische Witze sind nicht lustig, sondern einfach nur sexistisch.

Nackte Menschen in der Werbung sind doch nicht schlimm. Das verkauft sich eben gut.

Nicht jede Art von Nacktheit ist Sexismus. Sexistische Darstellungen zeichnen sich dadurch aus, dass die dargestellte Person in der Öffentlichkeit, gerade auch in der Werbung, als willig und verfügbar dargestellt und damit zum »Objekt« wird. Die Frage der Selbstbestimmung wird dabei völlig ignoriert und der Eindruck vermittelt, das »Objekt« könne einfach genommen und benutzt werden.

Wenn ich als Frau das sage, ist das ja gar nicht sexistisch.

Die bloße Angehörigkeit zu einer Gruppe gibt nicht das Recht zu allgemeingültigen Aussagen über andere Gruppenmitglieder. Zudem sind sexistische Aussagen auch dann verletzend, wenn sie von Angehörigen desselben Geschlechts kommen. Jede*r kann sexistisch sein, unabhängig vom Geschlecht. Aber auch jede*r kann sich dagegen entscheiden, ebenfalls unabhängig vom Geschlecht.

Sexismus - bei diesem Thema schalten doch alle gleich ab.

Selbstkritik - bei diesem Thema schalten doch alle gleich ab. Am besten hören wir damit auf, an uns zu arbeiten

Quotierte/Balancierte Redelisten sind unnötig.

Die meisten Diskussionen und Debatten sind geprägt durch Beiträge von Männern. Da die Beteiligung von allen Menschen an der Diskussion wünschenswert ist, sollte diese strukturell unterstützt werden.

Geschlechtergerechte Sprache ist anstrengend und unverständlich.

Dass uns geschlechtergerechte Sprache (noch) anstrengend erscheint, ist eine Frage von mangelnder Gewöhnung.
Mit dieser Begründung könnten wir alles Neue, Andere ablehnen. Wenn es aber gute Gründe gibt, etwas zu verändern, ist Anstrengung oft unvermeidbar.

Das generische Maskulinum ist standardsprachlich. Es weiß doch jeder, dass alle mitgemeint sind.

Sprache beeinflusst unser Denken. Trotz einem „Mitmeinen“ werden Frauen in der Sprache ignoriert; werden sie hingegen explizit genannt, verändert dies auch die Wahrnehmung der Leser*innen und Hörer*innen. Es beeinflusst z.B., wie viele Frauen sich auf Stellenanzeigen bewerben oder für Ämter nominiert werden.

Man soll nicht politisch in Sprache eingreifen.

Das Einführen einer einheitlichen deutschen Rechtschreibung vor hundert Jahren war ebenfalls ein Eingreifen der
Politik und bringt durchaus Vorteile mit sich.

Die wollen es doch auch, sonst würden sie sich doch nicht so anziehen!

Es steht jedem Menschen frei, sich zu kleiden, wie sie oder er möchte. Persönliche Kleidervorlieben sagen nichts darüber aus, wie Menschen behandelt werden möchten. Für Gewalt oder Grenzüberschreitungen ist die Person verantwortlich, die sie begeht.

Feministinnen sind doch nur sexuell frustriert! / Feministinnen hassen alle Männer.

Feminismus tritt für Selbstbestimmung aller Menschen und das Ende von Sexismus ein. Gleichberechtigung ist keine verrückte Idee, Laune oder eine Nebensächlichkeit, sondern ein Menschen- und Grundrecht.