„‚Laudato Si'‘ ist keine reine Umweltenzyklika“

„‚Laudato Si'‘ ist keine reine Umweltenzyklika“

München, 18.6.2015 (HfPh) „Laudato Si'“ ist nach Einschätzung des Leiters des Instituts für Gesellschaftspolitik (IGP) an der Münchner Hochschule für Philosophie der Jesuiten, Michael Schöpf SJ, „keine reine Umweltenzyklika“. „Papst Franziskus trennt nicht zwischen Armuts- und Umweltproblem“, stellt Schöpf klar. „Umweltzerstörung und Armut haben als menschengemachtes Problem dieselbe Wurzel und können deshalb nur gemeinsam gelöst werden.“ Das mache das Lehrschreiben zu einer „Sozialenzyklika“, sagt er.

Dem Wirtschaftsethiker Johannes Wallacher, Mitarbeiter am IGP und Präsident der Hochschule für Philosophie, zufolge stellt sich Papst Franziskus vehement gegen alle Klimaskeptiker. „Sie vertreten lediglich Macht- und Partikularinteressen und übersehen die Zusammenhänge“, ordnet Wallacher ein. Im Gegensatz dazu lege die Enzyklika Hintergründe offen und zeige auf, wie alles miteinander in Verbindung stehe. Damit stelle der Papst nicht nur konkrete politische Forderungen, sondern liefere auch eine umfassende philosophische Erklärung für globale Entwicklungen. „Nicht nur in diesem Sinne ist Franziskus ein Aufklärer“, betont Wallacher. So fordere er etwa auch einen transparenten Dialog zwischen Wissenschaft, Politik und Religion auf Augenhöhe.

Wie der Sozialphilosoph Michael Reder hervorhebt, nimmt „Laudato Si'“ zurecht jeden Einzelnen in die Pflicht. „Wir müssen unser Verhalten kritisch hinterfragen und die Erziehung zu neuen Gewohnheiten stärken“, sagt der IGP-Mitarbeiter und Professor an der Hochschule für Philosophie. „Das können wir nur über ganzheitliche Bildung erreichen, die über reine Wissensvermittlung hinaus geht und der Kreativität Raum gibt.“ Zusätzlich fordere Franziskus handlungsfähige globale Institutionen. „Nur wenn die Staaten ihnen die Macht verleihen, Sanktionen zu verhängen, können Armut und Umweltzerstörung wirksam bekämpft werden“, schlussfolgert Reder.

 Das Institut für Gesellschaftspolitik ist an der Hochschule für Philosophie der Jesuiten in München angesiedelt und erforscht seit langem interdisziplinär die Zusammenhänge von Entwicklungs- und Umweltproblemen. Eine Verknüpfung von sozialer Analyse und ethischer Reflexion bildet dabei den Schwerpunkt.


Ein beigefügtes Dossier gibt Einblick in die aktuelle Forschung des Instituts zu den Zusammenhängen von Klimawandel, Armut und globaler Gerechtigkeit.

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