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Existentialismus und Existenzphilosophie nach Jean-Paul Sartre und Hannah Arendt

Hauptseminar 2-stdg.
Raum: SR 3
Termine: Montag, 16.15 - 17.45 Uhr

MA-IB: III(SC,PB,IE), V
Master Ethik: V
BA: III/2
MAkons: III(RV,EG)

Die Anmeldung zum Seminar erfolgt durch eine E-Mail an den Dozenten, in der auch zwei Optionen für ein Referat (siehe Liste der Referate in Moodle) angegeben werden. Die Angemeldeten werden zur Einführungssitzung eingeladen, die als ZOOM-Konferenz stattfinden wird.

Anmeldung erforderlich: bis 18.04.2020, um 13 Uhr

Thematik

Jean-Paul Sartre und Hannah Arendt bieten zwei antithetische Auffassungen von Existenzphilosophie und Existentialismus als philosophischen Bewegungen. Nach Sartre betont sein Existentialismus dezidiert eine „tragische“ Deutung der Existenz. Seiner Ansicht nach gibt es keinen Sinn der Realität außerhalb von jenem, den der Mensch durch seine eigene Entscheidung und seine eigene Kreativität nach dem Vorbild eines Künstlers schaffen kann. Der Mensch – so Sartre – macht sich selbst, und seine Existenz ist sein Kunstwerk. Arendt hebt ihrerseits einen gewissen Zusammenhang zwischen Sartre und Heideggers Darstellung des „ontisch-ontologischen Vorrangs des Daseins“ hervor. In beiden Fällen handelt es sich, so Arendt, um den Versuch, den Menschen zum „Herrn des Seins“ zu machen. Sie sieht in Karl Jaspers’ Philosophie eine alternative Konzeption der Existenz. Existenz sei im jaspersschen Sinn zwar Freiheit, aber immer nur als Antwort auf einen Appell, der ihr vorangeht. Und als Kommunikation sei Existenz radikale Offenheit dem Anderen gegenüber. Nach Jaspers, so Arendt, ist also die Möglichkeit der Existenz immer nur in Bezug auf die Transzendenz des „Umgreifenden“ zu verstehen.

Ziele

Gründliche Auseinandersetzung mit Sartres und Arendts Konzeptionen von Existentialismus und Existenzphilosophie ausgehend von Texten von Sartre ("Das Sein und das Nichts", "Zum Existentialismus – Eine Klarstellung" und "Der Existentialismus ist ein Humanismus"), Arendt ("French Existentialism" und "Was ist Existenzphilosophie?"), Heidegger ("Was ist Metaphysik?") und Jaspers ("Existenzphilosophie", "Vernunft und Existenz" und "Was ist Existentialismus?")

Methode

Vorbereitende Lektüre der Texte, Impulsreferat und anschließende gemeinsame Textinterpretation mit Diskussion.

Qualifikation

Zum Scheinerwerb werden regelmäßige und aktive Teilnahme, Bereitschaft zur Übernahme mindestens eines Referats und Anfertigung einer Seminararbeit von 28.800–43.200 Zeichen verlangt. Das Handout für das Referat wird auf den Umfang der Seminararbeit angerechnet.

Literatur

Arendt, Hannah: Was ist Existenzphilosophie? Deutsche Fassung eines 1946 auf Englisch erschienenen Essays. Hain: Frankfurt am Main 1990.
Arendt, Hannah: „French Existentialism“. In: Hannah Arendt: Essays in Understanding. 1930–1954. Hrsg. von Jerome Kohn. Harcourt: New York et al. 1994, 188–193.
Jaspers, Karl: „Was ist Existentialismus?“ (1951). In: Karl Jaspers: Aneignung und Polemik. Gesammelte Reden und Aufsätze zur Geschichte der Philosophie. Piper: München 1968, 497–501.
Jaspers, Karl: Existenzphilosophie. Drei Vorlesungen, gehalten am Freien Deutschen Hochstift in Frankfurt a. M. September 1937. De Gruyter: Berlin und Leipzig 1938.
Jaspers, Karl: Vernunft und Existenz. Fünf Vorlesungen (1935). Piper: München 1973.
Möbuß, Susanne: Existenzphilosophie. 2 Bde. Alber: Freiburg/München 2015.
Sartre, Jean-Paul: Das Sein und das Nichts. Versuch einer phänomenologischen Ontologie. Hrsg. von Traugott König. Rowohlt Tb., Reinbek bei Hamburg 2007 (13. Auflage).
Sartre, Jean-Paul: „Zum Existentialismus – Eine Klarstellung“. Übersetzt von Traugott König und Vincent von Wroblewsky. In: Jean-Paul Sartre: Der Existentialismus ist ein Humanismus und andere philosophische Essays 1943–1948. Rowohlt: Reinbek bei Hamburg 2000, 113–121.
Sartre, Jean-Paul: „Der Existentialismus ist ein Humanismus“. Übersetzt von Vincent von Wroblewsky. In: Jean-Paul Sartre: Der Existentialismus ist ein Humanismus und andere philosophische Essays 1943–1948. Rowohlt: Reinbek bei Hamburg 2000, 145–192. Heidegger, Martin: „Was ist Metaphysik?“ (1929). In: Martin Heidegger: Wegmarken. Klostermann: Frankfurt am Main 1967, 1–19.