411 | Prof. Dr. Michael Reder

Rassismus, Black Lives Matter und postkoloniale Theorie. Über eine aktuelle Herausforderung für die Philosophie

Hauptseminar 2-stdg.
Raum: XX
Termine: Mittwochs 14:15 - 15:45 Uhr

MA-IB: III(VV,IE), V
Master Ethik: III(EID), V
BA: WP Globalisierung, III/2, WP Interkulturalität
MAkons: III(EG)

Unter Mitarbeit von Julian Prugger M.A.

Thematik

Praktische Philosophie zielt in ihren Reflexionen sozialer und politischer Zusammenhänge meist auf eine ahistorische und universal ausgerichtete Argumentation ab. Es geht dann philosophisch u.a. um verallgemeinerbare normative Prinzipien oder eine allgemeingültige Theorie von Demokratie, Recht oder Menschsein. Postkoloniale Theorien machen seit gut 50 Jahren in verschiedensten Spielarten darauf aufmerksam, dass diese Ansätze fundamentale Begrenzungen implizieren. Sie argumentieren, dass sie historisch als Narrative für die Begründung von Kolonialismus und Sklaverei genutzt wurden. Sie führen noch heute dazu, dass das Fortleben kolonialer Strukturen ausgeblendet wird. Denn sowohl das Denken als auch (politische) Handeln ist nach wie vor oftmals durch tiefsitzende Diskriminierungs- und Ausschließungsmechanismen gekennzeichnet, die es philosophisch zu kritisieren gilt. Postkoloniale Theorien machen darauf aufmerksam, dass das nicht-westliche Subjekt als das Andere der Vernunft interpretiert und damit abgewertet wird. Daraus entstehen unterschiedliche Rassismen, die es aufzudecken und in einer normativ-politischen Hinsicht zu bearbeiten gilt. Theoretische Grundlagen des Postkolonialismus liegen u.a. in poststrukturalistischen (Foucault, Derrida), marxistischen (Marx, Gramsci) oder psychoanalytischen Theorien (Freud, Lacan). Ganz offensichtlich sind die rassistischen Signaturen westlicher Gesellschaften durch die Black Lives Matter-Bewegung ans Tageslicht gekommen. Als eine politische Bewegung wird auf die unterschiedlichsten Formen von Rassismus der Gegenwart, die sich aus der kolonialen Geschichte speisen, aufmerksam gemacht und politische Gegenvisionen der scheinbar Ausgeschlossenen und Subalternen entworfen.

Ziele

Das Ziel des Seminares ist ein zweifaches: Im ersten Teil werden Klassiker des Postkolonialismus gemeinsam rekonstruiert und diskutiert. Autor*innen wie Said, Spivak, Bhabha oder Fanon spielen dabei eine zentrale Rolle. Im zweiten Teil wird mit Blick auf konkrete politische Felder (z.B. Demokratieverständnis, Polizeigewalt, Feminismus) danach gefragt, wie sich Rassismen in modernen Gesellschaften manifestieren und welche Formen von Widerstand gegen diese eine besondere Rolle spielen.

Methode

Solange keine Präsenzveranstaltungen wegen der Corona-Krise stattfinden können werden die Sitzungen online durchgeführt. Methodisch werden verschiedene digitale Methoden zum Einsatz kommen (Kleingruppen, digitales Flipchart), die mit herkömmlichen Methoden verbunden werden (z.B. Kurzinput zu jedem Hauptetxt). Alle Informationen dazu finden sie auf der Moodle-Seite der Veranstaltung. Zu den angegeben Veranstaltungszeiten wird jeweile eine Videositzung durchgeführt.

Voraussetzungen

Interesse an Textlektüre und gemeinsamer Rekonstruktion und Diskussion.

Qualifikation

Schein durch Kurzinput und Seminararbeit.

Zielgruppe

Studierende des Grund- und Hauptsudiums, Promotionsstudierende und Studierende des Weiterbildungsmasters. Bitte schicken Sie für die bessere Planung bis zum 11.4.2021 eine kurze Mail an michael.reder@hfph.de, wenn sie am Seminar teilnehmen wollen.

Literatur

Kerner, Ina (2011): Postkoloniale Theorien zur Einführung. Hamburg: Junius.