305 | Prof. Dr. Patrick Zoll SJ

Gewalt und Gegengewalt im Anthropozän: Eine ethische und interdisziplinäre Reflexion

Proseminar 2-stdg.
Raum: Hörsaal
Termine: Mittwochs 16.15 - 17.45 Uhr

BA: III/1

In Zusammenarbeit mit Dr. Jörg Alt SJ und der Jesuitenmission Nürnberg

Geeignet für Frühstudierende.

Thematik

Wir stehen einer historisch präzedenzlosen Herausforderung gegenüber. Nachdem Gesellschaft und Politik jahrzehntelang wissenschaftliche Erkenntnisse der Klimaforschung weitestgehend ignoriert haben, müssen wir nun in kürzester Zeit unsere Wirtschafts- und Gesellschaftsform umbauen. Die Wissenschaft warnte im jüngsten Bericht des Weltklimarats, dass wir in der entscheidenden Dekade sind. Gelingen uns notwendige Weichenstellungen nicht, wird nicht nur die Lebensgrundlage zukünftiger, sondern auch schon heutiger Generationen von Menschen zerstört. Als Hauptverursacher von weltweiten Klimaschäden übt die Weise, wie wir in den großen Industrienationen wirtschaften, strukturelle Gewalt aus.

Wie sollte aber auf diese Form von Gewaltausübung sowie die Untätigkeit, Unwilligkeit oder Unfähigkeit von Gesellschaft und Politik, dagegen angemessen vorzugehen, reagiert werden, gerade angesichts der Dringlichkeit der Situation mit Blick auf evtl. schon überschrittene oder bald erreichte unumkehrbare Kipppunkte?

Während unter Klimaaktivisten ein großer Konsens darüber besteht, dass Gewalt gegen Menschen konsequent abzulehnen ist, ist umstritten, wie man sich gegenüber struktureller Gewalt verhalten soll. Inwieweit ist Nötigung Gewalt, wenn man etwa Industrieanlagen oder Straßen blockiert? Inwieweit ist Gewalt gerechtfertigt gegenüber Sachen, die die aktuellen Unrechtsstrukturen und die zunehmend lebensbedrohliche Situation fördern, etwa bei der Sabotage von Maschinen wie Braunkohlebaggern? Inwieweit ist es also legitim, auf strukturelle Gewalt mit gezielter Gegengewalt gegen Sachen zu antworten?

Die Erörterung dieser Problematik wirft recht grundlegende Fragen für das Verhältnis von Politik, Recht, Wissenschaft, Ethik und Aktivismus auf, die im Seminar in ethischer und interdisziplinärer Weise reflektiert und diskutiert werden.  

Ziele

Dieses Seminar soll die Studierenden befähigen, philosophische Hintergrundannahmen zeitgenössischer Problemanalysen, Problembewertungen und darauf aufbauenden Handlungsvorschlagen kritisch zu reflektieren. Die Studierenden sollen zudem befähigt werden, eine eigene kritische Position zur Frage, ob und inwieweit Gegengewalt ethisch rechtfertigbar ist, zu begründen und gegen Einwände zu verteidigen.

Methode

Die Methode des Seminars orientiert sich am Modell des ‚inverted classroom‘. Konkret bedeutet dies, dass die Teilnehmenden die Texte gründlich vorbereiten mit Hilfe kleinerer schriftlicher Aufgaben, die von den Seminarleitern in Moodle eingestellt werden. Die Antworten werden von den Teilnehmenden in Moodle eingestellt und zusätzlich per Email an alt@jesuitenweltweit.de gesendet.

In den Sitzungen werden dann diese Aufgaben besprochen und der zu lesende Text gemeinsam diskutiert. Zu einzelnen Sitzungen werden Experten eingeladen, die mit kleinen Referaten einen interdisziplinären Input geben und für die Diskussion bereitstehen.

Die Abschlussarbeit wird als Portfolio eingereicht und umfasst zwei Teile: Der erste Teil mit einem Umfang von bis zu 8.400-12.000 Zeichen (inkl. Leerzeichen) besteht aus Material, das der oder die Teilnehmende in den Moodle-Aufgaben verfasst hat. Der zweite Teil mit demselben Umfang besteht in der Aufgabe, das im Seminar Erlernte anzuwenden und eine kleine Proseminararbeit zum Seminarthema verfassen.

Qualifikation

Ein Proseminarschein kann erworben werden, wenn zwei Bedingungen erfüllt sind:

1) Erfolgreiche Bearbeitung von mindestens 8 Moodle-Aufgaben

2) Abgabe eines Portfolios, das aus zwei Teilen besteht:

a) Material aus den Moodle-Aufgaben (8.400-12.000 Zeichen; inkl. Leerzeichen)

b) Kleine Proseminararbeit (8.400-12.000 Zeichen; inkl. Leerzeichen)

Literatur

Die zu lesenden Texte werden in Moodle bereitgestellt.