22 | Dr. Andreas Gösele SJ

Kants kategorischer Imperativ: Rekonstruktion und Kritik

Hauptseminar 2-stdg. Mittwoch, 17–19 Uhr
Raum: Seminarraum 1
Termine: ab 9. April 2014
BA: III/2
MAkons: III (EG)
Mag: F1, F3
ZEP: A

Thematik

Der ethische Entwurf Kants gehört ohne Zweifel bis heute zu den wichtigsten Beiträgen zur philosophischen Ethik und ist außerhalb der philosophischen Fachwelt wohl der (wenigstens oberflächlich) bekannteste philosophisch-ethische Ansatz. Wer hat sich irgendwann einmal auch nur ein wenig mit Philosophie beschäftigt, und hat nicht vom kategorischen Imperativ gehört? Doch von der Zeit des Erscheinens der Grundlegung zur Metaphysik der Sitten an bis heute war und ist der Kantsche Entwurf auch schärfster Kritik ausgesetzt. Ein schon früh und dann immer wieder (in vielen Varianten) vorgebrachter Einwand war, daß der kategorische Imperativ (wenigstens in der Fassung der ersten Formel) aufgrund seines rein formalen Charakters völlig ungeeignet sei, zwischen moralischen und unmoralischen Handlungen oder Maximen zu diskriminieren. In diesem Seminar wollen wir uns mit diesem Vorwurf auseinandersetzen. Die Fragestellung wird eng eingeschränkt sein: Wir werden uns auf die (in der Kantschen Zählung) erste Formel beschränken und fragen, ob sie als ein plausibles ethisches Kriterium dienen kann: Kann sie überhaupt moralisch akzeptable Maximen oder Handlungen von nicht akzeptablen unterscheiden? Entspricht die durch die Formel implizierte Scheidung unseren wohlüberlegten moralischen Urteilen oder erlaubt sie Dinge, die uns als moralisch verwerflich erscheinen, und verbietet moralisch völlig Unproblematisches, d.h. führt die Formel zu falsch-positiven oder falsch-negativen Ergebnissen? Unter welchen Voraussetzungen führt die Formel zu plausiblen Ergebnissen? Sind diese Voraussetzungen selbst plausibel und mit den Ansprüchen des Kantschen ethischen Entwurfs vereinbar? Nach einer ersten Lektüre der zentralen Kantschen Textstellen zum kategorischen Imperativ und einiger weniger der klassischen kritischen Texte werden wir uns dann hauptsächlich mit modernen Interpretationen und Rekonstruktionsversuchen beschäftigen.

Ziele

Das Seminar soll dazu helfen, eine fundierte Position in Bezug auf den sogenannten Formalismus-Vorwurf gegen Kants kategorischen Imperativ vor allem in der Fassung der ersten Formel zu entwickeln.

Methode

Vorbereitende Lektüre, einführende Referate, Diskussion. Durchgängige Arbeit an einem Beispiel.

Voraussetzungen

Mindestens ein Proseminarschein. Bereitschaft zur aktiven Teilnahme.

Qualifikation

Aktive Teilnahme in den Seminarsitzungen und an der Diskussion im Online-Forum (u.a. durch Weiterarbeit am gewählten Beispiel), Übernahme eines einführenden Referats, Seminararbeit.