09 | Dr. Andreas Gösele SJ, Prof. Dr. Michael Reder

Einführung in die Umweltethik. Ethische Grundlagen und politisch-philosophische Konkretisierungen

Vorlesung 2-stdg. Mittwoch, 17–19 Uhr
Raum: Hörsaal
Termine: ab 13.4.2016
BA: WP/6, WP/7
MAkons: III (EG)
MA-Ethik: III
MA-IB: III (VV), IV

– pro philosophia extra: für die Mitglieder von pro philosophia e.V. frei! –

Thematik

Der Umgang mit der Umwelt ist in den vergangenen Jahren zu einem zentralen Thema in Wis-senschaft und Gesellschaft geworden. Nicht nur die Debatten um Nachhaltigkeit, sondern auch um viele konkrete (globale) Herausforderungen wie der Umgang mit Ressourcen oder dem Kli-mawandel sind Ausdruck hiervon. Dabei geht es im Kern immer auch um ethische Fragstellun-gen, denn auch der Diskurs über den Umgang mit der Umwelt impliziert unterschiedliche Nor-mative Aspekte, die es ethisch zu diskutieren gilt.

Diese lassen sich auf unterschiedlichen Ebenen verorten. Erstens geht es um umweltethische Grundlagenforschung. Hierbei stellen sich grundlegende Fragen, beispielsweise wie Natur bzw. das Verhältnis des Menschen zur Natur aus ethischer Perspektive zu verstehen ist. Diese ethischen Reflexionen sind auch mit umfassenden Interpretationen der Umwelt und des Menschen verbunden. Daran anschließend finden sich vielfache Überlegungen zu unterschiedlichen moralischen Prinzipien, wie beispielsweise zu dem der Gerechtigkeit. Umweltethische Diskussionen von Gerechtigkeit beziehen sich dabei auf intra- wie intergenerationelle Fragen, denn menschliches Verhalten gegenüber der Umwelt ist aufgrund seiner Pfadabhängigkeit oftmals durch langfristige Folgen gekennzeichnet, die auch (und v.a.) zukünftige Generationen betreffen.

Zweitens spielen Fragen der politischen Philosophie und Rechtsphilosophie eine wichtige Rolle im Diskurs der Umweltethik. Denn mit Blick auf politische und rechtliche Lösungen geht es immer auch um eine überzeugende Konzeptualisierung des Politischen und Rechtlichen angesichts ökologischer Herausforderungen. Themen in diesem Bereich sind beispielsweise, ob und wie demokratische Strukturen auf nationaler wie internationaler Ebene angesichts ökologischer Probleme verändert werden sollten und welche Rolle die Menschenrechte (z.B. als ein ethisch begründeter Schwellenwert) in der Umweltpolitik spielen könnten. In diesem politischen Feld spielen auch Fragen der Umweltökonomie als Dimension des Politischen eine immer wichtigere Rolle in umweltethischer Perspektive.

Drittens werden in der umweltethischen Forschung einzelne Themenfelder auf ihre normativen Implikationen hin analysiert und kritisch diskutiert. Ein herausragendes Beispiel hierfür ist die Frage nach dem Klimawandel und einer ethisch begründeten Klimapolitik. Aber auch Fragen nach dem Umgang mit Ressourcen (angefangen von Wasser bis hin zu seltenen Rohstoffen) spielen in diesem Feld eine wichtige Rolle. Hierbei werden die grundlegenden Erkenntnisse zum Mensch-Umwelt-Verhältnis, zu umweltethischen Prinzipien und ihrer Bedeutung aus der Perspektive der politischen Philosophie und Rechtsphilosophie auf die jeweiligen gesellschaftlichen Felder übertragen. Je nach ethischem Ansatz führt dies zu unterschiedlichen Konzeptionen von Umweltethik angesichts globaler Herausforderungen.

Der vierte und letzte Bereich bezieht sich auf kulturelle Aspekte der Umweltethik. Denn es zeigt sich immer deutlicher, dass in gesellschaftlichen und politischen Fragen nicht nur die ethische Begründung und politisch-philosophische Ausgestaltung von Institutionen eine herausragende Rolle spielen, sondern auch kulturelle Faktoren. Hierbei geht es beispielsweise um kulturelle Verhaltensmuster im Bereich der Konsumethik oder den Einfluss von Religionen als kulturelle Akteure zur Reflexion und Bearbeitung ökologischer Herausforderungen.

Ziele

Die Vorlesung will in ethische Grundlagenfragen dieser seit einigen Jahren im akademischen Umfeld immer wichtiger werdenden Disziplin einführen, zentrale Ansätze vorstellen und diskutieren sowie politisch-philosophische Konsequenzen anhand ausgewählter ökologischer Herausforderungen vorstellen.

Methode

Abwechselnde Vorlesungen der beiden Dozenten; Möglichkeit zur Rückfrage und kurzen Diskussionseinheiten.

Voraussetzungen

Keine besonderen Voraussetzungen; lediglich Interesse an diesem Teilbereich der praktischen Philosophie wie der damit verbundenen gesellschaftlichen und politischen Herausforderungen.

Qualifikation

Mündliche Prüfung

Zielgruppe

Alle interessierten Studierenden der BA-, MA-, Modulstudien und des Promotionsstudiums