34 | Prof. Dr. Andreas Trampota SJ

Ethik und personale Identität

Hauptseminar 2-stdg. Donnerstag, 17–19 Uhr
Raum: Seminarraum 3
Termine: ab 14.4.2016
BA: III/2
MAkons: III (EG)
MA-Ethik: III
MA-IB: IV
Mag: F3, F8

Thematik

Irgendwann im Laufe der Naturgeschichte wurde aus einem Tier infolge der Entstehung von Selbstbewusstsein ein menschliches Tier. Damit ging für alle Tiere, die fortan mit diesem Vermögen ausgestattet waren, unwiderruflich eine gewisse ,Leichtigkeit des Seins‘ verloren. Denn dieser ontologische und epistemische Aufstieg brachte eine Befreiung von der Herrschaft naturwüchsiger Instinkte mit sich. Mit dem Selbstbewusstsein war dem Menschen die Möglichkeit gegeben, zu seinen spontanen natürlichen Impulsen Stellung zu beziehen und sich gegebenenfalls auch von ihnen zu distanzieren. Und dadurch kam ihm die psychische Geschlossenheit und Einfachheit jener Tiere abhanden, deren Wahrnehmung der Welt in einer für sie unhintergehbaren Weise auf ihre Bedürfnisse abgezweckt ist. Die entscheidende praktische Konsequenz der Entstehung des Selbstbewusstseins ist also die, dass der Mensch über verschiedene seelische Vermögen verfügt und damit vor die Aufgabe gestellt ist, die Einheit seiner Person auf der Grundlage unterschiedlicher und z. T. gegenläufiger Strebungen selbst zu konstituieren. Er hat nicht nur die Wahl zwischen verschiedenen Mitteln zu vorgegebenen Zielen, sondern muss als Vernunftwesen auch neue Ziele finden, und zwar solche, mit denen er sich identifizieren kann. In diesem Sinn ist der Mensch also - im Unterschied zu allen anderen Tieren - sein eigener Schöpfer. Und niemand kann ihm diese Aufgabe abnehmen. Das erlebt er zwar oft als eine Bürde; aber darin liegt auch seine einzigartige Würde begründet. Wie aber kommt es zu dieser lebendigen, dynamischen und spannungsträchtigen Einheit der Person, die Voraussetzung dafür ist, dass ein Mensch ,ein Freund seiner selbst‘ sein kann (und nur auf diesem Wege auch ein echter Freund anderer Menschen)? An welchem Maßstab muss sich diese menschliche Suche nach Identität und Integrität orientieren, damit sie Erfolg hat?

Ziele

In jeder Seminarsitzung behandeln wir eines der zehn Kapitel von Christine Korsgaards Self-Constitution. Agency, Identity, and Integrity:

14.04 Einführung

21.04 Agency and Identity (1-26)

28.04 The Metaphysics of Normativity (27-44)

05.05 Keine Seminarsitzung!

12.05 Formal and Substantive Principles of Reason (45-58)

19.05 Practical Reason and the Unity of the Will (59-80)

26.05 Keine Seminarsitzung!

02.06 Autonomy and Efficacy (81-108)

09.06 Expulsion from the Garden: The Transition to Humanity (109-132)

16.06 The Constitutional Model (133-158)

23.06 Defective Action (159-176)

30.06 Integrity and Interaction / How to be a Person (177-214)

Methode

Kurzreferate und Diskussion

Voraussetzungen

Grundkenntnisse im Bereich der Ethik wie sie z. B. in der Vorlesung 'Allgemein Ethik' vermittelt werden.

Qualifikation

Eine schriftliche Hausarbeit