48 | Dr. Andreas Gösele SJ

Das Unbehagen am Wachstum. Philosophisch-ethische Reflexion der Wachstumskritik und alternativer Entwürfe der Postwachstumsbewegung

Hauptseminar 2-stdg. Mittwoch, 18–20 Uhr
Raum: Seminarraum 4
Termine: ab 26.04.2017

BA: III/2, WP Umweltethik, WP Globalisierung
MAkons: III (EG), V
MA-Ethik: III (WIR), V
MA-IB: V

Thematik

Insbesondere in den Nachkriegsjahrzehnten galt anhaltendes Wirtschaftswachstum in Kombination mit sozialstaatlichen Institutionen als Garant für sozialen Wohlstand und gesellschaftliche Stabilität. Bis heute kann die Förderung von Wachstum als wichtigstes wirtschaftspolitisches Ziel verstanden werden und ist zudem im Rahmen des „Gesetzes zur Förderung der Stabilität und des Wachstums der Wirtschaft“ in Deutschland rechtlich kodifiziert. Demgegenüber lässt sich allerdings in den letzten Jahren von Seiten der Zivilgesellschaft ein zunehmendes Unbehagen am Wachstum feststellen. In Meinungsumfragen zeigt sich, dass die Mehrheit weiteres Wachstum im Sinne der Funktionsfähigkeit der Gesellschaft zwar bejaht, sich jedoch davon keine persönlichen Wohlstandsgewinne verspricht. Zudem besteht aus wissenschaftlicher Perspektive Einigkeit, dass durch ein Fortschreiben der gegenwärtigen wirtschaftlichen Produktionsweise die ökologischen Belastungsgrenzen der Erde zeitnah erreicht bzw. überschritten werden. Als Reaktion werden vor diesem Hintergrund auf supranationaler Ebene verschiedene wirtschaftspolitische Strategien entwickelt, welche Wirtschaftswachstum von Umweltbelastungen entkoppeln wollen. Das Konzept des „nachhaltigen Wachstums“ der Vereinten Nationen sowie der Ansatz des „grünen Wachstums“ der OECD lassen sich hier einordnen. Im Gegensatz zu diesen Bestrebungen positioniert sich die sog. Postwachstumsbewegung. Diese durchaus heterogene akademische wie zivilgesellschaftliche Strömung hält eine ausreichende Entkopplung von Wirtschaftswachstum und Umweltbelastung, die etwa zur Abwendung eines gefährlichen Klimawandels nötig wäre, für illusorisch. Zudem wird die Wachstumsorientierung von Wirtschaft, Politik und Gesellschaft aus sozialer Perspektive kritisiert. Dementsprechend wird die Verabschiedung von Wirtschaftswachstum als gesellschaftlichem Ziel verlangt und zugleich nach Möglichkeiten einer funktionsfähigen und wohlstandsförderlichen Gesellschaft jenseits des Wachstumsparadigmas gesucht.

Ziele

Ein tiefgehendes (kritisches) Verständnis des Diskurses um den Wert bzw. Unwert von wirtschaftlichem Wachstum und die Erarbeitung der damit verknüpften philosophisch-ethischen Fragen.

Methode

Vorbereitende Lektüre, kurze einführende Referate, ausführliche Diskussion.

Voraussetzungen

Ausreichende Englischkenntnisse, regelmäßige Teilnahme, Bereitschaft zur aktiven Mitarbeit und Übernahme eines Referats.

Qualifikation

Schriftliche Seminararbeit, Übernahme eines Referats, Teilnahme im Online-Forum.

Literatur

Zur Einführung (im Semesterapparat; weitere Literatur im Seminar): Le Monde diplomatique, Le Monde, Barbara Bauer, Dorothee D’Aprile, Sabine Jainski, Niels Kadritzke, Steffen Liebig, and Petra Thorbrietz. Atlas der Globalisierung, Weniger wird mehr. Berlin: TAZ, 2015.