23* | Dr. Tobias Müller

Realität oder Illusion? Positionen und Argumente in der Philosophie der Zeit

Hauptseminar 2-stdg. Freitag und Samstag, 9.30–15.30 Uhr
Raum: Seminarraum 5
Termine: Dienstag, 25.04., 15 Uhr (Vorbesprechung), 23.06./24.06.2017 und 07.07./08.07.2017

BA: III/2, WP Naturphilosophie
MAkons: III (GN)

Thematik

Nichts scheint uns vertrauter als die zeitliche Verfasstheit unserer erlebten Subjektivität. Nicht nur ist unser Erleben und unser Denken selbst zeitlich, benötigt also Zeit für seinen Vollzug, auch die darin gegebenen erlebte drei Zeitmodi – Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft – gehören selbstverständlich ebenso dazu wie die die Tatsache, dass uns die Gegenwart immer in einem ausgedehnten „Jetzt“-Moment gegeben ist, und somit also der prädestinierte Zeitmodus ist, während wir Vergangenes erinnern und Zukünftiges antizipieren. Aber beides – Erinnerung und Antizipation – geschieht immer in der jeweiligen Gegenwart des Subjekts. Und schließlich ist uns aus Erfahrung gegeben, dass der Zeitfluss eine unumkehrbare Richtung besitzt, durch die Gegenwart unwiderruflich zur Vergangenheit wird.

So sehr Zeitlichkeit ein zentrales Bestimmungsmerkmal von Subjektivität ist, so sehr steht diese doch in einem bislang nicht hinreichend bedachten Spannungsverhältnis zu Zeitkonzepten der Naturwissenschaften, insbesondere der Physik. Dies veranlasste eine Reihe von Physikern und Philosophen die Irrealität dieser Merkmale anzunehmen und damit die subjektive Zeiterfahrung als Illusion zu klassifizieren. Gleichgültig, ob man diesem radikalen Urteil zu- oder abgeneigt ist, es stellen sich jedenfalls angesichts der physikalischen Zeitkonzeption und der subjektiven Zeiterfahrung unweigerlich die Fragen, wie diese „objektive“ Zeit und die subjektive Zeiterfahrung als zueinander gehörend gedacht werden können, wie sie aufeinander bezogen sind, und ob eventuell die eine auf die andere reduzierbar ist.

Literatur

In dem Seminar werden Texte behandelt, die einen Überblick über die verschiedenen Standpunkte geben und Anknüpfungspunkte für weiterführende Diskussionen bieten.