401* | Dr. Giovanni Pietro Basile SJ

Existenz und Transzendenz: Karl Jaspers' Existenzphilosophie

Hauptseminar 2-stdg.
Raum: wird noch bekannt gegeben
Termine: 16.07.-19.07.18 jeweils 09.15-12.45 Uhr, 14.15-15.45 Uhr

MA-IB: V
Master Ethik: V
BA: III/2
MAkons: III(GN,EG)

Das Seminar findet in den Räumen der LMU statt.

Anmeldung erforderlich: bis 30.04.18

Thematik

Karl Jaspers gehört zusammen mit Martin Heidegger, Jean-Paul Sartre und Gabriel Marcel zu den bedeutendsten Vertretern der Existenzphilosophie des 20. Jahrhunderts. Der Begriff der Existenz ist allerdings für Jaspers mit dem der Transzendenz untrennbar verbunden. Existenz und Transzendenz machen also die Grundbegriffe von Jaspers’ dreibändigem philosophischem Hauptwerk Philosophie (1932) aus. Von Interesse für Jaspers’ Existenzphilosophie sind ferner zwei Reihen von Vorlesungen, die er 1935 bzw. 1938 unter dem Titel Vernunft und Existenz bzw. Existenzphilosophie veröffentlichte, sowie der kurze aber wichtige Aufsatz „Was ist Existentialismus?“ (1951). Die Existenzphilosophie beschäftigt sich nach Jaspers mit dem Hauptproblem der Philosophie, nämlich mit der Frage nach dem Sein, sofern dieses der Ursprung der Existenz ist, und in diesem Sinn bildet sie einfach die philosophia perennis. Kierkegaard und Nietzsche kommt der Verdienst zu, auf die konkrete, individuelle Existenz als philosophisches Problem wieder aufmerksam gemacht zu haben. Die Herausforderung für die nachkommende Philosophie ist nun, so Jaspers, jenen Begriff der Existenz und den ihres Ursprungs systematisch zu denken. Das Werk Philosophie ist dementsprechend der Versuch, ein System des Seins zu schaffen.

Im Seminar wird zunächst Jaspers’ Konzeption der Existenzphilosophie betrachtet und mit den Auffassungen von Hannah Arendt und Susanne Möbuß verglichen und kontrastiert. Anschließend wird die „Einleitung in die Philosophie“ – einer der wichtigsten und anspruchsvollsten Teile von Jaspers’ Hauptwerk – durchgelesen, in welcher Aufgabe, Methode und Möglichkeit einer systematischen Philosophie des Seins erörtert werden. Schließlich werden einige grundsätzlichen Kritiken von Paul Ricœur an Jaspers’ Existenzphilosophie berücksichtigt, die in eine Schlussdiskussion über Gültigkeit und Aktualität von Jaspers’ Denken einführen können.

Plan der Sitzungen

1. Mo, 16.07.2018 (9.15–10.45 Uhr)

► Existenzphilosophie als Diagnostik der Krise des Denkens und als philosophische Strömung

─ Möbuß 2015, 11–18

─ Arendt 1990

2. Mo, 16.07.2018 (11.15–12.45 Uhr)

► Existenzphilosophie und Existenzialismus

─ Jaspers: „Was ist Existentialismus?“

─ Jaspers: Existenzphilosophie, 1–12

3. Mo, 16.07.2018 (14.15–15.45 Uhr)

► Die geschichtliche Bedeutung Kierkegaards und Nietzsches

─ Jaspers: Vernunft und Existenz, 7–34

4. Di 17.07.2018 (9.15–10.45 Uhr)

► Rückkehr zu Kant

─ Jaspers: Vernunft und Existenz, 102–120

5. Di, 17.07.2018 (11.15–12.45 Uhr)

► Das Suchen des Seins

─ Jaspers: Philosophie. 1. Bd., 2–13

6. Di, 17.07.2018 (14.15–15.45 Uhr)

► Sein und Existenz

─ Jaspers: Philosophie. 1. Bd., 13–24

7. Mi, 18.07.2018 (9.15–10.45 Uhr)

► Das Philosophieren aus möglicher Existenz

─ Jaspers: Philosophie. 1. Bd., 24–36

8. Mi, 18.07.2018 (11.15–12.45 Uhr)

► Das Transzendieren als Methode

─ Jaspers: Philosophie. 1. Bd., 36–52

9. Mi, 18.07.2018 (14.15–15.45 Uhr)

► Das System der Philosophie

─ Jaspers: Philosophie. 1. Bd., 53–58

10. Do, 19.07.2018 (9.15–10.45 Uhr)

► Paul Ricœurs Kritik an Jaspers (1. Teil): Philosophie und Religion

─ Ricœur: „Philosophie und Religion bei Karl Jaspers“

─ Jaspers: „Antwort“. Schilpp (Hg.) 1957, 776–779

11. Do, 19.07.2018 (11.15–12.45 Uhr)

► Paul Ricœurs Kritik an Jaspers (2. Teil): Existenz und Transzendenz als Paradox

─ Dufrenne und Ricœur 1947, 326–393

12. Do, 19.07.2018 (14.15–15.45 Uhr)

► Schlussdiskussion

Ziele

Auseinandersetzung mit Karl Jaspers’ Existenzphilosophie anhand einer Untersuchung ihrer Grundbegriffe „Existenz“ und „Transzendenz“.

Methode

►Vorbereitende Lektüre der Texte,

► Impulsreferat und anschließende gemeinsame Textinterpretation mit Diskussion.

Qualifikation

Zum Scheinerwerb werden

►regelmäßige und aktive Teilnahme,

►die Übernahme mindestens eines Referats und

►die Anfertigung einer schriftlichen Leistung (Seminararbeit bzw. Niederschrift des Referats) von 28.800–43.200 Zeichen.

Literatur

● Arendt, Hannah: Was ist Existenzphilosophie? Deutsche Fassung eines 1946 auf Englisch erschienenen Essays. Hain: Frankfurt am Main 1990.

● Dufrenne, Mikel – Ricœur, Paul: Karl Jaspers et la philosophie de l’existence. Préface de Karl Jaspers. Seuil: Paris 1947.

● Jaspers, Karl: „Antwort [zu Ricœurs Beitrag „Philosophie und Religion bei Karl Jaspers“]“. In: Karl Jaspers (Philosophen des 20. Jahrhunderts). Hrsg. von Paul Arthur Schilpp. Kohlhammer: Stuttgart 1957, 776–779.

● Jaspers, Karl: „Was ist Existentialismus?“ (1951). In: Karl Jaspers: Aneignung und Polemik. Gesammelte Reden und Aufsätze zur Geschichte der Philosophie. Piper: München 1968, 497–501.

● Jaspers, Karl: Existenzphilosophie. Drei Vorlesungen, gehalten am Freien Deutschen Hochstift in Frankfurt a. M. September 1937. De Gruyter: Berlin und Leipzig 1938.

● Jaspers, Karl: Philosophie. 3 Bde. Springer: Berlin 1973 (1932).

● Jaspers, Karl: Vernunft und Existenz. Fünf Vorlesungen (1935). Piper: München 1973.

● Marcel, Gabriel – Ricœur, Paul: 1967. Entretiens Paul Ricœur Gabriel Marcel. Sendung bei France-Culture (März 1967). Erst veröffentlicht 1968 bei Aubier-Montaigne, Paris. Wiederabgedruckt 1998 bei Association Présence de Gabriel Marcel mit einem Nachwort von Xavier Tilliette. Deutsch Fassung: Gespräche. Ins Deutsche übertragen von Ansgar Ahlbrecht. Knecht: Frankfurt am Main 1970.

● Möbuß, Susanne: Existenzphilosophie. 2 Bde. Alber: Freiburg/München 2015.

● Ricœur, Paul: „Philosophie et religion chez Karl Jaspers“. In: Revue d’histoire et de philosophie religieuses 37/3 (1957) 207–235. Deutsche Übersetzung: „Philosophie und Religion bei Karl Jaspers“. In: Karl Jaspers (Philosophen des 20. Jahrhunderts). Hrsg. von Paul Arthur Schilpp. Kohlhammer: Stuttgart 1957, 604–636. Wiederabgedrückt in: Karl Jaspers in der Diskussion. Hrsg. von Hans Saner. Piper: München 1973, 358-389.

● Ricœur, Paul: Gabriel Marcel et Karl Jaspers. Éditions du temps présent: Paris 1947.