305 | Dr. Patrick Zoll SJ

Existiert Gott? Gottesbeweise und ihre Kritik

Proseminar 2-stdg.
Raum: Seminarraum 2
Termine: Mittwoch 16.15-17.45 Uhr

BA: III/1

Thematik

Lässt sich mit rein rationalen Mitteln - also ohne einen Bezug auf religiöse Autorität (z.B. Offenbarungen) - aufweisen, dass es gute Gründe dafür gibt, von der Existenz Gottes überzeugt zu sein? Diese Frage ist keine Frage der Religion, sondern sie führt in das Zentrum der Philosophie selbst, da ihre Beantwortung enorme Implikationen für erkenntnistheoretische und metaphysische Fragestellungen hat: Was können wir mit rationalen Mitteln wissen? Wo liegen die Grenzen unseres Wissens und Denkens? Können wir mit unserem Denken erkennen, dass etwas Absolutes wie "Gott" notwendigerweise existieren und vielleicht sogar bestimmte Eigenschaften haben muss? Es ist deshalb nicht verwunderlich, dass die Thematik der Gottesbeweise und ihrer Kritik sich wie ein roter Faden durch eine Philosophiegeschichte des Mittelalters (Anselm von Canterbury und Thomas von Aquin), der frühen Neuzeit (René Descartes, Baruch de Spinoza, G. W. Leibniz, David Hume), der klassischen deutschen Philosophie (Immanuel Kant, G. W. F. Hegel und F. W. J. Schelling) bis hin zu zeitgenössischen Kontroversen analytischer Prägung (Richard Swinburne, William L. Craig, Edward Feser, Ansgar Beckermann, Holm Tetens, Henning Tegtmeyer) zieht. In diesem Proseminar werden wir uns mittels der Lektüre und Diskussion klassischer und zeitgenössischer Texte in einer systematischen Weise mit Argumenten für die Existenz Gottes und Einwänden gegen sie beschäftigen.

Ziele

Das Proseminar verfolgt zwei Ziele: Erstens sollen die TeilnehmerInnen befähigt werden, Argumente für und Einwände gegen die Existenz Gottes zu verstehen und systematisch klassifizieren zu können. Zweitens soll die Fähigkeit erworben werden, eine Kritik an einem Gottesbeweis oder einem Einwand gegen einen Gottesbeweis formulieren und begründen zu können.

Methode

Grundlage für den Lernerfolg ist die gründliche und vorbereitende Lektüre des jeweiligen Textes. Als Hilfestellung für das Verständnis der Lektüre und zur Vorbereitung der Diskussion wird es für jede Woche eine kleine Moodle-Aufgabe geben, die es bis zur nächsten Sitzung erfolgreich zu bearbeiten gilt. Die Sitzungen werden so aufgebaut sein, dass zunächst die Ergebnisse dieser Übungen besprochen werden. Im Anschluss daran wird sich die Gruppe (je nach Größe) im Plenum oder in Kleingruppen der Analyse und Diskussion des Textes widmen, um die Argumente und Einwände, die sich in ihm finden lassen, besser verstehen, klassifizieren und kritisieren oder verteidigen zu können. Mittels einer Proseminararbeit kann abschließend der eigene Lernfortschritt überprüft werden, indem die erworbenen Fähigkeiten auf thematisch relevante Texte eigener Wahl angewendet werden.

Qualifikation

Ein Proseminarschein kann erworben werden, wenn zwei Leistungen erbracht worden sind: 1) Mitarbeit im Proseminar durch mindestens 9 erfolgreich bearbeitete Moodle-Aufgaben 2) Anfertigung einer Proseminararbeit (16.800 - 24.000 Zeichen; inkl. Leerzeichen)

Literatur

Wir verwenden als Textgrundlage: Joachim Bromand, Guido Kreis (Hgg.). Gottesbeweise von Anselm bis Gödel, Berlin: Suhrkamp, 2016. Eine frühzeitige Anschaffung wird empfohlen!