419 | Dr. Tobias Müller

Gottes Dasein denken. Zu Wolfgang Cramers Theorie des Absoluten

Hauptseminar 2-stdg.
Raum: Seminarraum 5
Termine: Dienstag 14.15-15.45 Uhr

MA-IB: V
Master Ethik: V
BA: III/2, WP Kulturelle Zugänge (auslaufend), WP Theologie (auslaufend)
MAkons: III(RV)

Thematik

Wolfgang Cramers Theorie der konkreten Subjektivität und die daran anknüpfende Theorie des Absoluten gehören ohne Zweifel zu den originellsten und anspruchsvollsten systematischen Beiträgen der deutschsprachigen Philosophie des 20. Jahrhunderts.

Obwohl Kenner seines Werkes seinen Ansatz als eine beachtliche Ressource für eine Subjektphilosophie und eine Theorie des Absoluten erachten, ist Cramers Philosophie bislang kaum rezipiert worden. Cramer hat sich in kritischer Auseinandersetzung mit Descartes, Leibniz, Husserl und vor allem Kant wieder den großen Fragen der Philosophie zugewandt. So entwickelte er eine Theorie der konkreten Subjektivität, die in kritischer Absetzung zu Kant sowohl der Eigenart des Denkens und Erlebens als eigener Seinsmodus als auch dem notwendigen Bezug zum Leib und seiner Umwelt Rechnung tragen soll. Ebenso wie in seiner Subjektphilosophie ist es auch in der Theorie des Absoluten Cramers Anspruch, nicht von hypothetisch gesetzten Prämissen auszugehen. Der Ausgang von hypothetischen gesetzten Prämissen war nach Cramer der wesentliche Schwachpunkt der traditionellen Gottesbeweise, und im Gegensatz dazu setzt Cramers Argumentation, die zum Prinzip der Bestimmtheit als dem absoluten Sein führt, eben keine gemachten und damit willkürlich gesetzten Bedingungen voraus, sondern expliziert die letzten Bedingungen überhaupt, die gar nicht gesetzt sein können, sondern implizit in jedem Bestimmten schon immer vorliegen.

Zentraler Gedanke in diesem Ansatz ist hierbei, ein Konzept des Absoluten zu entwickeln, das sowohl der geforderten Letztbegründung der in der Subjektphilosophie gefundenen Prinzipien genügt als auch die Basis einer angemessenen Vermittlung von Absolutem und Kontingentem darstellt. Somit möchte Cramers Theorie des Absoluten den Versuch dar, durch apagogische Argumentation unhintergehbare Minimalbestimmungen des Absoluten zu eruieren.

Werkgeschichtlich beginnt Cramer das Projekt der Letztbegründung in seinem Werk „Die Monade“, wobei der Schwerpunkt hier primär auf dem Auffinden des letztbegründenden Prinzips liegt. Die Entfaltung der Struktur dieses Prinzips wird in den Werken „Das Absolute und das Kontingente“ weitergeführt und findet schließlich – in gewisser Weise methodisch radikalisiert – in der sogenannten absoluten Reflexion in den Werken „Gottesbeweise und ihre Kritik“ und vor allem „Die absolute Reflexion“ ihren Höhepunkt.

Ziele

Im Seminar soll der Weg Cramers zu seiner „reifen“ Theorie des Absoluten kritisch nachgezeichnet werden.

Literatur

● Cramer, Wolfgang: Die Monade. Das philosophische Problem vom Ursprung. Kohlhammer, Stuttgart 1954.

● Cramer, Wolfgang: Grundlegung einer Theorie des Geistes. Klostermann, Frankfurt am Main 1957. 4. Auflage, 1999. (Philosophische Abhandlungen; 14).

● Cramer, Wolfgang: Das Absolute und das Kontingente. Klostermann, Frankfurt am Main 1959. 2. Auflage. 1976. (Philosophische Abhandlungen; 17).

● Cramer, Wolfgang: Gottesbeweise und ihre Kritik. Prüfung ihrer Beweiskraft. Klostermann, Frankfurt am Main 1967. (W. C.: Die absolute Reflexion; 2). 2. Auflage 2010. (Klostermann Rote Reihe; 33).

● Cramer, Wolfgang: Die absolute Reflexion. Schriften aus dem Nachlass. Hrsg. von Konrad Cramer. Klostermann, Frankfurt am Main 2012.