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Islamische Mystik

Vorlesung 2-stdg.
Raum: Seminarraum 3
Termine: Dienstag 18.15-19.45 Uhr, Mittwoch 16.15-17.45 Uhr, 10./11.04., 24./25.04., 15./16.05., 29./30.05., 12./13.06., 26./27.06.18

MA-IB: III(VV), V
Master Ethik: V
BA: WP Völker (auslaufend), WP Kulturelle Zugänge (auslaufend)
MAkons: III(RV)

Thematik

Die islamische Mystik - in Anlehnung an ihre arabische Originalbezeichnung auch Sufismus genannt - hat bedeutende, sehr eigenständige Beiträge zur Ideengeschichte, aber auch zur politischen und gesellschaftlichen Entwicklung der islamischen Welt geleistet und prägt die Religiosität einer großen Zahl von Muslimen bis heute. Sie hat außerdem eine sehr differenzierte Religionspsychologie entwickelt, von der auch Christen lernen können. Deshalb - und auch, um ein Gespür dafür zu bekommen, dass heutiger Islam bei weitem nicht nur aus Islamismus besteht - lohnt sich eine nähere Beschäftigung mit ihr.

Ziele

Die Teilnehmer sollen einen Überblick über die Ideengeschichte und soziale Entwicklung der islamischen Mystik gewinnen und in die Lage versetzt werden, ihre Relevanz für Politik, gesellschaftliches Leben und Frömmigkeitspraxis in der heutigen islamischen Welt zu verstehen.

Methode

Die Vorlesung bietet einen diachronischen Längsschnitt. In demjenigen Teil, der ihre Entwicklung bis um das Jahr 1200 betrifft, stehen ideengeschichtliche Gesichtspunkte im Vordergrund, wobei das Gedankengut einiger ausgewählter Anreger und Lehrmeister eines mystischen Islamverständnisses, die sich als besonders einflussreich erwiesen haben, exemplarisch dargestellt wird. Für die Zeit danach erhalten soziale, politische und frömmigkeitsgeschichtliche Aspekte des Sufismus größeres Gewicht. Auszüge aus Originalquellen, die in europäische Sprachen, meist ins Deutsche, übersetzt sind, werden als Begleitlektüre zur Verfügung gestellt. Nach einer Einleitung, die zunächst den Begriff der Mystik und deren religionsgeschichtliches Vorkommen und dann Begriff und Ursprünge des Sufismus erläutert, ist im einzelnen die folgende Grobgliederung vorgesehen: I. Anknüpfungspunkte für mystisches Denken in Koran und Ḥadīṯ - II. Der Beitrag der frühislamischen Asketik zur Entwicklung der islamischen Mystik - III. Frühe Meister der islamischen Mystik - IV. al-Ḥallāǧ (gest. 922) - V. Die Systematisierung der islamischen Mystik seit dem 10. Jahrhundert - VI. al-Ġazālīs Versuch einer Synthese von Mystik und Theologie - VII. Die Verbindung von Mystik und Philosophie bei Ibn Sīnā (Avicenna, gest. 1037) und Šihābuddīn Suhrawardī (1153–1191) und ihre Nachwirkung in Iran - VIII. Die Hinwendung zum mystischen Pantheismus unter neuplatonischem Einfluss, 1. Ibn al-ʿArabī (gest. 1240), 2. Pantheistische Mystik in der Dichtung: Farīduddīn ʿAṭṭār (gest. 1220), Mawlānā Ǧalāluddīn Rūmī (gest. 1273) - IX. Soziale Typologie und kultische Besonderheiten sufischen Gemeinschaftslebens - X. Die wichtigsten seit dem 12. Jahrhundert entstandenen Sufiorden - XI. Religionsgeschichtliche, politische und soziale Bedeutung der Sufiorden vom frühen 19. Jahrhundert bis zur Gegenwart. Eine abschließende Zusammenfassung würdigt noch einmal den Beitrag der Mystik zur islamischen Kulturtradition.

Voraussetzungen

Die Kenntnis orientalischer Sprachen wird nicht vorausgesetzt. Grundkenntnisse zum Islam, wie man sie durch Besuch einer Einführungsvorlesung zu dieser Religion oder durch Lektüre eines wissenschaftlich seriösen Taschenbuchs über sie erwirbt, sind von Vorteil, aber keine zwingende Teilnahmevoraussetzung. Von allen Teilnehmern, die noch nicht über entsprechende Grundkenntnisse verfügen, wird allerdings die erwartet, dass sie bald nach Semesterbeginn eine kurze Einführung in den Islam lesen; die Dozentin wird solchen Interessenten in der ersten Vorlesungsstunde ein geeignetes Taschenbuch empfehlen. Wichtig: Im eigenen Interesse der Teilnehmer wird regelmäßige Anwesenheit vorausgesetzt, auch wenn das Gesetz sie nicht vorschreibt.

Qualifikation

Mündliche Prüfung am Semesterschluss.

Zielgruppe

Alle Interessierten.

Literatur

Die Dozentin gibt im Verlauf der Vorlesung fortlaufend Bibliographien zu den einzelnen Abschnitten aus.