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Von den Bedingungen der Selbstbildung im Bildungswesen. Überlegungen zu einer Ethik der Bildung im Ausgang von Aristoteles, Kierkegaard und Ricoeur

Hauptseminar 2-stdg.
Raum: Seminarraum 3
Termine: Freitag, Samstag 10.00-16.00 Uhr, 27./28.04., 01./02.06.18

MA-IB: III(IE,PB), V
Master Ethik: V
BA: WP Bildung (auslaufend)
MAkons: III(EG)

Thematik

Wenn im Englischen zwischen Bildung und Ausbildung unterschieden werden soll, benützt man manchmal das deutsche Wort Bildung neben dem Englischen education. Wenn es aber im deut¬schen Bildungswesen um Bildung geht, ist die Unterscheidung häufig unklar. Damit stellt sich die Frage, was wir mit Bildung im Abgrenzung zu Ausbildung oder Erziehung meinen, und auch die Frage, inwiefern Selbstbildung im Bildungswesen Platz hat und haben sollte.

Der Mensch ist ein Lebewesen, von dem man sagen kann, dass es ein Verhältnis sei, ”das sich zu sich selbst verhält“ (Kierkegaard, Die Krankheit zum Tode). Das bedeutet, dass wir nicht nur, wie andere Lebewesen auch, im Verhältnis zu unserer Umwelt geformt werden, sondern dass wir als Selbstverhältnisse Verantwortung für unser Leben übernehmen. Wir brauchen Charakterbildung, um tauglich zu sein als soziale Wesen und im Leben (Tugendethik nach Aristoteles, Nikomachische Ethik). Auf dem Weg des Lebens müssen wir gewillt sein, von Lebenskrisen zu lernen, Wir müssen lernen, uns angemessen ängstigen zu können, damit wir den Irrungen und Wirrungen des Lebens nicht schutzlos verfallen (Kierkegaard über Angst) – und wir brauchen einen entwickelten Sinn für Grenzen, die wir im Leben nicht überschreiten sollen, damit wir nicht schamlos werden (Løgstrup über Scham). Es ist von Vorteil, uns des Lebensprojektes bewusst zu werden, wodurch wir unsere Identität bilden (Paul Ricoeur über Selbstbildung). Wir brauchen eine Ethik der Bildung, die uns zeigen kann, worauf es ankommt, wenn wir uns im Leben vorwagen,”auf ein Entgegenkommen zu“. (Løgstrup, Die ethische Forderung).

Methode

► Lektüreseminar.

►Selbstständige Vorbereitung der Texte wird vorausgesetzt.

► Kurze Textreferate und gemeinsame Diskussion im Plenum.

► Scheinerwerb durch schriftliche Hausarbeit.

Literatur

● Aristoteles, Nikomachische Ethik, Buch I, II und VI.

● Kierkegaard, Søren (1991) Der Begriff Angst (3. Aufl.), Viertes Kapitel, S. 114–160. München: Eugen Diederichs Verlag.

● Lindseth, Anders (2014) ”Ist Bildung ein mögliches Ziel Philosophischer Praxis?“ in: A. Lindseth, Zur Sache der Philosophischen Praxis. Philosophieren in Gesprächen mit ratsuchenden Menschen, S. 212–229. (2. Auflage.) Freiburg/München: Verlag Karl Alber. (1. Auflage 2005).

● Løgstrup, Knud E. (1961) ”Scham“, in: K. Galling (Hg.), Die Religion in Geschichte und Gegenwart. Handwörterbuch für Theologie und Religionswissenschaft (3. Aufl.), Band V, S. 1383–1386. Tübingen: J.C.B. Mohr (Paul Siebeck).

● Pieper, Josef (1949) Über die Hoffnung. München: Verlag Jakob Hegner. (5. Aufl. im Kösel-Verlag zu München.)

● Ricoeur, Paul (1996) Das Selbst als ein Anderer, S. 9–54. München: Wilhelm Fink Verlag. (Französische Originalausgabe: Soimeme comme un autre, 1990.)

● Schmitt, Arbogast (2008) Die Moderne und Platon. Zwei Grundformen europäischer Rationalität (2. Auflage), Vorwort zur 2. Auflage, S. i–vii. Stuttgart/Weimar: Verlag J.B. Metzler.