305* | Prof. Dr. Dr. Johannes Wallacher

Freier Markt für mehr Wohlstand? Adam Smith und die wirtschaftsethischen Herausforderungen der Gegenwart

Proseminar 2-stdg.
Raum: SR 2 (Einführung am 27.03. in SR UG)
Termine: Einführung: Fr., 27.3.20, 15.15 - 16.45 Uhr und Fr., 24.04., 15.05., 22.05., 29.05., 19.06., 3.07.20 jeweils 15.00 - 18.15 Uhr

Master Ethik: III(WIR)
BA: III/1

in Zusammenarbeit mit Alice Bauer M.A.

Thematik

Die moderne Ökonomie geht nach allgemeinem Verständnis auf Adam Smith (1723-1790) und sein berühmtes Werk „Der Wohlstand der Nationen“ (WN) von 1776 zurück. Nicht wenige sehen Smith auch als Vorreiter des Homo Oeconomicus, des egoistischen Nutzenmaximierers der neoklassischen Wirtschaftstheorie, sowie eines Wirtschaftsliberalismus, in dem der freie Markt von sich aus den allgemeinen Wohlstand mehre. Diese Deutung vernachlässigt jedoch, dass die ökonomischen Überlegungen von Smith vor dem Hintergrund seines Gesamtwerkes zu sehen sind. Denn Smith war Moralphilosoph und als solcher legte er in seinem ersten Hauptwerk, der 1759 erstmals erschienenen „Theorie der moralischen Gefühle“ (TMG) ein umfassendes System der Moralphilosophie vor. Obwohl Smith seine Moraltheorie selbst als sein Hauptwerk ansah und sie bis kurz vor seinem Tode in sechs Auflagen immer wieder ergänzte und überarbeitete, ist sie schon früh gegenüber dem WN in den Hintergrund getreten.

Dies zeigt sich etwa auch in den gegenwärtigen Debatten über das Verhältnis von Markt, Staat und Moral, die seit der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise seit einem Jahrzehnt geführt wird. Dabei wird meist auf Adam Smith als Ahnherr der Ökonomie verwiesen, seine Moralphilosophie findet dabei jedoch kaum Beachtung. Es gibt jedoch gute Gründe dafür, die Bedeutung der TMS für die ökonomischen Überlegungen von Smith in Erinnerung zu rufen. Die Mehrzahl der Smith-Interpreten ist nämlich der Ansicht, dass zwischen der Smithschen Moral-, Wirtschafts- und Staatstheorie ein enger Zusammenhang besteht und sich aus einer integrierten Betrachtung seines Gesamtwerks interessante Orientierungen für aktuelle wirtschaftsethische Fragen gewinnen lassen.


Ziele

Ziel des Proseminars ist es, anhand ausgewählter Textpassagen seiner beiden großen Werke zentrale Elemente des ethischen und ökonomischen Denkens Adam Smiths kennen zu lernen und ihre Bedeutung für zentrale wirtschaftsethische Fragen unserer Zeit (u.a. Verhältnis von Markt und Staat, Konkurrenz und Kooperation, Freihandel, Gemeingüter) zu diskutieren. 

Methode

Lektüre von Textausschnitten aus der TMG und dem WN wie von Sekundärliteratur, Kurzreferate und Diskussion. Bis auf Weiteres wird das Proseminar als Online-Lehrveranstaltung durchgeführt.

Voraussetzungen

Aktive Mitarbeit, sorgfältige Vorbereitung der jeweiligen Texte mit Beantwortung von Fragen mit entsprechender Präsenation; ein eigene Einführung für Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Frühstudiums am 19.4.20, 15 Uhr dient dem Kennenlernen der HFPH und der Einführung in das wissenschaftliche Arbeiten.

Verbindliche Anmeldung zur Teilnahme am Proseminar bis zum 18.4.2020 per Email an johannes.wallacher@hfph.de. Sie erhalten dann den Einschreibeschlüssel für den entsprechenden Moodle-Kurs

Qualifikation

Aktive Mitarbeit, kleinere schriftliche Arbeiten in Form von Forumsbeiträgen zur Vorbereitung der einzelnen sitzungen und zwei Kurzessays und einem Kurzreferat.

Zielgruppe

Studierende im Frühstudium, Studienanfänger mit Interesse an wirtschaftsethischen Fragen, Studierende des Modulstudiums Wirtschaftsethik sowie des Weiterbildungsmasters Ethik mit Schwerpunkt Wirtschaftsethik (Scheinwerb auf Antrag auf Antrag an den Prüfungsausschuss möglich)

Literatur

Literatur: (Semesterapparat der Bibliothek)

Primärquellen:

• Smith, Adam [1759], Theorie der ethischen Gefühle [TEG], übers. und hrsg. von Walther Eckstein, neu hrsg. von Horst D. Brandt, Hamburg (Felix Meiner) 2010. https://meiner-elibrary.de/media/upload/leseprobe/9783787319367.pdf

Englische Originalfassung: Smith, Adam. The Theory of Moral Semtiments. Edited by Sálvio M. Soares. MetaLibri, 2005,http://www.ibiblio.org/ml/libri/s/SmithA_MoralSentiments_p.pdf

• Smith, Adam [1776], Der Wohlstand der Nationen [WN], übers. und hrsg. von Horst Claus Recktenwald, München (dtv) 1978.

Englische Originalfassung: Smith, Adam. An Inquiry into the Nature and Causes of the Wealth of Nations. Edited by Sálvio M. Soares. MetaLibri, 2007, http://www.ibiblio.org/ml/libri/s/SmithA_WealthNations_p.pdf

Auswahl empfehlenswerte Sekundärliteratur

• Aßländer, Michael S., Adam Smith zur Einführung, Hamburg 2007.

• Ballestrem, Karl Graf, Adam Smith, München 2001.

• Fleischacker, Samuel, On Adam Smith's „Wealth of nations“: A philosophical companion, Princeton 2005.

• Fricke, Christel/Schütt, Hans-Peter (Hrsg.), Adam Smith als Moralphilosoph, Berlin 2005.

• Hanley, Ryan Patrick, Adam Smith and the Character of Virtue, Cambridge 2011.

• Hill, Lisa, Adam Smith's pragmatic liberalism: The Science of Welfare, Cham 2020.

• Manstetten, Reiner, Das Menschenbild der Ökonomie. Der homo oeconomicus und die Anthropologie von Adam Smith, Freiburg 2000.

• Evensky, Jerry, Adam Smith's Moral Philosophy: a historical and contemporary perspective on markets, law, ethics, and culture, Cambridge/Mass. 2007.

• Meyer, Arnold/Ulrich, Peter (Hrsg.), Der andere Adam Smith. Beiträge zur Neubestimmung von Ökonomie als Politischer Ökonomie, Bern/Stuttgart 1991.

• Ross, Ian Simpson, Adam Smith. Leben und Werk, Düsseldorf 1998.

• Rothschild, Emma, Economic Sentiments. Adam Smith, Condorcet and the Enlightenment, Cambridge/Mass. 2001.

• Schliesser, Eric, Adam Smith: Systematic philosopher and public thinker, New York 2017.

• Streminger, Gerhard, Adam Smith: Wohlstand und Moral, eine Biographie, München 2017.