415* | Dr. Olivia Mitscherlich-Schönherr

Kann das Anthropozän gelingen?

Hauptseminar 2-stdg.
Raum: Seminarraum 2
Termine: Montags von 16.00 - 20.00 Uhr jeweils am 02.05. (16.00 - 18.00 Uhr), 16.05., 30.5., 04.07. (16.00 - 18.00 Uhr) und die Tagungsteilnahme Montag, 20.06., 10.00 Uhr bis Dienstag, 21.06.22, 16.00 Uhr

MA-IB: III, V
Master Ethik: III, V
BA: III/2
MAkons: III

Thematik

In öffentlichen Debatten ist dem Begriff ‚Anthropozän‘ etwas mehrfach Krisenhaftes eingeschrieben: ‚Der Mensch‘ habe einen überproportionalen Einfluss auf geologische, atmosphärische und biologische Prozesse. Dies mache sich in weiteren Krisen wie dem Klimawandel, der Umweltverschmutzung, dem Artensterben oder der Übernutzung natürlicher Ressourcen bemerkbar. Dabei wird ein misslingendes, aus dem Lot geratenes Verhältnis zwischen den Menschen, oder zumindest den gegenwärtigen Formen menschlichen Lebens und der ihnen äußerlichen Natur angenommen. Allerdings ist eine solche Trennung oftmals nicht eindeutig. In Krisen des Anthropozäns zeigt sich nämlich auch, dass alle Formen des menschlichen Lebens von Naturprozessen durchdrungen sind. Das Seminar möchte den Fragen nachgehen, ob und wie eine solch inhärent krisenhafte Epoche wie die des Anthropozäns überhaupt gelingen kann. Dabei sind die Begriffe des Gelingens bzw. eines gelingenden Lebens oder gelingender Naturverhältnisse nicht weniger umstritten wie der Begriff des Anthropozäns. Implizit scheinen diese Begriffe nämlich Vorannahmen über eine natürliche Bestimmung des menschlichen Lebens bzw. des menschlichen Naturverhältnisses in Anspruch zu nehmen. Solche Vorannahmen sind jedoch nicht nur in erkenntnistheoretischer Hinsicht fraglich, sie laufen in ethischer Hinsicht zugleich Gefahr, Formen normalisierender Gewalt auszubilden. Gleichwohl leiten solche Vorannahmen über das Gelingen und Misslingen unserer Naturverhältnisse die öffentlichen und akademischen Debatten an. Das Seminar möchte die Auseinandersetzung mit dem Fragekomplex eines gelingenden bzw. misslingenden Anthropozäns aus der Perspektive unterschiedlicher – analytischer, phänomenologischer, pragmatistischer und ideologiekritischer – Methodenansätze führen. Es möchte nicht nur nach Formen des menschlichen Lebens in der Natur und den motivationalen Quellen möglicher Erneuerungen gegenwärtiger Naturverhältnisse, sondern auch nach begrifflichen, gesellschaftlichen, ethischen und politischen Hindernissen fragen, die es bei der Frage der Gestaltung des Anthropozäns zu beachten gilt. Was impliziert beispielsweise die Rede eines gelingenden Anthropozäns, oder ist sie ohne sehr grundlegende Strukturveränderungen überhaupt denkbar? Gibt es also ein gutes Leben im falschen und was, wenn überhaupt etwas, kommt nach dem Anthropozän als Krise? Pläne des Seminars und der Fachtagung finden sich auf Moodle.

Ziele

Der Besuch des Seminars befähigt zu einer kritischen Auseinandersetzung mit krisenhaften Natur-Verhältnissen und den Möglichkeiten ihrer Transformation.

Methode

Das Seminar besteht aus zwei Teilen: aus Seminarsitzungen, die sich an Studierende der HFPH wenden; sowie aus der Teilnahme und Mitgestaltung einer Fachtagung zum Thema an der Katholischen Akademie. Die Seminarsitzungen sind methodisch von klassischer Textarbeit bestimmt: der vorbereitenden Lektüre und der Diskussion der Texte in den gemeinsamen Sitzungen. Die Fachtagung besteht aus Vorträgen von externen Expert:innen und deren Diskussion.

Voraussetzungen

Vorausgesetzt wird das Interesse am Thema sowie die Bereitschaft zu regelmäßiger Teilnahme: sowohl an den Seminarsitzungen an der HFPH als auch an 2 der 4 Themeneinheiten während der Fachtagung an der Katholischen Akademie.

Qualifikation

Grundlage eines benoteten Scheins sind neben der regelmäßigen Teilnahme an den Veranstaltungen eine Hausarbeit. Ausführlichere Angaben finden sich auf Moodle.

Zielgruppe

Alle Studierenden, die sich für das Thema interessieren.

Literatur

Wird in den Seminarsitzungen bekannt geben.