16 | Dr. Mara-Daria Cojocaru

"Die Erneuerung der Philosophie" oder nur "Ein neuer Name für einige alte Wege des Denkens"? Eine Einführung in klassische Positionen der pragmatischen Philosophie

Proseminar 2-stdg. Mittwoch, 15–17
Raum: Seminarraum 4
Termine: ab 8.10.2014
BA: III/1
ZEP: A

Thematik

Der philosophische Pragmatismus war zum Ende des 19. Jahrhunderts als starkes, metaphilosophisch anspruchsvolles Programm angetreten, dessen Reichweite und Weiterentwicklungen über die klassischen Texte von Charles S. Peirce, William James und John Dewey hinaus zunehmend sichtbar geworden sind. Weit davon entfernt nur als „erste genuin amerikanische Philosophie“ interessant zu sein, ist seit geraumer Zeit in allen möglichen Disziplinen der Philosophie von einer „Renaissance des Pragmatismus“ die Rede. Seit seinen Anfängen ist der Pragmatismus aber auch immer wieder Gegenstand heftiger, zum Teil missverständlicher Debatten gewesen. Der Pragmatismus scheint irgendetwas mit dem handelnden Menschen zu tun zu haben, er schiebt aber philosophische Fragen nicht einfach „pragmatisch“ zu Seite wann immer es ihm nützlich ist. Doch selbst wenn der Verdacht der Hemdsärmeligkeit ausgeräumt ist, ist noch immer nicht ausgemacht, worum es sich beim Pragmatismus genau handelt – ist er eine Methode zur Begriffsklärung? eine Wahrheitstheorie? eine Lebensphilosophie? eine Handlungstheorie? – und welche Konsequenzen er für die philosophischen Disziplinen – von der Ästhetik bis zur Wissenschaftstheorie – haben mag. Um sich dieser facettenreichen Strömung philosophischen Denkens schrittweise zu nähern, soll deswegen in diesem Seminar die Lektüre ausgewählter klassischer pragmatistischer Texte im Vordergrund stehen. Wir werden uns systematisch mit dem viel zitierten Primat der Praxis vor der Theorie genau befassen und auch mögliche Konsequenzen für Metaphysik und Erkenntnistheorie, sowie für die Unterscheidung zwischen theoretischer und praktischer Philosophie kennenlernen. Die Lektüre fokussiert bei Peirce auf die Konzeption des Zweifels und die pragmatische Maxime, bei James auf den Wahrheitsbegriff und bei Dewey auf zentrale Begriffe wie Erfahrung und Intelligenz. Die vorgeschlagene Orientierung der Philosophie an den Naturwissenschaften gilt es darüber hinaus kritisch zu prüfen.

Ziele

Die Studierenden erwerben Grundkenntnisse des philosophischen Pragmatismus, üben sich in der Textanalyse und -kritik, und in der konzisen, schriftlichen Auseinandersetzung mit philosophischen Argumenten.

Methode

In diesem Seminar werden wir uns nach einer einleitenden, propädeutischen Sitzung mit ausgewählten Positionen und Thesen des klassischen Pragmatismus auseinandersetzen. Grundlage der Arbeit in den inhaltlichen Sitzungen ist eine vorbereitende genaue Textlektüre, sowie ein im Vorfeld zu besprechendes Referat.

Voraussetzungen

Die Bereitschaft, sich in die Textanalyse und in die Diskussionen einzubringen, ist notwendig. Eine gewisse Bereitschaft zur Lektüre englischsprachiger (Sekundär-)Literatur ist, auch mit Blick auf die Essays, wünschenswert. Zudem sind Neugier auf und Offenheit für Texte mit einem metaphilosophischen Duktus hilfreich.

Qualifikation

Um einen qualifizierten Seminarschein zu erwerben, müssen Sie regelmäßig vorbereitet an den Sitzungen teilnehmen, ein Referat übernehmen und zwei (bzw. drei Essays) von jeweils ca. 8.000-10.000 Zeichen (inkl. Leerzeichen, Fußnoten und Literaturverzeichnis) schreiben. Das genaue Vorgehen wird in der ersten Sitzung erläutert.

Literatur

Als Einführung sollen gelesen werden: „What is pragmatism“ – eine Diskussion zwischen Richard Rorty, James Conant und Hilary Putnam, moderiert von Gretchen Helfrich, in: Think. Philosophy for everyone Vol. 3 No. 8, Sept. 2004, 71–88. (Bspw. über die elektronische Zeitschriftenbibliothek der Stabi erhältlich) „Amerikanische Pragmatisten“ von Ekkehard Martens, in: Klassiker der Philosophie. Zweiter Band. Von Immanuel Kant bis Jean-Paul Sartre, hgg. v. Ottfried Höffe, München 21985, 225–250. (In der Hochschulbibliothek vorhanden) Wenn Sie Probleme haben, sich die Texte zu besorgen, melden Sie sich gerne mit einer kurzen Mail bei mir persönlich. Die Texte, die wir lesen werden, sowie ergänzende Texte stehen ab Semesterbeginn im Semesterapparat zur Verfügung.