14 | Dr. Giovanni Pietro Basile SJ

Gabriel Marcel und Karl Jaspers: Beiträge zur Existenzphilosophie

Proseminar 2-stdg. Dienstag, 15–17 Uhr
Raum: Seminarraum 3
Termine: ab 7.10.2014
BA: III/1
ZEP: A

Thematik

Gabriel Marcel (1889 – 1973) und Karl Jaspers (1883 – 1969) gelten zusammen mit Jean-Paul Sartre (1905 – 1980) und Martin Heidegger (1889 – 1976) als die philosophischen Hauptvertreter einer kulturellen Bewegung, die versucht hat, die Frage der Existenz aus einer radikal neuen Perspektive wiederzustellen. Außer Sartre hat keiner der genannten Denker den Ausdruck „Existentialismus“ für ganz geeignet gehalten, seine eigene Philosophie zu bezeichnen. Denn für Marcel, Jaspers und Heidegger stellt die Reflexion über die Existenz vielmehr den Ansatzpunkt für eine neue Ontologie bzw. eine neue Transzendenzphilosophie dar. Überdies verbindet sich das Problem der Existenz bei Marcel und Jaspers mit einer Kritik des Wissens und der Suche nach einer neuen philosophischen Methode. Nach einer allgemeinen Darstellung von Marcels und Jaspers Denken anhand autobiographischer Texte werden einige besonders repräsentative Schriften von beiden Philosophen gelesen: „Einleitung in die Philosophie“ aus Jaspers’ Werk "Philosophie" I (1932) sowie Marcels Aufsätze „Existenz und Objektivität“ (1925), „Grundsituation und Grenzsituationen bei Karl Jaspers“ (1932/33) und „Das ontologische Geheimnis. Fragestellung und konkrete Zugänge“ (1933).

Ziele

Das Ziel des Seminars ist: 1) Marcels und Jaspers’ Existenzverständnis und dessen ontologische sowie epistemologische Implikationen zu analysieren; 2) die Momente des Denkens dieser beiden Philosophen systematisch zu rekonstruieren; 3) ihre jeweiligen Positionen kritisch zu vergleichen, um Verwandtschaften und Abweichungen festzustellen.

Methode

Vorbereitende Lektüre der Texte, Impulsreferat und anschließende gemeinsame Textlektüre mit Diskussion.

Qualifikation

Zum Scheinerwerb werden regelmäßige und aktive Beteiligung, die Übernahme mindestens eines Referats und die Anfertigung einer Seminararbeit von 16.800-24.000 Zeichen verlangt.

Literatur

► Arendt, Hannah: 1958. „Karl Jaspers: Rede zur Verleihung des Friedenspreis der Deuchten Buchhandels 1958“. In: Mitverantwortlich (1968), 5 – 13. ► Jaspers, Karl: 1932. „Einleitung in die Philosophie“. In: Philosophie I. Philosophische Weltorientierung. Springer: Berlin/Heidelberg/New York 41973. ► Jaspers, Karl: 1941. „Über meine Philosophie“. In: RuA51, 333 – 365. Erst auf Italienisch erschienen unter dem Titel „La filosofia dell’esistenza nel mio sviluppo spirituale“, in: Logos 24 (1941) 227 – 259. ►Jaspers, Karl: 1951a. „Mein Weg zur Philosophie“. Radiovortrag im Februar 1951 über Studio Basel im Sender Beromünster. Erschienen in: RuA51, 323 – 332. ►Jaspers, Karl: 1951b. „Was ist Existenzialismus?“. In: Schweizer Illustrierte 40 (1951) 15 und 26. Wiederabgedruckt in: Derselbe, Aneignung und Polemik. Gesammelte Reden und Aufsätze zur Geschichte der Philosophie. Piper, München 1968, 497 – 501. ►Jaspers, Karl: 1951c. Rechenschaft und Ausblick. Reden und Aufsätze. München: Piper 1951. [RuA51] ►Jaspers, Karl: 1956. „Philosophische Autobiographie“. Kohlhammer, Stuttgart 1956. Wiederabgedruckt in: Mitverantwortlich (1968), 15 – 101. ►Jaspers, Karl: 1968. Mitverantwortlich. Ein philosophisch politisches Lesebuch. Geleitwort von Hannah Arendt. Bertelsmann u. a., Gütersloh u. a. 1968. ►Marcel, Gabriel: 1925. „Existence et Objectivité“. In: Revue de Métaphysique et de Morale 32 (1925) 175 – 195. Wiederabgedruckt im Anhang zum Journal métaphysique. Paris: Gallimard 1927. Deutsche Übersetzung: „Existenz und Objektivität“. In: Metaphysisches Tagesbuch. Übersetzt von Hanns von Winter. Wien: Herold 1955. Wiederabgedruckt in: Werkauswahl I, 225 – 242. ►Marcel, Gabriel: 1932/33. „Situation fondamentale et situations limites chez Karl Jaspers“. In: Recherches philosophiques (1932/33). Wiederdruck in: Gabriel Marcel: Du refus à l’invocation. Gallimard: Paris 1940, 284 – 326. Auf Deutsch erschienen unter dem Titel: Schöpferische Treue. Übersetzt von Ursula Behler. Schöningh: München/Paderborn/Wien und Thomas/Zürich 1961/63. Wiederabgedruckt nach einer neuen Übersetzung von Hans Saner unter dem Titel „Grundsituation und Grenzsituationen bei Karl Jaspers“. In: Karl Jaspers in der Diskussion. Hrsg. von Hans Saner. Piper: München 1973, 155 – 180. ►Marcel, Gabriel: 1933. „Position et approches concrètes du mystère ontologique“. Erschienen im Anhang zum Theaterstück Le monde cassé. Paris: Desclée de Brouwer 1933. Wiederabgedruckt als Buch Paris/Louvain: Vrin/Nauwelaerts 1949 dann im Anhang zu Gabriel Marcel interrogé par Pierre Boutang, Paris: J.-M. Place 1977. Deutsche Übersetzung: Das ontologische Geheimnis. Drei Essais. Übersetzt von G. Konietzny-Grond. Stuttgart: Philipp Reclam jun. 1961. Wiederabgedruckt in: Werkauswahl I, 59 – 86. ►Marcel, Gabriel – Ricœur, Paul: 1967. Entretiens Paul Ricœur Gabriel Marcel. Sendung bei France-Culture (März 1967). Erst veröffentlicht 1968 bei Aubier-Montaigne, Paris. Wiederabgedruckt 1998 bei Association Présence de Gabriel Marcel mit einem Nachwort von Xavier Tilliette. Deutsch Fassung: Gespräche Paul Ricœur Gabriel Marcel. Ins Deutsche übertragen von Ansgar Ahlbrecht. Frankfurt a. M.: Knecht 1970. ►Marcel, Gabriel: 1992. Hoffnung in einer zerbrochenen Welt? Vorlesungen und Aufsätze. In: Gabriel Marcel. Werkauswahl. Herausgegeben von Peter Grotzer und Siegfried Foelz. Bd. I. Eingeleitet und herausgegeben von Peter Grotzer. Mit einem Vorwort von Paul Ricœur. Paderborn u. a.: Schöningh 1992. [Werkauswahl I]. ► Sekundärliteratur (eine Auswahl) Zu Karl Jaspers ►„Wahrheit ist, was uns verbindet“. Karl Jaspers’ Kunst zu philosophieren. Hrsg. von Reinhard Schulz. Wallstein: Göttingen 2009. ►Brea, Gerson: Wahrheit in Kommunikation. Zum Ursprung der Existenzphilosophie bei Karl Jaspers. Ergon: Würzburg 2004. ►Existenz und Sinn. Karl Jaspers im Kontext: Festschrift für Reiner Wiehl. Hrsg. von Anton Hügli. Winter: Heidelberg 2009. ►Galimberti, Umberto: Il tramonto dell’Occidente nella lettura di Heidegger e Jaspers. Feltrinelli 2006. ►Glaube und Wissen. Zum 125. Geburtstag von Karl Jaspers. Hrsg. von Anton Hügli. Schwabe: Basel 2008. ►Karl Jaspers. Grundbegriffe seines Denkens: Hrsg. und eingel. Von Hamid Reza Yousefi. Reinbeck: Lau 2011. ►Kirkbright, Suzanne: Karl Jaspers. A Biography. Navigations in Truth. Yale Univ. Press: New Haven u. a. 2004. ►Lehnert, Erik: Die Existenz als Grenze des Wissens. Grundzüge einer Kritik der philosophischen Anthropologie bei Karl Jaspers. Ergon: Würzburg 2006. ►Pazouki, Bahman: Existenz und Vernunft bei Karl Jaspers. Dissertation: Freiburg (Breisgau) 2010. ►Primärbibliographie der Schriften Karl Jaspers’. Auf der Grundlage der Bibliographie von Gisela Gefken und Karl Kunert völlig neu bearb. und hrsg. von Christian Rabanus. Francke: Tübingen [u. a.] 2000. ►Schüßler, Werner: Jaspers zur Einführung. Junius: Hamburg 1995. ►Szczepanik, Artur: Gott als absolute Transzendenz. Die Verborgenheit Gottes in der Philosophie von Karl Jaspers. Utz: München 2005. ►Teoharova, Genoveva: Karl Jaspers’ Philosophie auf dem Weg zur Weltphilosophie. Königshausen & Neumann: Würzburg 2005. ►Thornhill, Chris: Karl Jaspers. Politics and Metaphysics. Routledge: London 2002. Zu Gabriel Marcel ►Foelz, Siegfried: Gewissheit im Suchen : Gabriel Marcels konkretes Philosophieren auf der Schwelle zwischen Philosophie und Theologie. Bouvier: Bonn 1980. ►Gallagher, Kenneth T.: The philosophy of Gabriel Marcel. Fordham University Press: New York 31975. ►Marcel, Gabriel: Werkauswahl. 3 Bd. Herausgegeben von Peter Grotzer und Siegfried Foelz. Paderborn u. a.: Schöningh 1992. ►Mittl, Florian: Hoffnung als anthropologische Grundkategorie: Fundamentaltheologische Beiträge aus der Diskussion mit Gabriel Marcel. Pustet: Regensburg 2013. ►Ruelius, Peter-Felix: Mysterium spes. Gabriel Marcels Philosophie der Hoffnung und ihre Relevanz für die Eschatologie. Würzburg: Echter, 1995. ►Sweetman, Brendan: The vision of Gabriel Marcel. Epistemology, human person, the transcendent. Rodopi: Amsterdam [u.a.] 2008. ►The philosophy of Gabriel Marcel. Hrsg. von Paul Arthur Schilpp. Open Court: La Salle 1984.