01 | Prof. Dr. Andreas Trampota SJ

Allgemeine Ethik

Vorlesung 3-stdg. Dienstag, 11–12 Uhr und Donnerstag, 9–11 Uhr
Raum: Aula
Termine: ab 18.10.2016

BA: I/3
MA-Ethik: IIId
MA-IB: V

Thematik

In einem Interview, das in der SZ vom 7. Oktober abgedruckt war, hat die georgisch-britische Sängerin Katie Melua gesagt:

„Die Georgier haben ein spezielles Verhältnis zu Geld. Handel und Geschäftemachen gelten als schmutzig. Mir hat zum Beispiel die Frau, die sich um das Haus kümmerte, das ich während der Musikaufnahmen gemietet hatte, einfach so ein wunderschönes Kleid genäht. Selbstverständlich hat sie kein Geld dafür genommen. Mein Gesangslehrer übrigens auch nicht. Es ist eine Frage der Ehre, jemandem ein Geschenk zu machen.“

Das ist eine interessante Intuition: Dass es bestimmte Handlungsweisen gibt, die eine Frage der Ehre sind! Und interessant an der Art, wie Katie Melua diese Intuition mitteilt, ist auch, dass sie das Handeln aus Ehre deutlich von einem Handeln aus anderen natürlichen Impulsen (Handeln und Geschäftemachen) abgrenzt. 

Damit bringt sie eine bestimmte (vor-philosophische) moralische Intuition zum Ausdruck, die in der kulturellen Tradition, in der sie steht, eine prominente Rolle spielt. Und solche Intuitionen sind auch in der philosophischen Ethik äußerst wichtig! Allerdings sind sie hier nur der Ausgangspunkt der Reflexion. Das Ziel des moralphilosophischen Denkens ist eine Theorie, die verständlich machen kann, warum bestimmte Intuitionen richtig sind und andere nicht, und wie wir dazu motiviert werden, das Richtige zu tun. Und wenn man über Meluas Intuition philosophisch nachdenkt, würde man z. B. die Frage stellen, ob das Ehrgefühl als ein natürliches Phänomen die Grundlage unserer Moralität sein kann (jedenfalls eines zentralen Aspektes davon), oder ob die Moralität ein über die natürliche Beschaffenheit des Menschen hinausgehendes (in einem bestimmten Sinn davon unabhängiges) Fundament hat.

Deshalb beginnt die Vorlesung 'Allgemeine Ethik' mit einer These von Iris Murdoch, die lautet: “Ethics and epistemology are always closely connected, and if we want to understand our ethics we have to look at our epistemology.” Damit wird gesagt: Wenn wir verstehen wollen, worum es bei dem Streben des Menschen nach dem Guten (im moralischen und außermoralischen Sinn) geht, dann müssen wir der Frage nachgehen, wie wir erkennen, was gut istSie ist der Ausgangspunkt und der Leitfaden der Vorlesung. 

Ziele

Eine Einführung in Grundbegriffe und Methoden der philosophischen Ethik.

Methode

Vorlesung mit Fragemöglichkeit

Voraussetzungen

Keine

Qualifikation

Mündliche Prüfung

Zielgruppe

Studierende im Grundstudium

Literatur

Auf grundlegende und weiterführende Literatur wird im Rahmen der Vorlesung sukzessive hingewiesen.