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Autonomie der Person

Hauptseminar 2-stdg.
Raum: Seminarraum 4
Termine: Mittwoch 16-18 Uhr, ab 18.10.17

MA-IB: III(PB), V
Master Ethik: V
BA: III/2
MAkons: III(GN,EG)

Thematik

"Die Idee der personalen Autonomie treibt viele um, obwohl der Begriff meist nur im Fachjargon gebraucht wird. „Werde, der Du bist“, „Sei Du selbst“, „Steh zu dem, was Du tust“, „Nimm Dein Leben selbst in die Hand“, „Misch Dich nicht in ihre Angelegenheiten ein“, „Lass ihn selbst entscheiden“ sind Slogans, die mehr oder weniger deutlich Intuitionen ausdrücken, die unserem Verständnis von Autonomie zugrunde liegen. Dazu gehören u. a. die Vorstellung von Selbstkontrolle, von Unabhängigkeit, von der eigenen Autorität und des eigenen Willens, sowie die Idee, eine mündige, selbstständige und authentische Person zu sein. Mit dem in seinem Wortursprung griechischen Terminus, der im Deutschen meist mit recht akademischen Begriffen wie „Selbstbestimmung“, „Selbstgesetzgebung“ oder „Eigengesetzlichkeit“ wiedergegeben wird, verbinden viele von uns einen zentralen Wert, den es zu befördern und zu erreichen, zu bewahren und zu respektieren gilt. Umgekehrt scheint es ein beklagenswerter Verlust, wenn Autonomie fehlt oder beeinträchtigt ist, der häufig auf Unterdrückung, Entmündigung oder psychische Krankheit deutet. Selbst wenn Autonomie von einer bestimmten Person nicht angestrebt wird, so scheint es sich doch um eine Fähigkeit zu handeln, die zu aktualisieren als Leistung betrachtet wird und die es zu schützen gilt. Eine autonome Person wird aufgrund ihrer Autonomie anders behandelt als eine nicht-autonome Person. Autonomie ist eine notwendige Voraussetzung dafür, unser eigenes Leben zu führen, und umgekehrt bewahrt sie uns vor Einmischung und Paternalismus. Doch warum genau ist Autonomie wertvoll? Zum einen kommt Autonomie ein intrinsischer Wert zu. Dass eine autonome Person ihre Wünsche und Ziele als die „ihren“ betrachten, sich somit selbst definieren und auf dieser Basis mit einem „eigenen Willen“ entscheiden kann, wird als ein Wert betrachtet, der keiner weiteren Begründung zu bedürfen scheint. Wirklich hinter dem stehen zu können, was man tut, und dies selbst erreicht zu haben, scheint um seiner selbst willen wertvoll zu sein. Man könnte diese metaphorische Redeweise auch so interpretieren, dass „Autorschaft“ und „Eignerschaft“ – d. h. Handelnder auf Basis der wirklich eigenen Ziele und Motive zu sein – eine wertvolle Errungenschaft darstellt, die die Frage, warum dies so sei, nicht mehr aufkommen lässt. Zum andern steht Autonomie in einem konstitutiven Zusammenhang zu anderen Werten. So glauben manche, dass Autonomie das Leben einer Person sinnvoll macht und ihr Wohlergehen verbessert. Man kann sich etwa vorstellen, dass Autonomie erlaubt, uns unser Tun selbst zuzuschreiben und uns als selbstwirksam zu erleben. Wer nach seinem eigenen Willen handelt, erfährt sich u. a. als selbstbestimmt, eigenständig und in innerer Harmonie. Und dies scheint Menschen glücklich und ihr Leben gelungen zu machen. Autonomie verleiht Personen aber auch erst einen moralischen Status. Ihnen kommen deshalb Rechte und der spezifische Wert der Würde zu. Autonomie gilt daher als wertvoll, weil sie Personen Würde verleiht und dem Recht auf Achtung und Respekt unterliegt. Denn was ein Wesen zu einer Person macht, ist nach einer berühmten Auffassung, die auf Kant und Rousseau zurück geht, ihre Fähigkeit zur Autonomie. Diese Fähigkeit ist es wiederum, die den Anspruch legitimiert, Personen niemals nur als Mittel zu gebrauchen, sondern in ihrer Würde zu achten. Zugleich wird Autonomie von vielen als wesentliche Voraussetzung für die Zuschreibung moralischer Verantwortung betrachtet. Hinter dieser Auffassung steht die Vorstellung, dass man nur dann voll und ganz für sein Tun einstehen kann, wenn man autonom ist. Der Wert der Autonomie besteht folglich auch darin, dass sie dazu beiträgt, einerseits die Ansprüche anderer zu begründen – sie können mich zur Verantwortung ziehen – und andererseits den Bereich, der in der Verantwortung einer Person liegt, vor den Ansprüchen anderer zu schützen – ich kann mich gegen ihre Einmischung wehren. Kurz: Autonomie gilt als konstitutiv wertvoll, weil sie einerseits Bestandteil eines guten und sinnvollen Lebens ist. Andererseits verleiht Autonomie einer Person Würde und moralische Verantwortung." (Monika Betzler in der Einleitung zu Autonomie der Person, Seite 7-9)

Methode

Lektüre und Diskussion der Texte

Voraussetzungen

Englischkenntnisse

Qualifikation

Bitte bewerben Sie sich für den Lektürekurs mit einer kurzen Email an ludwig.jaskolla@hfph.de, in der Sie kurz (max. 200 Wörter) schildern, warum Sie an dem Lektürekurs teilnehmen wollen. Die Bewerbungsfrist ist Freitag, der 13. Oktober 2017, 12:00 MEZ. Ich werden Sie dann im Laufe des Freitags über die Annahme informieren. Es werden bis zu 6 Plätze vergeben.

Zielgruppe

Studierende im BA und MA

Literatur

Wir werden uns an der Textsammlung von Monika Betzler orientieren: Betzler, Monika (Hg.). Autonomie der Person. mentis, 2013. Dieses Buch sollten die Teilnehmer des Kurses besitzen!