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Knud E. Løgstrup. "Die ethische Forderung" und deren Relevanz für Bildung und ethisches Denken heute

Hauptseminar 2-stdg.
Raum: Seminarraum 3
Termine: Freitag 10-16 Uhr, Samstag 10-16 Uhr, 03./04.11.17, 26./27.01.18

MA-IB: III(SC,VV,IE,PB)
BA: WP Bildung (auslaufend), WP Globalisierung (auslaufend)
MAkons: III(EG)

Thematik

Die Kommunikation zwischen uns Menschen, schreibt der dänische Philosoph und Theologe Knud Ejler Løgstrup (1905-81), ”besteht … immer in einem Sich-Vorwagen auf ein Entgegenkommen zu. Dies ist ihr innerster Nerv und dies ist das grundlegende Phänomen der Ethik“. Sein ethisches Denken macht deutlich, dass ethische Reflexion nicht nur der Begründung von Handlungen, Eingriffen und Maßnahmen im menschlichen Miteinander dienen kann und soll, sondern auch – und vor allem – ein Nachdenken über die Herausforderungen voraussetzt, die uns in Beziehungen und Situationen des Lebens gestellt sind. Wollen wir – zusammen und als Einzelne – unser Leben gut bewältigen, kommen wir um die Frage des eigenen Geeignet-seins nicht herum. Damit bekommen antike Tugendethik wie moderne Perspektiven der Persönlichkeitsbildung Aktualität. Eine Ethik, die einseitig Handlungsalternativen begründen will, steht in Gefahr, ein ”ethisches Wissen“ zu etablieren, das nicht der Moral dient, die wir im sozialen Leben brauchen, sondern stattdessen einem Moralismus, das spaltet und ausgrenzt. In seiner relationalen (und phänomenologischen) Ethik versucht Løgstrup, mit dem Begriff der spontanen und souveränen Daseinsäußerung (wie Vertrauen, Hoffnung, Offenheit der Rede, Barmherzigkeit, Mitgefühl und Indignation) dem Phänomen des Normativen auf den Grund zu gehen.

Ziele

Ethische Reflexion aus eigener Erfahrung vollziehen zu können. Die Bedeutung solcher Reflexion für Beziehung in Gesprächen und für persönliche Bildung zu verstehen.

Methode

Lektüreseminar. Kenntnis der Texte wird vorausgesetzt. Kurze Textreferate und Diskussion im Plenum. Ein 15-seitiger Essay soll geschrieben werden, der von einer eigenen ethischen Erfahrung ausgeht und die relationale Ethik Løgstrups reflektiert.

SEMINARPLAN

Freitag, 03.11.2017

10.00 – 11.10 Beispiel eines ethischen Dilemmas. Relationale Ethik (vs. Handlungsethik).

11.30 – 12.30 Die Gefahr des Moralismus. Die Gefahr einer einseitigen Handlungsethik.

13.30 – 14.40 Die relationale Ethik K. E. Løgstrups. (Parallelen zur Ethik von Lévinas.)

15.00 – 16.00 Verletzbarkeit und Liebe

Samstag, 04.11.2017

10 – 11.10 Erfahrungsschwerhörige Ethik? (Gruppenarbeit.)

11.30 – 12.30 Diskussion.

13.30 – 14.40 Normativität. (Wittgenstein/Løgstrup.)

15.00 – 16.00 Die Aufgabe ethischer Reflexion.

Freitag, 26.01.2018

10.00 – 12.30 Erfahrungsbericht

13.30 – 16.00 Angst, Trauer, Scham und Schuld als Bedingungen eines gelungenen Lebens

Samstag, 27.01.2018

10.00 – 12.30 Todsünden oder Persönlichkeitsstörungen?

13.30 – 16.00 Überlegungen zum eigenen Text

Literatur

● K. E. Løgstrup (1989) Kap. I, “Die Tatsache, der die stumme Forderung entspringt”, in: K. E. Løgstrup, Die ethische Forderung, Seite 7–30. Tübingen: J.C.B. Mohr (Paul Siebeck). (Dänische Originalausgabe, Den etiske fordring, Kopenhagen 1956.)

● L. Wittgenstein (1989) “Vortrag über Ethik”, in: L. Wittgenstein, Vortrag über Ethik und andere kleine Schriften, Seite 9–19. (Hrsg. und übersetzt von J. Schulte.) Frankfurt am Main: Suhrkamp. (Der Vortrag wurde 1929 oder 30 auf Englisch gehalten.)

● A. Lindseth (2005) “Leben als Bewegung zum Anderen”, in: A. Lindseth, Zur Sache der Philosophischen Praxis. Philosophieren in Gesprächen mit ratsuchenden Menschen, Seite 33–43. Freiburg/München: Verlag Karl Alber.

● A. Lindseth (2005) “Was der Andere sagt – und wovon er spricht. Einige Grundlagen einer Theorie Philosophischer Praxis”, in: A. Lindseth, Zur Sache der Philosophischen Praxis. Philosophieren in Gesprächen mit ratsuchenden Menschen, Seite 44–52. Freiburg/München: Verlag Karl Alber.

● A. Lindseth (2005) “Philosophische Praxis im akademischen Rahmen. Erfahrungen an der medizinischen Fakultät der Universität Tromsø”, in: A. Lindseth, Zur Sache der Philosophischen Praxis. Philosophieren in Gesprächen mit ratsuchenden Menschen, Seite 93–104. Freiburg/München: Verlag Karl Alber.

● A. Lindseth (2010) “Von der Methode der Philosophischen Praxis als dialogischer Beratung”, in: D. Staude (Hg.), Methoden Philosophischer Praxis. Ein Handbuch, Seite 67–100. Bielefeld: transcript Verlag.