405* | Dr. Mara-Daria Cojocaru

Man stelle sich vor... Theorie und Praxis philosophischer Gedankenexperimente

Hauptseminar 2-stdg.
Raum: Seminarraum 5
Termine: 18.10.17, 18-20 Uhr (Einführung), Freitag 13-18 Uhr, Samstag 10-16 Uhr, 17./18.11.17, 26./27.01.18

MA-IB: III(IE,PB), V
Master Ethik: V
BA: WP Bildung (auslaufend), III/2, WP Umweltethik (auslaufend), WP Kulturelle Zugänge (auslaufend)
MAkons: III(EG)

Thematik

„Man stelle sich vor, man wachte eines Morgens in einem Krankenhausbett auf, und man wäre an einen berühmten Geiger angeschlossen und...“ „Man stelle sich vor, man sähe, dass eine führerlose Trambahn auf fünf Bauarbeiter auf den Gleisen zurollte und...“ „Man stelle sich vor, man hätte einen Ring, der einen unsichtbar machte und...“ Philosophische Passagen, die mit solchen (und ähnlichen) Szenarien beginnen, haben es in der Literatur unter dem Begriff ‚philosophische Gedankenexperimente’ zu einiger Berühmtheit gebracht, und es ist leicht, mit ihnen ganze Argumentationsketten und philosophische Traditionen aufzurufen. Dabei ist allerdings nicht ganz klar, was ein Gedankenexperiment genau ausmacht und was seine philosophische Rolle ist: Inwieweit müssen Gedankenexperimente kontrafaktisch sein? Ist das Gedankenexperiment in der Philosophie das, was das Experiment in den Naturwissenschaften ist? Was ist das Verhältnis zwischen Gedankenexperiment und Argument? Was ist Imagination und wie wird sie in Gedankenexperimenten genutzt und gefordert? Welche unterschiedlichen philosophischen Funktionen können Gedankenexperimente erfüllen? Was, wenn überhaupt etwas, unterscheidet ein gutes Gedankenexperiment von Literatur? Was spricht für und was gegen den Einsatz von Gedankenexperimenten?

Ziele

Dieses Hauptseminar verfolgt drei Ziele. Erstens wollen wir uns konzentriert mit einer Reihe von Antwortversuchen auf die oben genannten Fragen auseinandersetzen. Zweitens werden wir uns einigen berühmten Gedankenexperimenten, insbesondere aus dem Bereich der Ethik, widmen, diese diskutieren und ggf. modifizieren bzw. für weitere ethische Problemstellungen neue entwickeln. Drittens wird großer Wert daraufgelegt, dass Sie akademische Schreibkompetenzen erwerben. Dazu wird es jenseits der Blocksitzungen verschiedene Übungsaufgaben und Angebote auf Moodle geben.

Methode

Eigenständige vorbereitende Lektüre der Texte, schreibende Reflexion der Texte auf Moodle, Rechercheaufträge, kurze Impulsreferate, Kleingruppenarbeit sowie Plenumsdiskussion in den Sitzungen.

Voraussetzungen

Gewisse Englischkenntnisse, auch wenn im Seminar mehrheitlich Texte auf Deutsch gelesen werden.

Qualifikation

Um einen Hauptseminarschein zu erwerben, müssen Sie aktiv mitarbeiten (d.i. die Texte lesen, auf Moodle mitmachen und bei den Blöcken nach Möglichkeit anwesend sein) und eine den Regularien der Hochschule für Philosophie entsprechende Hauptseminararbeit verfassen, zu einem im Vorfeld mit der Dozentin vereinbarten Thema.

Literatur

Georg W. Bertram (Hg.). Philosophische Gedankenexperimente. Ein Lese- und Studienbuch. Stuttgart: Reclam 2016 (2. Auflage). Catherine Z. Elgin. Fiction as thought experiment? In: Perspectives on Science, Volume 22, Number 2, Summer 2014, 221–241. Íngrid Vendrell Ferran. „Das Wissen der Literatur und die epistemische Kraft der Imagination“. In: Deutsche Zeitschrift für Philosophie, Sonderband 35: Wahrheit, Wissen und Erkenntnis in der Literatur. Philosophische Beiträge, hg. v. Christoph Demmerling und ders., Berlin: de Gruyter 2014, 119–140. Peter Singer/Renata Singer (Hg.). The moral of the story. An anthology of ethics through literature. Malden/MA: Blackwell Publishing 2005. Adrian Walsh. „Thought experiments in ethics“. In: The International Encyclopedia of Ethics, hg. v. Hugh LaFollette, Malden/MA: Blackwell Publishing 2013, 5142–5150.