420 | Prof. Dr. Andreas Trampota SJ, Dr. Olivia Mitscherlich-Schönherr

Sterben und gelingendes Sterben aus der Sicht der Philosophischen Anthropologie und der Medizinethik

Hauptseminar 2-stdg.
Raum: Seminarraum 5
Termine: Montag 16-18 Uhr, ab 16.10.17

MA-IB: V
Master Ethik: III(MEZ), V
BA: III/2
MAkons: III(EG)

Thematik

Im Mittelpunkt des Seminars steht die Frage nach dem Gelingen menschlichen Sterbens, die in der zeitgenössischen philosophischen Diskussion weitestgehend vernachlässigt worden ist. Auf diese normative Frage ethischer Provenienz schlägt die Komplexität des Lebensaktes menschlichen Sterbens durch. Das menschliche Sterben vollzieht sich in den unterschiedlichen – körperlich-organischen, leiblichen und geistigen – Formen menschlichen Lebens. In ihm verschränken sich der organische Verfall, das leibliche Erleben des bevorstehenden Todes, die seelischen Erfahrungen des Zum-Abschied-vom-Leben-aufgefordert-seins, intersubjektiv geteilte Praktiken des Abschiednehmens und soziokulturelle und religiöse Vorstellungen von Sterben und Tod. Zugleich ist das individuelle Sterben auf unterschiedliche Weise in das zwischenmenschliche Miteinander eingelassen. Gegenwärtig finden die Akte des Sterbens unterstützt von Angehörigen und professionellen Sterbebegleitern (Ärzten, Pflegenden und Seelsorgern) statt und sind in den Rahmen eines staatlich organisierten, rechtlich kodifizierten und gesellschaftlich finanzierten Gesundheitssystems eingebunden. Außerdem ist die im Ansatz tugendethische Frage nach dem gelingenden Sterben unlösbar verbunden mit normativen Fragen moralischer Art nach den Handlungsweisen, die in diesem spezifischen Bereich des menschlichen Lebens erlaubt, geboten oder verboten sind. Deshalb stellen sich in diesem Zusammenhang zwangsläufig auch moralphilosophische Fragen wie die nach der Legitimität des Freitods und des assistierten Suizids.

Ziele

16.10.2017

Einführung

I. Die ethische Diskussion über das Gelingen menschlichen Sterbens

23.10.2017

Gelingendes Sterben als authentisches Sterben des eigenen Todes

Textgrundlage: Peter Bieri, "Sterben, Sterben lassen, Dem Leben ein Ende setzen", in: Ders., Eine Art zu leben, München 2013, 346-370.

30.10.2017

Keine Sitzung!

6.11.2017

Die Frage, ob der Tod ein Übel ist

Textgrundlage: Thomas Nagel, "Der Tod", in: Ders., Letzte Fragen, Hamburg 2012, 17-28.

13.11.2017

Mystik als Haltung, die das Sterben gelingen lässt

Textgrundlage: Ernst Tugendhat, Über den Tod, Frankfurt am Main 2006.

20.11.2017

Der Sinn menschlichen Lebens angesichts der Zerstörung alle Bedeutungszusammenhänge durch den Tod

Textgrundlage: Robert Spaemann, "Tod und Futurum exactum", in: Ders., Personen. Versuche über den Unterschied zwischen ‚etwas‘ und ‚jemand‘, Stuttgart 1996, 123-133.

27.11.2017

Versöhnung mit dem Ungelebten als Haltung, die das Leben im Sterben gelingen lässt

Textgrundlage: Thomas Fuchs, "Das ungelebte Leben", in: Wolfgang U. Eckart & Michael Anderheiden (Hg.), Handbuch Sterben und Menschenwürde, Berlin/Boston 2012, 495 – 510.

II. Die moralphilosophische Diskussion über die Sterbehilfe und den assistierten Suizid

04.12.2017

Die Entwicklung der aktuellen Debatte über die Sterbehilfe

Textgrundlage: Robert Spaemann & Gerrit Hohendorf & Fuat S. Oduncu, Vom guten Sterben. Warum es keinen assistierten Tod geben darf, Freiburg 2015, Kap. 2, 25-58.

11.12.2017

3 Beiträge zur Frage der Legitimität der Sterbehilfe

(1) Der Auftrag des medizinischen Sterbebeistands aus ethischer Sicht

Textgrundlage: Eberhard Schockenhoff, "Aus Mitleid töten? Der Auftrag des medizinischen Sterbebeistands aus ethischer Sicht", in: Kirche und Gesellschaft, Nr. 283, Mönchengladbach 2001, 3-16.

(2) Die Vernünftigkeit des Tabus der aktiven Sterbehilfe

Textgrundlage: Robert Spaemann, "Die Vernünfigkeit eines Tabus", in: Robert Spaemann & Bernd Wannenwetsch, Guter schneller Tod? Von der Kunst menschenwürdig zu sterben, Basel 2013, Kap. 1, 9-40.

(3) Die Legitimität der Sterbehilfe

Textgrundlage: Norbert Hoerster, "Zur Legitimität der Sterbehilfe", in: Information Philosophie, 2009/2, 7-13.

18.12.2017

Die Erfahrungen mit aktiver Sterbehilfe, Suizidbeihilfe und Sterbehilfeorganisationen im Ländervergleich (Niederlanden, Belgien, Schweiz, USA und Deutschland)

Textgrundlage: Robert Spaemann & Gerrit Hohendorf & Fuat S. Oduncu, Vom guten Sterben. Warum es keinen assistierten Tod geben darf, Freiburg 2015, Kap. 3, 59-82.

08.01.2018

Sterbehilfe aus der Sicht der Palliativmedizin und der Medizinethik

Textgrundlage: Robert Spaemann & Gerrit Hohendorf & Fuat S. Oduncu, Vom guten Sterben. Warum es keinen assistierten Tod geben darf, Freiburg 2015, Kap. 4 & 6 , 83-91 & 130-141.

15.01.2018

Sterbehilfe aus der Sicht der Psychiatrie

Textgrundlage: Robert Spaemann & Gerrit Hohendorf & Fuat S. Oduncu, Vom guten Sterben. Warum es keinen assistierten Tod geben darf, Freiburg 2015, Kap. 5, 92-129.

22.01.2018

Was spricht gegen den assistierten Tod?

Textgrundlage: Robert Spaemann & Gerrit Hohendorf & Fuat S. Oduncu, Vom guten Sterben. Warum es keinen assistierten Tod geben darf, Freiburg 2015, Kap. 7 & 8, 142-168.

Methode

Kurze Referate und Diskussion

Voraussetzungen

Bereitschaft zur kontinuierlichen Mitarbeit und zur Übernahme eines Referats!

Qualifikation

Schriftliche Hausarbeit

Zielgruppe

Alle, die ein philosophisches Interesse an den anthropologisch-ethischen Fragen haben, die im Seminar behandelt werden.

Literatur

Die Texte, die im Seminar behandelt werden (s. Ziele), stehen im E-Learning-Bereich (Moodle) der Hochschule (forum.hfph.de) für die Seminarteilnehmer ab sofort zum Download zur Verfügung.  Das Einschreibepasswort kann bei den Seminarleitern erfragt werden.