422 | Dr. Tobias Müller

"Wissenschaft oder Freiheit!" Zur Freiheitsdebatte im Zeitalter der Naturwissenschaften

Hauptseminar 2-stdg.
Raum: Seminarraum 5
Termine: Dienstag 16-18 Uhr, ab 17.10.17

MA-IB: V
Master Ethik: V
BA: III/2, WP Naturphilosophie (auslaufend)
MAkons: III(GN)

Thematik

In unserem lebensweltlichem Selbstverständnis wird der Mensch als Subjekt aufgefasst, das nicht allein von kausalen Faktoren bestimmt ist, sondern zumindest prinzipiell dazu befähigt ist, seine Handlungen an Gründen zu orientieren und somit seine Interaktion mit anderen Subjekten und der Umgang mit seiner Umwelt rational durch Ziele, Werte und Zwecke zu bestimmen. Diese Freiheit, anders handeln zu können, steht in einem starken Spannungsverhältnis zu der Verabsolutierung eines vermeintlich von den Naturwissenschaften inspirierten Naturbegriffs, der populärwissenschaftlich, gesellschaftlich, aber auch philosophisch weit verbreitet ist und demzufolge alle Geschehnisse der Welt durch materielle Kausaldispositionen festgelegt sind.
Dieser Auffassung gemäß würden sich letztlich alle Dimensionen unseres Mensch- und Personseins nur noch als kausales Produkt der zugrundeliegenden materiellen Konstellationen entpuppen. Somit tritt an die Stelle des Menschen als zumindest prinzipiell frei handelndes Subjekt nur noch ein materielles Substrat, das vollständig von physikalischen oder physiologischen Gesetzen bestimmt ist.
Nicht zuletzt an der neurowissenschaftlichen Debatte um Willensfreiheit und die behauptete Notwendigkeit eines neuen Menschenbildes wird die gesellschaftliche Relevanz dieses szientistischen Naturbegriffs besonders deutlich.

Ziele

Das Seminar möchte nicht nur in die aktuelle Debatte um die Freiheitsthematik im Zeitalter der Naturwissenschaften einführen, sondern besonders die (natur-)philosophischen Voraussetzungen der freiheitsverneinenden Positionen kritisch diskutieren.

Literatur

● Buchheim, Thomas: Unser Verlangen nach Freiheit, Hamburg (206).

● Cramer, Wolfgang: „Kausalität und Freiheit“, in: Philosophische Perspektiven. Band 5, 1973, 9–28.

● Fuchs, Thomas: „Personale Freiheit. Ein libertarisches Freiheitskonzept auf der Grundlage verkörperter Subjektivität“, in: Thomas Fuchs / Grit Schwarzkopf (Hrsg.): Verantwortlichkeit - nur eine Illusion?, Heidelberg (2010).

● Heidelberger, Michael: "Freiheit und Wissenschaft! Metaphysische Zumutungen von Verächtern der Willensfreiheit", in: Marie Engels / Elisabeth Hildt (Hrsg.): Neurowissenschaften und Menschenbild, Paderborn (2005), 195-219.

● Hillenkamp, Thomas: „Willensfreiheit ist Illusion – oder: was lässt die Hirnforschung vom Strafrecht übrig?“, in: Thomas Fuchs / Grit Schwarzkopf (Hrsg.): Verantwortlichkeit - nur eine Illusion?, Heidelberg (2010), 391-416.

● Janich, Peter: Kein neues Menschenbild: Zur Sprache der Hirnforschung, Frankfurt (2009).

● Keil, Geert: „Naturgesetze, Handlungsvermögen und Anderskönnen“, Deutsche Zeitschrift für Philosophie 55 (2007), 926-948.

● Keil, Geert: „Wir können auch anders. Skizze einer libertarischen Konzeption der Willensfreiheit“, Erwägen – Wissen – Ethik 19 (2009), 3-16.

● Prinz, Wolfgang: „Freiheit oder Wissenschaft?“, in: Cranach, M.v., Foppa, K. (Hrsg.): Freiheit des Entscheidens und Handelns. Ein Problem der nomologischen Psychologie“,Heidelberg: Asanger (1996), 86-103.

● Walter, Sven: „Mentale Verursachung und Willensfreiheit. Ist Freiheit eine Illusion, weil der bewusste Wille eine Epiphänomen ist?“, Philosophisches Jahrbuch 1/2013, 154-173.