421 | Dr. Tobias Müller

Wolfgang Cramers Grundlegung einer Theorie des Geistes

Hauptseminar 2-stdg.
Raum: Seminarraum 5
Termine: Dienstag 14-16 Uhr, ab 17.10.17

MA-IB: V
Master Ethik: V
BA: III/2, WP Naturphilosophie (auslaufend)
MAkons: III(GN)

Thematik

Wolfgang Cramers Theorie der konkreten Subjektivität und die daran anknüpfende Theorie des Absoluten gehören ohne Zweifel zu den originellsten und anspruchsvollsten systematischen Beiträgen der deutschsprachigen Philosophie des 20. Jahrhunderts.
Obwohl Kenner seines Werkes seinen Ansatz als eine beachtliche Ressource für eine Subjektphilosophie und eine Theorie des Absoluten erachten, ist Cramers Philosophie bislang kaum rezipiert worden. Dies liegt zum einen an den sehr dichten Argumentationsgängen und der Verwendung eigener Begrifflichkeiten in seinen Werken, zum anderen mag dies auch der allgemeinen Tendenz der Philosophie geschuldet sein, sich weniger mit den großen Grundfragen zu beschäftigen, sondern innerhalb eines gegebenen Rahmens generierte Probleme zu bearbeiten. Cramer hat sich in kritischer Auseinandersetzung mit Descartes, Leibniz, Husserl und vor allem Kant wieder den großen Fragen der Philosophie zugewandt. So entwickelte er eine Theorie der konkreten Subjektivität, die in kritischer Absetzung zu Kant sowohl der Eigenart des Denkens und Erlebens als eigener Seinsmodus als auch dem notwendigen Bezug zum Leib und seiner Umwelt Rechnung tragen soll. Ausgangspunkt für dieses Unternehmen ist aber die unhintergehbare skeptische Grundfrage, wie der Realitätsanspruch des Denkens überhaupt gerechtfertigt werden kann. Nur wenn diese Herausforderung angenommen und theoretisch bewältigt wird, lässt sich sinnvoll und in argumentativer Strenge zeigen, wie das konkrete Subjekt in den Natur- und Weltzusammenhang eingebettet ist und wie die in Frage stehenden Fähigkeiten gerechtfertigt werden können.

Im Seminar ist Cramers subjekttheoretisches Hauptwerk „Grundlegung einer Theorie des Geistes“ Gegenstand der Lektüre, die eventuell ergänzt wird von Ausschnitten seines Nachlasswerkes „Die absolute Reflexion“.

Literatur

● Cramer, Wolfgang: Grundlegung einer Theorie des Geistes. Klostermann, Frankfurt am Main 1957. (4. Auflage. 1999. (Philosophische Abhandlungen; 14).

● Cramer, Wolfgang: Die absolute Reflexion. Schriften aus dem Nachlass. Hrsg. von Konrad Cramer. Klostermann, Frankfurt am Main 2012.

● Kersting, Wolfgang: „Monade und Bewußtsein. Die monadologische Subjektivitätskonzeption Wolfgang Cramers“, in: Albert Heinekamp (Hrsg.): Beiträge zur Wirkungs- und Rezeptionsgeschichte von Gottfried Wilhelm Leibniz, Wiesbaden / Stuttgart (1986), 346–368. (Studia Leibnitiana: Supplementa; 26).

● Kersting, Wolfgang: "Der ursprüngliche Realitätsgedanke "ich denke". Wolfgang Cramers cartesianische Meditationen", in: H. Radermacher / P. Reisinger (Hrsg.): Rationale Metaphysik. Gedenkband für Wolfgang Cramer, Stuttgart: Klett-Cotta (1987), S. 34 - 62.

● Schmelz, Rüdiger: Subjektivität und Leiblichkeit. Die psycho-physische Einheit in der Philosophie Wolfgang Cramers. Würzburg (1991).