103 | Prof. Dr. Dominik Finkelde SJ, Prof. Dr. Barbara Schellhammer

Kulturphilosophie

Vorlesung 2-stdg.
Raum: Aula
Termine: Montag 10.15-11.45 Uhr, Dienstag 10.15-11.45 Uhr: 16.10., 29./30.10., 05./06.11., 19./20.11., 03./04.12., 17./18.12.2018, 14./15.01.2019

MA-IB: III(VV), V
Master Ethik: V
BA: I/1

Thematik

1. Teil (Finkelde): Unter Kultur versteht man die geographisch bestimmte Gesamtheit von künstlerischen und wissenschaftlichen Leistungen einer oftmals ethnisch und/oder geographisch definierten Gemeinschaft. Sie prägt die historisch vermittelte Lebenswelt der sich ihr zugehörig fühlenden Subjekte. Und sie tut dies so fundamental, dass normative Vorgaben immer von zentraler Bedeutung für die Gemeinschaft ebenso wie für die individuelle Psyche sind. Kultur erweist sich so immer auch als eine psychische Kollektivstruktur, die nicht nur Eigenarten eines Kollektivs prägen, sondern auch über Sachlagen von Fakten und Tatsachen entscheiden. (In Donald Trumps USA beispielsweise sehen wir den Status von Fakten selbst in Frage gestellt. Dies kann eine Gemeinschaft/Kultur an die Grenze ihrer Kohärenz bringen.) Zur Aufrechterhaltung ihrer normativen Vorgaben beinhaltet Kultur aber auch Techniken der Idealisierung, der Homogenisierung und der Verdrängung von Antagonismen. Sie werden in der Vorlesung mit dem begrifflichen Instrumentarium des Deutschen Idealismus und der Philosophie der Psychoanalyse analysiert. Autoren wie Hegel, Freud, Lacan und Zizek sind dabei zentral. 2. Teil (Schellhammer): Im zweiten Teil der Vorlesung steht zunächst einmal sehr grundsätzlich Kulturbegriff in seiner historischen Bedeutung sowie in seiner spannungsreichen Ambivalenz im Vordergrund. Dabei wird vor allem die Gefahr kulturalistischer Verkürzungen problematisiert (identity politics, wri-ting culture). Zur Auseinandersetzung mit dem Kulturbegriff gehört auch, sich über die Kul-turgebundenheit der Philosophie klarzuwerden und kulturelle Verflechtungen in der Philoso-phiegeschichte aufzudecken. Die Verbindung von Kultur und Identität und die psychosozia-len Nöte, die Menschen erleben, wenn sie ihre Kultur verlieren, sind vor allem angesichts ak-tueller gesellschaftspolitischer Tendenzen wichtig zu bedenken. Hier spielt insbesondere die Religion als kulturelles System eine wichtige Rolle. Dabei stellt vor allem der Umgang mit Fremdheit eine große Herausforderung dar. Insofern hat sich auch die (Kultur-)Philosophie dem Anspruch des Fremden zu stellen. Sie versucht dies durch Ansätze der interkulturellen Philosophie und durch den Dialog mit anderen Philosophietraditionen. Dabei ist wichtig, zwi-schen den gängigen Begriffen der Hyper-, Trans-, Multi- oder Interkulturalität unterscheiden zu können. Studierende erhalten Einblicke in verschiedene Kulturbegriffe und Versuche, sie sowohl sys-tematisch als auch historisch einzuordnen. Sie erfahren etwas über aktuelle Entwicklungen in der interkulturellen Philosophie und erhalten theoretische Grundlagen, um aktuelle gesell-schaftspolitische Entwicklungen „dicht“ beschreiben zu können.

Methode

Moodle (Passwort: Kultur): https://forum.hfph.de/course/view.php?id=360

Literatur

Dominik Finkelde, "Slavoj Zizek zwischen Lacan und Hegel" (Wien 2009), Jacques Lacan, "Struktur, Andersheit, Subjektkonstitution" (Berlin 2015), Dominik Finkelde, "Phantaschismus. Von der totalitären Versuchung unserer Demokratie" (Berlin 2016). Literatur zum 2. Teil (Schellhammer) gibt es themenspezifisch jeweils in den einzelnen Vorlesungen.