402 | Prof. Dr. Michael Bordt SJ

Robert Sapolsky: Gewalt und Mitgefühl. Die Biologie des menschlichen Verhaltens

Hauptseminar 2-stdg.
Raum: Seminarraum 3
Termine: Montag 16.00-17.45 Uhr; entfällt am 05.11 und 19.11.2018

MA-IB: III(IE,PB), V
Master Ethik: V
BA: III/2, WP Naturphilosophie (auslaufend)
MAkons: III(GN,EG)

Thematik

Robert Sapolsky, Professor für Biologie, Neurowissenschaften und Neurochirurgie an der Stanford University, ist einer der brillantesten, klarsten und witzigsten Wissenschaftler unserer Tage. Der Titel seines neuen Buches ‚Gewalt und Mitgefühl. Über die biologischen Grundlagen menschlichen Verhaltens‘, eine ausgezeichnete Übersetzung des Originals „Behave. The Biology of Humans at Our Best and Worse“, verrät nur wenig davon, worum es in diesem umfassenden Buch geht: Nicht nur um die Biologie unseres Verhaltens im engen Sinn, also Themen der Neurologie, Endokrinologie (der Hormonlehre), und der Genetik, der Zeit, in der wir noch eine befruchtete Eizelle waren, und der Entwicklungs- und Sozialpsychologie, sondern ebenso den Einfluss von Kultur, Religion oder politischen Systemen auf unser Verhalten (aber auch da: Wie wirken Kulturen auf unsere Biologie und entsprechend auf unser Verhalten?). Die Leitfrage, die Sapolsky interessiert, ist dabei: Was führt dazu, dass Menschen ihr bestes oder schlimmstes Verhalten, in dem Buch exemplifiziert an Mitgefühl und Gewalt, an den Tag legen? Wie wirken die verschiedenen Perspektiven zusammen? Nur so viel sei an dieser Stelle bereits verraten: Wer nach der Lektüre des Buches immer noch denkt, Kausalität sei ein Begriff, mit dem man diese Fragestellungen sinnvoll bearbeiten kann, der hat von dem Buch wenig begriffen. Und ebenso wer meint, dass Freiheit und Verantwortung angesichts der neurobiologischen und sozialpsychologischen Forschungen obsolet geworden sind. Was das Buch für Philosophinnen und Philosophen darüber hinaus so interessant macht: Nachdem in der ersten Hälfte des Buches die Grundlagen gelegt sind, geht Sapolsky auf Fragestellungen ein, die ähnlich auch in der Philosophie diskutiert werden: Gibt es einen freien Willen? Was ist mit der Moral? Warum ist die Tugendethik anderen Ethikentwürfen überlegen? Gibt es biologische Grundlagen politischer Überzeugungen? Gibt es einen reinen Altruismus? Hat Fremdenfeindlichkeit eine biologische Grundlage? Kann man den Schmerz eines anderen fühlen und wenn ja, was bringt das überhaupt? Was sind Implikationen der Neurobiologie für unser Strafsystem? Und im Schlusskapitel: Was fördert Krieg, was den Frieden? Eine Schwierigkeit des Buches für ein Seminar sei nicht verschwiegen: Das Buch ist umfangreich. An die 1000 Seiten (wobei man getrost die 100 Seiten Literaturverzeichnis und Glossar abziehen kann). Aber immerhin. Wer nicht die Mühe intensiver Lektüre auf sich nehmen will oder kann, für den ist das Seminar ungeeignet. Wer sich einen ersten Eindruck verschaffen möchte, dem empfehle ich Sapolskys Vorlesungen Human Behaviour Biology an der Stanford University unter https://www.youtube.com/watch?v=NNnIGh9g6fA&list=PL150326949691B199

Methode

Das Seminar werde ich gemeinsam mit Prof. Dr. Jürgen Schlegel, Professor für Neuropathologie, halten und ist auch für Studierende der TU München ausgeschrieben. Jede Seminarstunde wird von zwei oder drei Studierenden vorbereitet. Ihre Aufgabe ist es nicht, den Text zusammenzufassen oder Referate zu halten, sondern sich interessante Fragen oder Kritikpunkte zu den jeweiligen Kapiteln zu überlegen, die in der Seminarstunde dann gemeinsam diskutiert werden.

Zielgruppe

Bitte beachten Sie, dass das Seminar um 16.00 Uhr beginnt und nicht an jedem Montag stattfinden wird.

Literatur

Robert Sapolsky: Gewalt und Mitgefühl. Die Biologie des menschlichen Verhaltens. München, Carl Hanser Verlag, 2017. Bitte besorgen Sie sich das Buch vor Seminarbeginn.