403 | Dr. Giovanni Pietro Basile SJ

Kant und die Quellen der Metaphysik

Hauptseminar 2-stdg.
Raum: Seminarraum 3
Termine: Montag 16.15 - 17.45 Uhr

MA-IB: V
Master Ethik: V
BA: III/2
MAkons: III(GN,RV)

Thematik

In der Kritik der reinen Vernunft, und zwar hauptsächlich in der „Transzendentalen Dialektik“, kritisiert Kant die traditionelle Metaphysik und ihre Beweise der Unsterblichkeit der Seele, des freien Willens und der Existenz Gottes. Neben diesem pars destruens enthält jedoch Kants Hauptwerk auch eine pars construens, die darin besteht zu erklären, warum für rationale Wesen die metaphysischen Fragen nach dem „Unbedingten“ als erstem Prinzip unserer Erkenntnis unentbehrlich sind. Nach Kant liegt nämlich der Grund unseres Strebens nach dem Unbedingten in der Naturanlage unserer Vernunft. Vernunftideen, solange sie als regulative Prinzipien betrachtet werden, sind legitime Antworten zur Frage nach dem Unbedingten. In uns aber birgt sich, so Kant, auch die Tendenz, vom bloßen regulativen zum konstitutiven Gebrauch der Vernunftideen überzugehen, weshalb wir in die transzendentale Illusion geraten: Wir tauschen das, was nur gedacht werden kann, mit der Erkenntnis eines wirklich Existierenden. Kant fasst die wesentlichen Ergebnisse dieser Untersuchungen im dritten und letzten Hauptteil der Prolegomena: „Wie ist Metaphysik überhaupt möglich?“ (§§ 40–60) zusammen. Im Seminar wird also zunächst der dritte Hauptteil der Prolegomena gelesen, was erlaubt, einen Überblick über den Inhalt der gesamten „Transzendentalen Dialektik“ zu gewinnen. Anschließend werden die ausschlaggebendsten Kapitel aus der 2018 erschienenen Monografie von Marcus Willaschek über Kant und die Quellen der Metaphysik ausführlich diskutiert, die die eben dargestellte Problematik thematisiert.

Ziele

Gründliche Auseinandersetzung mit dem dritten Teil der Prolegomena (§§ 40–60) sowie mit Marcus Willascheks 2018 erschienenen Monografie über die Quellen der Metaphysik nach Kant.

Methode

Vorbereitende Lektüre der Texte, Impulsreferat und anschließende gemeinsame Textinterpretation mit Diskussion.

Qualifikation

Zum Scheinerwerb werden regelmäßige und aktive Teilnahme sowie entweder die Übernahme eines Referats und die Redaktion des entsprechenden Textes (maximal 12.000 Zeichen ohne Leerzeichen) oder die Anfertigung einer Seminararbeit von ca. 40.000 Zeichen (ohne Leerzeichen, inkl. Fußnoten, Titelseite, Inhalts- und Literaturverzeichnis) verlangt. Das Handout für das Referat wird auf den Umfang der Seminararbeit angerechnet.

Literatur

Primärliteratur Kant, Immanuel: Prolegomena zu einer jeden künftigen Metaphysik, die als Wissenschaft wird auftreten können. In: Kant’s gesammelte Schriften. Hrsg. von der Königlich Preußischen Akademie der Wissenschaften und Nachfolgern. Abt. 1: Werke, Bd. 4 (Hg.: Benno Erdmann), Berlin 1903 (21911). Unveränderter fotomechanischer Nachdruck: Kants Werke. Akademie-Textausgabe, Berlin 1968. Kant, Immanuel: Prolegomena zu einer jeden künftigen Metaphysik, die als Wissenschaft wird auftreten können. Hrsg. von Konstantin Pollok. Meiner: Hamburg 2001. Willaschek, Marcus: Kant on the Sources of Metaphysics. The Dialectic of Pure Reason. Cambridge University Press: Cambridge 2018. Sekundärliteratur (Auswahl) Apel, Max: Kommentar zu Kants Prolegomena. Eine Einführung in die kritische Philosophie (1908). Meiner: Leipzig 21923. Logan, Beryl (Hg.): Immanuel Kant’s “Prolegomena” in focus. London 1996. Bernhard, Peter: Kants Prolegomena. Eine Lesehilfe. Passagen: Wien 2003. Lyre, Holger – Schliemann, Oliver (Hg.): Kants Prolegomena. Ein kooperativer Kommentar. Klostermann: Frankfurt am Main 2012.