203* | Jun.-Prof. Dr. theol. Tobias Specker SJ

Der Koran - Einführung und philosophisch-theologische Positionen

Vorlesung 2-stdg.
Raum: Aufgrund der aktuellen Lage werden Räume noch festgelegt. Angegebene Termine/Räume sind erst einmal unter Vorbehalt.
Termine: Mittwochs am 04.11.2020, 18.11.2020, 02.12.2020, 16.12.2020, 13.01.2021, 27.01.2021 von 16.15 - 19.30 Uhr und Mittwoch am 03.02.2021 von 16.15 - 17.45 Uhr

MA-IB: III(VV,IE,PB)
Master Ethik: III(EID)
BA: WP Theologie, WP Interkulturalität
MAkons: III(RV,EG)

- pro philosophia extra: für Mitglieder von pro philosophia e.V. frei -

Thematik

„Der Koran ist kein Buch, das sich einem Außenstehenden leicht erschließt“, formuliert der Erlanger Islamwissenschaftler Hartmut Bobzin, der 2010 eine wissenschaftlich seriöse und zugleich poetisch sensible Koranübersetzung vorgelegt hat. Zugleich lohnt sich eine Auseinandersetzung mit dem Koran aus verschiedenen Gründen: Ganz offensichtlich ist der Koran der Dreh- und Angelpunkt des islamischen Glaubens, so dass eine Beschäftigung mit ihm einen Zugang zur zweitgrößten Religion der Menschheit gibt. Zugleich stellt der Koran auch eine recht eigenständige literarische Welt dar, die uns zunächst abstößt, „dann aber anzieht, in Erstaunen setzt und am Ende Verehrung abnötigt“, wie Goethe bekennt. So kann die Beschäftigung auch aus ästhetischen Gründen erfolgen. Schließlich sind auch systematische Gründe zu nennen, da sich in der Auseinandersetzung mit dem Koran theologisch und philosophisch relevante Fragen stellen: Wie sind Transzendenz und Immanenz in dem von allen muslimischen Richtungen geteilten Anspruch vermittelt, dass der Koran Gottes Wort ist? Wie ist es denkbar, dass der in schön gestalteter Schrift oder in der geschulten menschlichen Rezitation materiell greifbare Koran Gottes Wort sein soll? Welche Rolle spielen die historischen Kontexte und die literarischen Formen in Bezug auf die heilige Schrift des Islam? Was ist der Koran überhaupt: Buch, Schrift oder Rede?


Diese verschiedenen Ebenen sollen in der Vorlesung angesprochen werden: Da die Vorlesung keine Vorkenntnisse voraussetzt, wird zunächst eine überblickshafte Einführung in die Charakteristika, die literarische Eigenart und das Selbstverständnis des Koran gegeben. Sodann werden exemplarische klassische wie gegenwärtige islamische Zugänge zum Koran vorgestellt, die systematische offenbarungstheologische Fragen diskutieren. Schließlich werden noch einmal spezifisch die philosophische und die interreligiöse Dimension des Koran betrachtet.

Ziele

a) Die literarische Eigenart, das Selbstverständnis und die historische Kontexte des Koran benennen und seine Stellung im islamischen Glauben  begründet verdeutlichen zu können.

b) Exemplarische klassische und gegenwärtige Positionen zum Koran darstellen und derart die Relevanz unbekannter Positionen einordnen zu können.

c) Theologische und philosophische Fragestellungen im Zusammenhang mit dem Koran erläutern zu können.


Methode

Methodisch werden sich ein- und weiterführende Vorlesungsteile mit der Lektüre kürzerer Texte sowie kleinen Austauscheinheiten abwechseln.

Voraussetzungen

Keine.

Literatur

Zur Einführung:

Nicolai Sinai: Die heilige Schrift des Islams – die wichtigsten Fakten zum Koran. Freiburg 2012.

Andrew Rippin:The Blackwell Companion to the Qur'an. Oxford 2009.