104* | Prof. Dr. Michael Bordt SJ, Dr. Olivia Mitscherlich-Schönherr

Philosophiegeschichte der Neusten Zeit: Ordinary Language Philosophy (Wittgenstein) und Phänomenologie

Vorlesung 2-stdg.
Raum: Aula (Aufgrund der aktuellen Lage werden Räume noch festgelegt. Angegebene Termine/Räume sind erst einmal unter Vorbehalt.)
Termine: "Phänomenologie" dienstags von 8.15 Uhr - 10.00 Uhr vom 3.11. - 8.12.2020 und "Ordinary Language Philosophy" mittwochs 8.15 - 10.00 Uhr, am 4.11.20, 25.11.20, 13.01.21, 27.01.21, 3.02.21, 10.02.21

BA: II/5, II/4

- pro philosophia extra: für Mitglieder von pro philosophia e.V. frei -

Thematik

Bei dieser Vorlesung handelt es sich eigentlich um zwei Vorlesungen. Die eine, gehalten von Prof. Dr. Michael Bordt SJ, geht über die Ordinary Language Philosophy, also die Philosophie der normalen Sprache. Der Hero dieser Vorlesung ist Ludwig Wittgenstein. Seine Spätphilosophie wird im Zentrum der Vorlesung stehen. Sie erfahren, warum Philosophie eigentlich eine Form der Therapie ist und lernen eine Methode kennen, philosophische Fragen und Probleme anzugehen. Allein zwei Doppelstunden werden wir uns dem sogenannten Privatsprachenargument widmen, das seine Tücken hat - handelt es sich doch um ein sprachphilosophisches Argument zur Skepsiswiderlegung. Die zweite Vorlesung, gehalten von Dr. Olivia Mitscherlich-Schönherr, geht über die Phänomenologie. In all ihrer Heterogenität teilt die phänomenologische Bewegung die Selbstverpflichtung: „Zurück zu den Sachen selbst!“ (Edmund Husserl). Martin Heidegger hat vor knapp 100 Jahren diese Maxime auf seine Vorlesung über die „Grundprobleme der Phänomenologie“ angewandt und betont: „Wie wollen nicht historisch kennenlernen, was es mit der modernen Richtung in der Philosophie, genannt Phänomenologie, für eine Bewandtnis hat. Wir handeln nicht von der Phänomenologie, sondern von dem, wovon sie selbst handelt.“ In Ausrichtung und Aufbau meiner Vorlesung verfolge ich dieses Heideggersche Anliegen weiter. Ich biete keinen historischen Überblick über all die Unterströmungen, die sich in der Phänomenologie seit ihren Anfängen bei Edmund Husserl bis heute ausgebildet haben; vielmehr mache ich mir eine systematische Einführung in das phänomenologische Philosophieren im Ausgang von wegweisenden Sachanalysen zur Aufgabe, die Vertreter_innen der Phänomenologie geleistet haben. Als Scharnier dienen mir die phänomenologische Selbstverpflichtung auf einen „radikalen Empirismus“ (Max Scheler) bzw. „Positivismus“ (Maurice Merleau-Ponty) und die phänomenologische Methode der Reduktion zu dessen Verwirklichung. In Gestalt der Reduktion wird Philosophie als Therapie ausgeübt. Durch eine Transformation und Schulung des Schauens soll die Reduktion den „positivistischen“ Zugang zu den Sachen eröffnen. In Auseinandersetzung mit der Phänomenologie gliedert sich meine Vorlesung in sechs thematische Doppel-Einheiten. Ein genauer thematischer Vorlesungsplan findet sich auf Moodle.

Methode

Da pandemiebedingt die Vorlesung über die Ordinary Language Philosophy nicht live gehalten werden kann, werden Ihnen die sechs Vorlesungen als Videos zur Verfügung gestellt. Über Zoom-Diskussionen, deren Termine noch bekannt gegegeben werden, wird Ihnen ausreichend Möglichkeiten gegeben, Fragen zu stellen und Unklarheiten zu klären. Pandemiebedingt wird auch die Vorlesung über Phänomenologie nicht als Präsenzveranstaltung gehalten. Sie kombiniert vielmehr unterschiedliche Methoden der digitalen Lehre. In ihrem Zentrum stehen Zoom-Sitzungen dienstags – am 3.11., 10.11., 17.11., 24.11., 1.12. und 8.12. – von 9:15 bis 10 Uhr. In der Auftaktsitzung vom 3.11. werde ich eine Zoom-Vorlesung halten. In Anschluss daran wird es Möglichkeiten zur Diskussion geben. Die weiteren Sitzungen vom 10.11. bis 8.12. sollen Zoom-Diskussionssitzungen bilden. In ihrem Zentrum sollen phänomenologische Auseinandersetzungen mit systematischen philosophischen Problemen stehen. Grundlage der Diskussion soll zum einen jeweils eine Doppelvorlesung von mir sein. Hierfür möchte ich Sie bitten, die beiden Audio-Dateien der Doppel-Vorlesungen zu hören, die ich Ihnen jeweils mindestens eine Woche im Voraus auf Moodle. Zum anderen soll sich die wöchentliche Zoom-Diskussion auf einem einschlägigen phänomenologischen Text zum jeweiligen Thema beziehen. Hierfür möchte ich Sie bitten, den Auszug aus dem Text vorab eigenständig anhand der Erschließungsfrage[n] vorzubereiten, die ich Ihnen dazu nenne. Beides – Text und Erschließungsfragen – finden Sie ebenfalls mindestens eine Woche im Voraus auf Moodle. Die Manuskripte aller Vorlesungen werde ich ebenfalls auf Moodle stellen.

Literatur

Die nach wie vor beste Einführung in die Ordinary Language Philosophy ist von Oswald Hanfling: Philosophy and Ordinary Language, Routledge 2003. Eine tolle Einfühung in das zerrissene Leben von Ludwig Wittgenstein finden Sie im rororo-Band von Kurt Wuchtel und Adolf Hübner. Alle Originaltexte, mit denen wir arbeiten werden, sind im ersten Band der Taschenbuch Werkausgabe beim Suhrkamp-Verlag unter dem Titel: Wittgenstein - Tractatus logico-philosophicus, Suhrkamp 1984, erschienen. Der Band enthält auch die Tagebücher und die Philosophischen Untersuchungen, die im Zentrum der Vorlesungen stehen werden. Eine eindrucksvolle Einführung in die Phänomenologie leistet Maurice Merleau-Ponty im Vorwort zu seiner „Phänomenologie der Wahrnehmung“. Auszüge werden wir im Rahmen der Vorlesung diskutieren. Eine neuere, gut zugängliche Einführung hat Dan Zahavi mit „Phänomenologie für Einsteiger“ (München 2007) vorgelegt.