Kurs entfällt
405* | Prof. Dr. Barbara Schellhammer

(verschoben) Theater als Intervention, Teil I: Forumtheater für Männer und Frauen

Hauptseminar 1-stdg.
Raum:
Termine: Der erste Teil der zweisemestrigen Veranstaltung ist verschoben in das Sommersemester 2021.

MA-IB: III(IE,PB)
Master Ethik: III(EID)
BA: WP Interkulturalität
MAkons: III(EG)

Unter Mitarbeit von: Lena Schützle M.A., Cornelia Adam und Marek Spitczok von Brisinski

Seminar läuft über zwei Semester; ein Schein kann nur am Ende erworben werden. Beginn ist im WiSe 20/21. Der Teil II "Philosophie, ästhetische Praxis und Theater" folgt im SoSe 2021. Die Veranstaltung findet nur statt, wenn im Wintersemester wieder Präsenzlehre möglich ist.

Anmeldung erforderlich: bis 23.10.2020 an lena.schuetzle@hfph.de.
Teilnehmerbeschränkung: Pro Gruppe (Männer/Frauen): max. 12 Studierende

Thematik

Das Hauptseminar „Theater als Intervention – Zur ästhetischen Praxis der Philosophie“ befasst sich im ersten Teil (WS20/21) mit dem sog. „Forumtheater“ nach Augusto Boal. Der bekannte Theatertheoretiker und Regisseur aus Brasilien entwickelte Theaterformen, um gesellschaftliche Transformationsprozesse anzuregen und zu reflektieren. Immer schon behandelte das griechische Theater, insbesondere die antike Tragödie, philosophische Themen und existenzielle Fragen, wie beispielsweise die Beziehung der Menschen zur Welt und zu Göttern; Unrecht, Schuld und Sühne; schicksalhafte Begebenheiten und Freiheitskämpfe. Die dargestellten Szenen sollten berühren, die Seele reinigen (Katharsis), neue Perspektiven einführen und einen Sinneswandel hervorrufen. In der Philosophie geriet diese Form der ästhetischen Praxis im Laufe der Zeit zunehmend ins Hintertreffen, dafür wurde sie aber in anderen Bereichen, v.a. in der Psychologie und Psychotherapie, der politischen Arbeit mit marginalisierten Gruppen sowie in der Soziologie aufgegriffen. Das Seminar besteht aus zwei Teilen, die in zwei aufeinanderfolgenden Semestern stattfinden. Der erste, erfahrungsbasierte, praktische Teil wird mit den Theaterpädagog*innen Cornelia Adam und Marek Spitzok von Brisinski und in geschlechtspezifischen Räumen (Männer/Frauen*) angeboten. Im zweiten, eher theoretischen, Teil wird gemeinsam über die ästhetische Praxis als Methode des Philosophierens diskutiert.

Ziele

Die Studierenden werden eingeführt in die Theorie und Praxis des Forumtheaters nach Augusto Boal und reflektieren dabei insbesondere kulturell geprägte sowie gesellschaftlich praktizierte Rollenvorstellungen und Machtverhältnisse zwischen den Geschlechtern. Dabei lernen sie das Theaterspielen als Werkzeug kennen, um über sensible Themen ins Gespräch zu kommen, die nicht nur sie selbst betreffen, sondern sich auch auf systemisch-struktureller Ebene widerspiegeln. Nach dem Seminar können die Teilnehmer*innen anhand praktischer Erfahrungen mit dem Forumtheater und einschlägiger philosophischer Texte bzgl. ästhetischer Praktiken in der Philosophie erläutern, welche Rolle das Theater(spielen) für das Philosophieren - auch im Sinne transforamtiver Prozesse - haben kann.

Methode

Das Seminar verbindet praktische Erfahrungen mit einschlägigen Theorien, die sich unter der Überschrift "Theater als Intervention" finden lassen. Methodisch folgt das zweisemestrige Seminar damit auch dem Ansatz des "forschenden Lernens", das die philosophische Bedeutung des Theaters auch am eigenen Leib spürbar macht. Im Forumtheater werden Alltagssituationen inszeniert und präsentiert. Gemeinsam reflektiert die Gruppe das "Schauspiel", um es dann in verschiedenen Varianten neu zu erproben. Selbstverständlich wird das Theaterspielen in diesem Semester nur mit Mund-Nasen-Schutz und Sicherheitsabstand möglich sein - dabei können aber auch aktuelle Themen wie die Spannung von Nähe und Distanz in Zeiten des "Social Distancing" reflektiert werden. In einem Essay reflektieren die Studierenden ihre Erfahrungen, um sie für den zweiten Teil des Seminars festzuhalten.

Voraussetzungen

Keine. Die Studierenden lesen im Laufe des Semesters (wenn möglich auch als Vorbereitung) Boals "Theater der Unterdrückten". Die Teilnahme am ersten Teil ist Voraussetzung für die Teilnahme am zweiten Teil, jedoch kann der erste Teil bei ausreichenden Plätzen auch ohne Scheinerwerb und gesondert vom zweiten Teil besucht werden.

Qualifikation

Essay (1. Teil) und Hauptseminararbeit (2. Teil). Das Essay kann im Sinne eines Portfolios in die Hauptseminararbeit aufgenommen werden.

Literatur

Boal, Augusto (1989): Theater der Unterdrückten. Übungen und Spiele für Schauspieler und Nicht-Schauspieler. Frankfurt a.M.: Suhrkamp. Weitere Literatur wird im Seminar bekannt gegeben.