302 | Dr. Olivia Mitscherlich-Schönherr

Philosophische Dialoge über das Sterben in Geschichte und Gegenwart

Proseminar 2-stdg.
Raum: Seminarraum 3
Termine: Dienstags 14.15 - 15.45 Uhr

BA: III/1

Thematik

Das Seminar verbindet Interessen an theoretischen Fragen mit Interessen an unterschiedlichen meta-philosophischen Fragen.

Im Zentrum der theoretischen Auseinandersetzung mit dem Sterben stehen insbesondere folgende tugendethische Fragen: welcher Status kommt dem bevorstehenden Tod im Leben zu? Wie können das Leben angesichts des bevorstehenden Todes, das Miteinander mit den Verstorbenen und das Sterben gelingen? Können wir uns in ein gelingendes Sterben und ein gelingendes Leben angesichts des Todes einüben?

In meta-philosophischer Hinsicht geht das Seminar dem Verhältnis des Philosophierens zum Tod nach. Dabei geht es u.a. um folgende Fragen: welchen Einfluss hatte die Ermordung des Sokrates auf die Tradition der Philosophie seit Platon? Heißt Philosophieren Sterben-Lernen - und / oder Leben-Lernen?

Diese meta-philosophischen Fragen sind von methodischen Fragen nicht zu trennen. In methodischer Hinsicht beschäftigt sich das Seminar mit einem Philosophieren, das nicht nur Theorie, sondern auch Praxis sein will: das nicht nur nach theoretischer Erkenntnis des menschlichen Sterbens, des Todes sowie nach einem guten bzw. gelingenden Leben und Sterben strebt; sondern das zugleich seinerseits eine genuin philosophische Lebens- und Sterbenskunst formt. Es stellt sich die methodische Frage, wie das Philosophieren angelegt werden muss, um eine philophische Kunst des Lebens und Sterbens zu bilden.

Ein Philosophieren, das nicht nur Theorie, sondern auch Lebens- und Sterbenskunst sein will, ist schließlich auch mit Fragen der Darstellungsform von philosophischen Erkenntnissen konfrontiert. In formaler Hinsicht beschäftigt sich das Seminar mit Darstellungsformen, die in der Antike verbreitet, seit der Neuzeit jedoch zurückgedrängt worden sind: mit den Formen der adressierten philosophischen Rede und des philosophischen Dialogs. Es setzt sich mit den Fragen auseinander, warum die Formen der adressierten Rede und des Dialogs in der philosophischen Theorie und Ethik des Sterbens gewählt werden; und inwiefern diese Formen bei der Darstellung von sterbenstheoretischen und -ethischen Erkenntnissen dem Traktat womöglich überlegen sind, der die zeitgenössische Philosophie dominiert.

Ziele

Die Studierenden werden zum einen in eine bestimmte Gestalt des Philosophierens eingeführt: in ein Philosophieren, das nicht nur nach theoretischer Erkenntnis strebt, sondern zugleich auch eine besondere Praxis bzw. eine Lebenskunst darstellt. Zu diesem Zweck erarbeiten die Studierenden anhand von philosophischen Texten aus Geschichte und Gegenwart Facetten eines Philosophierens, dem es um theoretische Erkenntnis von Sterben und Tod und um eine praktische Lebens- und Sterbenskunst geht.

Zum anderen werden die Studierenden in die Darstellungsformen des philosophischen Dialogs und der adressierten philosophischen Rede eingeführt. Sie lernen auf diese Weise alternative Darstellungsformen zu dem in der Gegenwart dominierenden Traktat kennen.

Dabei lernen sie mit Hilfe einiger Leitfragen, sich kurze Auszüge philosophischer Texte zu erschließen und den Inhalt in eigenen Worten wiederzugeben. Zugleich üben sie sich in das Verfassen von philosophischen Reden und Dialogen ein. Im Laufe des Semesters lernen sie, den Gang der Lehrveranstaltung mitzuentwickeln und zu verstehen.

Methode

Die Studierenden erhalten vor jeder Sitzung einen Text, den sie im Selbststudium anhand einiger Erschließungsfragen vorbereiten müssen.

Die Erkenntnisse werden in den Seminarsitzungen sowohl in Kleingruppen als auch im Plenum besprochen.

Die Ergebnisse werden gemeinsam gesichert. Dafür werden Protokolle geführt und am Anfang der jeweiligen Folgesitzung vorgestellt. Mit Hilfe der Protokolle wird zugleich der rote Faden der Lehrveranstaltung reflektiert.

Darüber hinaus wird in praktischen Übungen das Schreiben von philosophischen Reden und Dialogen erprobt.

Voraussetzungen

Voraussetzung des Seminarbesuchs ist die eigenständige Vorbereitung der wöchentlichen Seminartexte. Dabei sollen die Erschließungsfragen herangezogen werden, die im Seminarplan genannt sind.

Der Seminarplan befindet sich auf Moodle.

Qualifikation

Grundlage für einen benoteten Schein ist die Teilnahme an den Seminarsitzungen und die Verfassung einer Hausarbeit. Die Hausarbeit kann sowohl in Form eines Traktats als auch in Form einer adressierten Rede bzw. eines Dialogs verfasst werden. Auf den Umfang der Hausarbeit wird der Umfang von semesterbegleitenden Leistungen - wie Referat, Protokoll oder praktische Übung im Schreiben von Dialogen - angerechnet.

Zielgruppe

Studierende des B.A.-Studiums

Literatur

Weiterführende Literatur zu den behandelten Texten wird in den jeweiligen Seminarsitzungen genannt.