401* | Prof. Dr. Barbara Schellhammer

Theater als Intervention, Teil II: Forumtheater

Hauptseminar 1-stdg.
Raum:
Termine: 26./27.11.2021 - Freitag 14.00 - 18.15 Uhr und Samstag 9.00 - 16.30 Uhr

MA-IB: III(IE,PB)
Master Ethik: III(EID,MED)
BA: WP Interkulturalität
MAkons: III(EG)

Thematik

Das griechische Theater, insbesondere die antike Tragödie, behandelte immer schon philosophische Themen und existenzielle Fragen, wie beispielsweise die Beziehung der Menschen zur Welt und zu Göttern; Unrecht, Schuld und Sühne; schicksalhafte Begebenheiten und Freiheitskämpfe. Die dargestellten Szenen sollten berühren, die Seele reinigen (Katharsis) und einen Sinneswandel hervorrufen. In der Philosophie geriet diese Form der ästhetischen Praxis im Laufe der Zeit zunehmend ins Hintertreffen, dafür wurde sie aber in anderen Bereichen, v.a. in der Psychologie und Psychotherapie, der politischen Arbeit mit benachteiligten Gruppen sowie in der Soziologie aufgegriffen und weitergeführt. Der 1. Teil des Seminars greift unterschiedliche theoretische Stränge aus der Philosophie, der Theaterwissenschaft, der Befreiungspädagogik, der Sozialen Arbeit und der Friedensbildung auf, um die transformative Kraft des Schauspiels und der Kunst für das Philosophieren bzw. die Philosophie (auch in der institutionellen Realität an der Universität) wiederzuentdecken. Dabei geht es neben der individuellen Persönlichkeitsbildung auch um gesellschaftspolitische Transformationsprozesse, die nicht nur kritisch reflektiert, sondern im 2. Teil des Seminars auch praktisch auf der Bühne erprobt werden. Im 2. Teil des Seminars steht die Erfahrung des Forumtheaters im Zentrum. Es geht zurück auf Augusto Boals "Theater der Unterdrückten". Dem Brasilianer Boal ging es dabei um die Befähigung von benachteiligten Gruppen, eigene Interessen zu formulieren und souverän für diese einzustehen. Im Theater können neue Versionen der Wirklichkeit kreativ entwickelt und erprobt werden, um sozialen Problemen zu begegnen, neue Perspektiven auf die eigene Lebenswirklichkeit zu gewinnen und politische Prozesse zu demokratisieren. Durchgehende Fragen: - (Inwiefern) kann ästhetische Praxis und Theater als philosophische Praxis dienen? - Welche Beispiele, Herausforderungen und Chancen bringt dies mit sich? - Inwiefern kann Theater als Intervention der Philosophie dazu verhelfen, transformativ zu wirken? Das Forumtheater wird vom Lehrstuhl Intercultural Social Transformation (IST) und dem Zentrum für Globale Fragen (ZGF) organisiert und angeboten (mit externen Referent*innen).

Ziele

Nach dem Seminar können die Teilnehmer*innen anhand einschlägiger philosophischer Texte bzgl. ästhetischer Praktiken in der Philosophie und praktischer Erfahrungen mit dem Forumtheater erläutern, welche Rolle das Theater(spielen) und die ästhetische Praxis für das Philosophieren - auch im Sinne transformativer Prozesse - haben können.

Methode

Das Seminar verbindet einschlägigen Theorien mit Berichten aus der Praxis, die sich unter der Überschrift Theater als Intervention zusammenfassen lassen. Methodisch folgt das zweisemestrige Seminar damit auch dem Ansatz des "forschenden Lernens", das die philosophische Bedeutung des Theaters auch am eigenen Leib spürbar macht. Im zweiten Teil wird mit der Methode des Forumtheaters nach A. Boal gearbeitet: Es werden Alltagssituationen inszeniert und präsentiert. Gemeinsam reflektiert die Gruppe das "Schauspiel", um es dann in verschiedenen Varianten neu zu erproben.

Voraussetzungen

Keine. Die Teilnahme am ersten Teil ist Voraussetzung für die Teilnahme am zweiten Teil, jedoch kann der erste Teil bei ausreichenden Plätzen auch ohne Scheinerwerb und gesondert vom zweiten Teil besucht werden. Der dritte Termin im Sommersemester ist auch für Nicht-Studierende geöffnet.

Qualifikation

Die Studierenden entwickeln zum Scheinerwerb ein Portfolio aus einer theoretischer Ausarbeitung vor dem Hintergrund der Inhalte, vornehmlich (aber nicht nur) aus dem 1. Teil des Seminars und einer schriftlichen Reflexion zur Erfahrung im Forumtheater (2. Teil). Beide Teile zusammen werden als Portfolio eingereicht, bei dem die Gesamtzeichenzahl der einer Hauptseminararbeit entspricht

Literatur

...wird im Seminar bekanntgegeben. Grundlegend wird sein Augusto Boals "Theater der Unterdrückten".