308 | Dr. Patrick Zoll SJ

Die Veränderung des Selbst und der Welt als Aufgabe der Philosophie: Transformatives Denken von Platon über Boethius bis Ignació Ellacuría

Proseminar 2-stdg.
Raum: Seminarraum 2
Termine: Mittwochs 16.15 - 17.45 Uhr

BA: III/1

Geeignet für Frühstudierende.

Thematik

Die sich immer deutlicher abzeichnenden Folgen des Klimawandels machen deutlich, dass sich etwas verändern muss. Wir müssen die Welt so (um-)gestalten, dass auch nachfolgende Generationen noch gut in ihr Leben können. Doch ist dies keine rein technische Angelegenheit, die an die Wissenschaften oder die Politik delegiert werden könnte. Die Veränderung der Welt ist auch Aufgabe der Philosophie, weil sie ihren Ausgang in der Veränderung—der Transformation oder Umformung—des Selbst nimmt. Es braucht ein neues Denken, ein neues „mindset“.

Dieses neue Denken sollte sich auch mit der Frage auseinandersetzen, wie man mit Widerstand umgeht. Was kann uns die Philosophie lehren, wenn offensichtlich wird, dass das was getan werden müsste oder sollte, nicht getan wird? Wie geht man mit der Möglichkeit des Scheiterns um, dem daraus resultierenden Frust, der Wut und Ohnmacht? Kann die Philosophie hier „trösten“, ohne zu „vertrösten“ und sich zum Kollaborateur des Status quo zu machen? Welche Rolle kann oder sollte Glaube oder Religion in diesen transformativen Prozessen spielen? Ist die religiöse Idee, dass diese Welt nicht alles ist, ein wichtiges Korrektiv oder doch nur Sand im Getriebe notwendiger Veränderungsprozesse?

In diesem Seminar lesen wir ausgewählte Texte von der Antike bis zur Gegenwart, in denen Philosophen wie Platon, Boethius, Thomas von Aquin, Karl Marx und Ignacio Ellacuría über diese Fragen nachgedacht und unterschiedliche Antworten gegeben haben.  

Ziele

Das Proseminar verfolgt zwei Ziele. Erstens möchte das Seminar die Teilnehmenden befähigen, das transformative Philosophieverständnis der jeweiligen Autoren verstehen und nachvollziehen zu können. Zweitens sollen die Teilnehmenden dazu befähigt werden, die Ansichten der Autoren kritisch zu diskutieren.

Methode

Die Methode des Seminars orientiert sich am Modell des ‚inverted classroom‘. Konkret bedeutet dies, dass die Teilnehmenden die Texte gründlich vorbereiten mit Hilfe kleinerer schriftlicher Aufgaben, die vom Seminarleiter in Moodle eingestellt werden. In den gemeinsamen Präsenz- oder Onlinesitzungen werden dann diese Aufgaben besprochen und der zu lesende Text gemeinsam diskutiert.

Die Abschlussarbeit wird als Portfolio eingereicht und umfasst zwei Teile: Der erste Teil mit einem Umfang von bis zu 8.400-12.000 Zeichen (inkl. Leerzeichen) besteht aus Material, das der oder die Teilnehmende in den Moodle-Aufgaben verfasst hat. Der zweite Teil mit demselben Umfang besteht in der Aufgabe, das im Seminar Erlernte anzuwenden und eine kleine Proseminararbeit zu verfassen, in dem zur Idee der transformativen Aufgabe der Philosophie kritisch Stellung bezogen wird.

Voraussetzungen

Es wird die Anschaffung folgender Texte empfohlen:

• Platon. Apologie des Sokrates. Neu übersetzt und kommentiert von Rafael Ferber. München: C.H. Beck, 22019. (in gedruckter oder elektronischer Fassung erhältlich).

• Boethius. Trost der Philosophie (ich empfehle die Übersetzung von Ernst Gegenschatz und Olof Gigon, aber andere Editionen können auch verwendet werden)

Die restlichen Texte werden in Moodle bereitgestellt.

Qualifikation

Ein Proseminarschein kann erworben werden, wenn zwei Bedingungen erfüllt sind:

1) Erfolgreiche Bearbeitung von mindestens 9 Moodle-Aufgaben

2) Abgabe eines Portfolio, das aus zwei Teilen besteht:

a) Material aus den Moodle-Aufgaben (8.400-12.000 Zeichen; inkl. Leerzeichen)

b) Kleine Proseminararbeit (8.400-12.000 Zeichen; inkl. Leerzeichen)