Philosophie und Leben - eine Skizze

Beitrag zu Philosophie & Leben von Dr. Otto Zsok

Otto Zsok

Mit der Hochschule für Philosophie in München war ich [Jahrgang 1957] in den Jahren 1986 bis 1989 (Studiengang Magister) und dann von 1994 bis 1998 (Studiengang Promotion) besonders intensiv in Verbindung. Seit 1991 bin ich Dozent für Logotherapie und Existenzanalyse nach Viktor E. Frankl (1905 – 1997) am Süddeutschen Institut für Logotherapie und Existenzanalyse in Fürstenfeldbruck (www.logotherapie.de), und somit, durch glückliche Fügung und Führung, habe ich nicht wenig Philosophisches, – vor allem zentrale Elemente aus der Philosophischen Anthropologie, der Ethik und manche Bausteine aus der Ontologie, – den in unserem Institut Studierenden zu vermitteln. Das ist reale, lebendige und kontinuierliche Beziehung zum „Stoff“, den ich mir – und diese Namen erwähne ich mit besonderer Dankbarkeit – bei den Professoren Karl Rahner, Béla Weissmahr, Gerd Haeffner, Johann Baptist Lotz, Karl-Heinz Weger, Rüdiger Funiok, Hans Goller und Bernhard Grom angeeignet habe. Und auch wenn er nicht direkt hierher gehört, muss ich gestehen, dass ich durch die Bücher von Josef Pieper (1904 – 1997) sehr viel Gespür für Philosophie und fürs Philosophieren mitbekommen habe.

Während ich zwischen 20 und 35 den typischen Weg eines im Abendland studierenden, Realität sich „denkerisch“ aneignenden Menschen gegangen bin, komme ich seit ca. 1997 immer mehr in die Sphäre der seelischen Empfindung, nicht zuletzt angeregt auch durch das Thema meiner Dissertation (Musik und Transzendenz. Ein philosophischer Beitrag zur Eruierung der geistig-spirituellen Inhalte der großen abendländischen Musik: Gregorianik, Bach, Beethoven und Mozart, St. Ottilien: EOS Verlag 1998). Und so will ich für manche heute Studierenden einfach sagen: Das reine [mit Kräften des Verstandes, der Vernunft und der Logik betriebene] Denken scheint mir eine blutleere Angelegenheit zu sein, wenn es nicht immer mehr gepaart und verknüpft wird mit der ureigenen seelischen Empfindungsfähigkeit. Als wahr habe ich für mich selbst erkannt und erfühlt: „Unser Fühlen und Empfinden lässt sich zu (...) weit größerer Schärfe der Einstellung, tatsächlich aber zu weit höherer Sicherheit emporentwickeln, als das Denken“ (Bô Yin Râ, Mehr Licht, Bern: Kober Verlag 1989, S. 203f.). Und in demselben Duktus sprach auch Beethoven: „Musik ist höhere Offenbarung als alle Weisheit und Philosophie.“ – Was ich der guten »Schulung des Denkens« zu danken habe, ist mir gewiss präsent, und diese Schulung möchte ich nicht vermissen. Doch sie ist und bleibt [aus meiner Sicht] nur Vorstufe; sie ist und bleibt eine Hinführung in eine Art „Vorhalle“, von wo aus der die Wirklichkeit erkennen Wollende mit all seinen Seelen- und Geisteskräften weiter schreiten muss, um bis zur Pforte anzukommen, die man als »Tempel der umfassenderen Erkenntnis« bezeichnen darf. – „Denken lernen“, ein Motto der Hochschule für Philosophie in München, ist sicher ein guter Spruch. Doch »Denken und Empfinden lernen« klingt und ist besser. Und das ist mein Urteil, mein Fazit und meine Einsicht. Manchen Studierenden, die auf der Suche nach einem hochspannenden Thema für eine Dissertation sind, empfehle ich, fühlend zu bedenken, und erfühlend zu denken, dass nicht das „Leib-Seele-Problem“ das eigentliche Problem ist. Sondern? Das Verhältnis »unvergängliche Seele und ewiger Geistesfunke« im Menschen, in dieser Dreier-Einheit [Leib-Seele-Geist Einheit und Ganzheit] und als eine »unitas multiplex« (Thomas von Aquin) stellt das originäre, ursprüngliche und zunächst innerlich zu erlebende Geheimnis dar. Ihm inhärent ist, dass man den sogenannten „Gehirngeist“ [alle mentalen Vorgänge im weitesten Sinne] vom »substanziellen, wesenhaften Geist« zu unterscheiden hat. Kann das rein denkerisch durchdrungen und „klar gemacht“ werden?? ...

Allen, die an der Hochschule lehren und lernen, wünsche ich tiefe Sinnerfahrungen mit der Philosophie und miteinander, aber auch viel Kraft, Frohsinn, Humor, Gelassenheit und den Segen von Oben.

 

(Otto Zsok, Fürstenfeldbruck, 24.06.2012. E-Mail: und )