408* Prof. Dr. med. Eckhard Frick SJ

Der menschliche Leib als anatomischer Körper

2-stdg.

Raum: Seminarraum 2

Termine: Freitag, 31.05.2019 von 9.00 bis 20.00 Uhr, Samstag, 01.06. von 9.00 bis 19.00 Uhr

MA-IB: III (SC), V
Master Ethik: III (MEZ), V
BA: WP Bildung , WP Naturphilosophie
MAkons: III (GN,EG)
Anmeldung erforderlich: Persönliche Anmeldung erforderlich bis 15.05.2019 unter: eckhard.frick@hfph.de
Teilnehmerbeschränkung: Beschränkte Teilnehmerzahl

Thematik

In diesem interdisziplinären, anthropologisch-medizinischen Seminar unter Mitwirkung von Prof. Dr. med. Oliver Peschel (Rechtsmedizin, LMU) gehen wir von einer wichtigen phänomenologischen und anthropologischen Differenzierung aus: zwischen dem Leib, der ich bin, einerseits und dem Körper, den ich habe (messen, vergegenständlichen, manipulieren kann), andererseits. Wie verstehen wir den Unterschied zwischen dem lebendigen Leib und der Leiche desselben Menschen, insbesondere des toten Körpers, der zum Gegenstand der anatomischen Präparation wird? Zu welcher Verwendung wird das „Präparat“ „vorbereitet“? Diesen Fragen wenden wir uns zu mit Hilfe der Literatur sowie mit Originaltexten von Medizinstudierenden nach Absolvierung des anatomischen Präparierkurses.

Ziele

1. Am Beispiel der anatomischen Präparation die anthropologische Relevanz der Leib-Körper-Differenzierung reflektieren

2. Mit Hilfe ausgewählter qualitativer Methoden den manifesten vom Inhalt eines Textes / einer Kommunikation unterscheiden lernen

3. Ein Gespür für die besonderen Herausforderungen und Chancen der interdisziplinären Fallarbeit entwickeln


Methode

In diesem Seminar wählen wir eine mehrstufige Vorgehensweise:

1. In mehreren Referaten werden die Leib-Körper-Differenz (Frick 2009, 2015; Abraham 2018) (Schmitz 1998), der Kontext des Präparierkurses (Putz 2011; Shiozawa et al. 2015) sowie die als Grundlage der Seminardiskussion wichtigen hermeneutischen Methoden (Froschauer 2009; Kleemann et al. 2010; Krueger 2017; König 2019b, 2019a; Salheiser 2019; Schubert 2019) erarbeitet.

2. Mit Hilfe der Thematischen Analyse verschaffen wir uns einen Überblick und wählen aus dem Material Fälle zur weiteren Bearbeitung aus.

3. Die Fallarbeit dient nicht nur der Erhebung des manifesten Inhalts, sondern auch des latenten. Dabei orientieren wir uns sowohl an der objektiven Hermeneutik (Artefakt-, Dokument-, Sequenzanalyse) als auch an der tiefenhermeneutischen.

Voraussetzungen

Nach persönlicher Anmeldung. Bitte nehmen Sie ab sofort, spätestens bis zum 15.5. Kontakt mit mir auf (Fon 2386-2230). Aktives Seminar, keine Vorlesung.

Qualifikation

Bereitschaft zur Übernahme eines Referats oder eines Protokolls, die in üblicher Weise zu einer Seminararbeit weitergeführt werden.

Literatur

Abraham A (2018) Körper – Biografie – Bild. Zur Konstitution des Selbst im Spannungsfeld von ‚vergegenständlichtem‘ Körper und ‚spürendem‘Leib. In: Hartung-Griemberg A, Vollbrecht R, Dallmann CMA (Hg.) Körpergeschichten: Körper als Fluchtpunkte medialer Biografisierungspraxen. Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG. 15-28.

Frick E (2009) Manipulierter Körper - verplante Seele? Psychoanalytische Überlegungen zum Menschenbild der Medizin unter besonderer Berücksichtigung der deutschsprachigen Literatur. European Journal of Mental Health 4:181-194.

Frick E (2015) Psychosomatische Anthropologie. Ein Lern- und Arbeitsbuch für Unterricht und Studium (2. Auflage). Stuttgart: Kohlhammer.

Froschauer U (2009) Artefaktanalyse. In: Handbuch Methoden der Organisationsforschung. Berlin Heidelberg: Springer. 326-347.

Kleemann F, Krähnke U, Matuschek I (2010) Sequenzanalyse. In: Interpretative Sozialforschung: Eine Einführung in die Praxis des Interpretierens. Berlin Heidelberg: Springer-Verlag.

König H-D (2019a) Dichte Interpretation. In: König J, Burgermeister N, Brunner M, Berg P, König H-D (Hg.) Dichte Interpretation: Tiefenhermeneutik als Methode qualitativer Forschung. Wiesbaden: Springer Fachmedien. 13-86.

König H-D (2019b) Einführung in die Methodologie und Methode der Tiefenhermeneutik. Zugleich eine Auseinandersetzung mit Goffmans auf die Theatermetapher rekurrierende Interaktionssoziologie. In: Die Welt als Bühne mit doppeltem Boden: Springer. 13-61.

Krueger A (2017) Die ethnopsychoanalytische Deutungswerkstatt. In: Bonz J, Eisch-Angus K, Hamm M, Sülzle A (Hg.) Ethnografie und Deutung : Gruppensupervision als Methode reflexiven Forschens. Wiesbaden Springer VS. 85-110.

Putz R (2011) Am Anfang steht der Tod. Die spirituelle Dimension des anatomischen Präparierkurses. In: Frick E, Roser T (Hg.) Spiritualität und Medizin. Interdisziplinäre Zugänge. Stuttgart: Kohlhammer. 116-123.

Salheiser A (2019) Natürliche Daten: Dokumente. In: Baur N, Blasius J (Hg.) Handbuch Methoden der empirischen Sozialforschung. Wiesbaden: Springer Fachmedien Wiesbaden. 1119-1134.

Schmitz H (1998) Der Leichenschock. In: Stefenelli N (Hg.), Körper ohne Leben: Begegnung und Umgang mit Toten. Wien: Böhlau. 891-898.

Schubert C (2019) Gebrauchsgegenstände und technische Artefakte. In: Baur N, Blasius J (Hg.) Handbuch Methoden der empirischen Sozialforschung. Wiesbaden: Springer Fachmedien Wiesbaden. 1215-1222.

Shiozawa T, Günter M, Hirt B (2015) Spiritualität im Präparierkurs. Spiritual Care 4:126-135.