307 Dr. Patrick Zoll SJ

Metaphysik und ihre Kritiker: Ausgewählte Klassiker von der Antike bis zur Gegenwart

2-stdg.

Raum: Seminarraum 2

Termine: Mittwoch 16.15-17.45 Uhr

BA: III/1

Thematik

Was ist Metaphysik? Was ist ihre Aufgabe? Und wenn es so etwas wie eine spezifische Aufgabe der Metaphysik gibt, ist es möglich, sie durchführen? Welche Metaphysik ist durchführbar und welche aufzugeben? Oder ist jeglicher Versuch Metaphysik zu definieren und zu betreiben zum Scheitern verurteilt? Auf diese Fragen haben Philosophen von der Antike bis zur Gegenwart recht unterschiedliche Antworten gegeben. Im Proseminar beginnen wir mit der Lektüre von Texten von Aristoteles und Thomas von Aquin, die repräsentativ für eine klassische Definition von Metaphysik und ihrer Aufgabe sind. Anschließend wenden wir uns Texten von David Hume und Immanuel Kant zu, die die Durchführbarkeit dieser Art von Metaphysik in Frage stellen und ihr eine eigene Konzeption von Metaphysik entgegenstellen. Den Abschluss werden Texte von William V.O. Quine und Peter van Inwagen bilden, die maßgeblich für das zeitgenössische Verständnis analytischer Metaphysik sind. Dieses Verständnis wird wiederum mit Texten von Hilary Putnam und Bas van Fraassen kontrastiert, in denen diese eine scharfe Kritik an der Konzeption und Durchführbarkeit analytischer Metaphysik formulieren.

Ziele

Das Proseminar verfolgt das Ziel, die Teilnehmer und Teilnehmerinnen dazu zu befähigen, philosophisch reflektierte Antworten auf die Fragen „Was ist Metaphysik?“ und „Ist Metaphysik möglich?“, formulieren, begründen und gegen mögliche Einwände verteidigen zu können.

Methode

Grundlegend für den Lernerfolg ist die gründliche Lektüre der für die jeweilige Sitzung zu lesenden Texte und die erfolgreiche Bearbeitung kleinerer philosophischer Übungen zu diesen Texten via Moodle. Die Sitzungen werden so aufgebaut sein, dass zunächst die Möglichkeit besteht, die Ergebnisse der Übungen zu besprechen und ein Feedback zu ihnen zu erhalten. Im Anschluss daran wird sich die Gruppe (je nach Größe) im Plenum oder in Kleingruppen der Analyse und Diskussion der Texte widmen, um deren Thesen und Argumente kritisch zu erörtern. Weitere Impulse für die Reflexion und Diskussion wird es durch Referate geben, auf die die jeweiligen Referentinnen ebenfalls ein Feedback erhalten. Der eigene Lernfortschritt wird am Ende des Seminars mittels eines kurzen Essays überprüft, in dem die Teilnehmer ihre eigene Antwort auf die Fragen „Was ist Metaphysik?“ und „Ist Metaphysik möglich?“, formulieren, begründen und gegen mögliche Einwände verteidigen sollen.

Voraussetzungen

Ein Teil der zu lesenden Texte ist in einfachem Englisch verfasst. Die für die Seminarsitzungen zu lesenden Texte werden in Moodle zur Verfügung gestellt.

Qualifikation

Ein Proseminarschein kann erworben werden, wenn drei Leistungen erbracht worden sind: 1) Mitarbeit im Proseminar durch mindestens 8 erfolgreich bearbeitete Moodle-Aufgaben 2) Halten eines Kurzreferats mit Anfertigung eines Handouts (max. 2 Din A4 Seiten) 3) Schreiben eines Essays (8.400-12.000 Zeichen; inkl. Leerzeichen)

Literatur

Aristoteles. Metaphysik. Reinbek bei Hamburg: rororo, 82017. Delfino, Robert A., (Hrsg.). What are We to Understand Gracia to Mean?: Realist Challenges to Metaphysical Neutralism. Amsterdam-New York, NY: Editions Rodopi B.V., 2006. Disse, Jörg. Kleine Geschichte der abendländischen Metaphysik: Von Platon bis Hegel. Darmstadt: WBG, 32007. Gracia, Jorge J. E. Metaphysics and ist Task: The Search fort he Categorical Foundation of Knowledge. Albany: State University of New York Press, 1999. Hee Guderian, Myung. Perspektiven der Metaphysikkritik: Typologie und Analyse metaphysikkritischer Argumente. Paderborn: mentis, 2009. Hume David. An Enquiry concerning Human Understanding. Oxford: Oxford University Press, 2007. Kant, Immanuel., Prologomena zu einer jeden künftigen Metaphysik. Hamburg: Felix Meiner Verlag, 2001. Kreeft, Peter. Socratic Logic: A Logic Text Using Socratic Method, Platonic Questions, and Aristotelian Principles. South Bend, Indiana: St. Augustine’s Press, 32014. Lowe, E. J. The Possibility of Metaphysics: Substance, Identity, and Time. Oxford: Clarendon Press, 1998. Thomas von Aquin. Kommentar zum Trinitätstraktat des Boethius II. Freiburg im Breisgau: Herder, 2007. Patt, Walter. Metaphysik bei Thomas von Aquin: Eine Einführung. London: Turnshare Ltd., 22007. Putnam, Hilary. Ethics without Ontology. Cambridge, Mass.: Harvard University Press, 2004. Quine, Willard V. „On What There Is.“ Review of Metaphysics 2, no.1 (1948/1949): 21-38. Shields, Christopher. „Being qua Being.“ In Oxford Handbook of Aristotle, hrsg. von Christopher Shields, 343-371. Oxford: Oxford University Press, 2012. Van Fraassen, Bas C. The Empirical Stance. New Haven: Yale University Press, 2002. Van Inwagen, Peter. Metaphysics. Boulder, CO.: Westview Press, 42015. Van Inwagen, Peter. „The New Anti-Metaphysicians.“ Proceedings and Addresses of the American Philosophical Association 83, no. 2 (2009): 45-61. Wippel, John F. „Being.“ In Oxford Handbook of Aquinas, hrsg. von Brian Davies und Eleonore Stump, 77-84. Oxford: Oxford University Press, 2012. Wippel, John F. „Metaphysics.“ In The Cambridge Companion to Aquinas, hrsg. von Norman Kretzman und Eleonore Stump, 73-115. Cambridge: Cambridge University Press, 1993.