Ein Interview mit den Herausgeberinnen der "Funzel"

Ein Interview mit den Herausgeberinnen der "Funzel"

Mit der „Funzel" gibt es nun an der Hochschule auch wieder ein philosophisches Magazin, das von den Studierenden verantwortet wird. Im Wintersemester 2018/19 ist die zweite Ausgabe erschienen, die sich mit den ganz dicken Brettern der Philosophie auseinandergesetzt hat: dem Guten, dem Wahren und dem Schönen. Die nächste Ausgabe der Funzel – „Treibsamt und Brandung“ - wird voraussichtlich im Juli erscheinen. 

Wir haben mit den Herausgeberinnen, Tizia Rosendorfer und Lea Würtenberger, über das Projekt gesprochen.

Alles über die Funzel finden Sie unter: https://funzel.blog/

 

„Die Funzel“ ist eine Anspielung auf Karl Kraus „Die Fackel“ – In was für einer Verbindung stehen Sie zu diesem Vorbild?

Tizia: Die Fackel war ein feuilletonistisches Satiremagazin, das sich dennoch sehr inbrünstig mit Gesellschaft und Literatur auseinandergesetzt hat und sich beinahe überall eingemischte. Bis auf die letzten Jahre, in denen Karl Kraus sie mehr oder weniger alleine herausgab, hat die Fackel viele wichtige Künstler und Intellektuelle versammelt, angeregt und verärgert. Als wir schon einige Zeit Philosophie studiert hatten, bekamen wir das Gefühl, dass es eine Plattform für engagierte Debatten in unserer näheren Umgebung nicht wirklich gab. (Mit „wir“ meinen wir hier nicht nur uns beide, sondern vor allem die Funzel-Redaktion.) Damit meine ich eine Zeitschrift, in der sich alle Interessierten mit Themen auseinandersetzen, die sie ernsthaft wichtig finden und über die sie nachdenken wollen. Außerdem wollen wir natürlich auch 37 Jahre durchhalten!

Lea: Mindestens! Die Tatsache, dass es in der Münchner Studierendenkultur kein solches Format gab, ist auch kein Luxusproblem: Ohne ehrlichen, fachlichen Austausch mit anderen lässt sich schlicht keine gute Philosophie betreiben. Gerade Geisteswissenschaftler*innen, die bekanntermaßen selten Gruppenaufgaben lösen müssen, sondern denen quasi freisteht, sich von Anfang an einsam zwischen Bücherstapeln zu verbarrikadieren, schwimmen im Studium schnell zwischen Orientierungs- und Belanglosigkeit. Die eigene Haltung zu Studieninhalten erkennt und entwickelt man vor allem im Dialog. Die Funzel ist also nicht nur hübsches Print-Produkt. Sie wird von uns vielmehr als notwendiges Netzwerk gedacht, in dem wir uns gegenseitig intensives Denken und Studieren ermöglichen.

 

Ihre Redaktion besteht ja nicht nur aus Studierenden der Hochschule, sondern ist bunt gemischt. Auch thematisch sind Sie breiter aufgestellt. Wie spiegelt sich das in Ihrer Redaktionsarbeit wider?

Tizia: Das kommt ein wenig auf den Bereich an. Wir veröffentlichen ja nicht nur zweimal im Jahr eine Printausgabe, sondern betreiben auch einen Blog (funzel.blog). Die Printausgabe steht jedes Mal unter einem sehr allgemeinen thematischen Dach, das sich bei einem Glas Rotwein in unserer Studentenbar irgendwann einmal herauskristallisiert hat. Wir finden dann gemeinsam Ideen für Artikel, werben Autoren an, die etwas Interessantes schreiben könnten, und redigieren. In der letzten Ausgabe haben wir eine öffentliche Ausschreibung geschaltet. Dieser sind auch erfreulich viele Autor*innen nachgekommen. Auf dem Blog wirken noch mehr Funzelianer*innen mit, die überhaupt nicht in München studieren.

Lea: Diese Offenheit befeuert natürlich den Netzwerkcharakter. Wenn Studierende verschiedener Unis mitwirken können, treffen verschiedene Einflüsse aufeinander. Ich selbst studiere Philosophie und Linguistik an der LMU und finde den Einblick in die Lehre, Inhalte, und soziale Struktur der HfPh gerade im Vergleich unheimlich spannend. Doch auch in der Organisation ist uns Offenheit wichtig: Was sich dabei auf keinen Fall einstellen soll, ist ein festes Gerüst an Abläufen und Ämtern, das schleppend reproduziert wird. Bei uns gibt es keine festen Hierarchien. Jede und Jeder übernimmt Redaktionsaufgaben, die er oder sie übernehmen kann – allen steht frei, sich jederzeit überall einzumischen - mit inhaltlichen Anmerkungen, utopischen Event-Ideen oder anderen enthusiastischen Visionen. Das funktioniert mit unserer wundervollen Redaktion (ein liebevolles Shoutout mit großem Dank an dieser Stelle!) bis jetzt ziemlich nahtlos: Wir sitzen alle im Ruderboot, und wissen das auch.

 

Warum sollte man Ihrer Meinung nach Philosophie studieren?

Lea: Darauf gibt es viele spannende Antworten. Ich würde spontan sagen: „Weil Philosophie nicht nur Themenkomplex, sondern Denkmethode ist.“ Das heißt: Auf der einen Seite studieren wir (historische) Gedanken zu allen Lebensbereichen, die Menschen seit Jahrtausenden essenziell bewegen. Von denen kulturelle Revolutionen abhingen, unsere Sprache, die Wissenschaft. Auf der anderen Seite kommt mit dem Philosophiestudium eine Schärfung des eigenen Urteilsvermögens. Logik, die viele Textarbeit, die kritische und kleinliche Auseinandersetzung mit dem, was wir für selbstverständlich halten – all das lehrt, sich in der heutigen Informationsfülle reflektiert zu bewegen. Philosophieren heißt, Wissen zu hinterfragen, ordnen, verknüpfen und damit eine tiefgreifende Grundlage dafür zu schaffen, sich richtig zu ihm verhalten.

Tizia: Da kann ich mich nur anschließen und vielleicht noch ergänzen, dass ein Philosophiestudium Sinn macht, wenn man eine Veranlagung fürs Theoretisieren hat. Philosophie besteht, wie Lea schon sagte, vor allem aus „Rechnen mit Begriffen“. Und darin liegt auch die entscheidende Rolle eines Philosophen für die Gesellschaft. Philosophen analysieren Probleme, finden Argumente und versuchen sinnvolle Fragen zu stellen. Mit „bloßem“ Studieren funktioniert das natürlich nicht. Aber dafür gibt es ja die Funzel.

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