18 | Dr. Patrick Zoll SJ

Autonomie und Abhängigkeit. Über die sozialen und politischen Bedingungen menschlichen Gedeihens

Proseminar 2-stdg. Dienstag, 15–17 Uhr
Raum: Seminarraum 4
Termine: Entfällt am 28.4. und 12.5.2015, dafür 5.5.2015 (15–19 Uhr), Seminarraum 5, ab 14.4.2015
BA: III/1
ZEP: A

Thematik

Pflanzen gehen ein, wenn sie sich nicht mit Wasser versorgen können. Tiere verkümmern und sterben, wenn sie in einer Umwelt leben müssen, die nicht ihrer Art entspricht. Um zu wissen, was „gut“ für ein individuelles Lebewesen ist, muss man also zunächst einmal wissen, um was für ein Lebewesen es sich handelt und was es für Lebewesen dieser Gattung bzw. Art bedeutet „zu gedeihen“. Lässt sich dieser Gedankengang eines „ethischen Naturalismus“ auch auf den Menschen übertragen? Insbesondere Philippa Foots Spätwerk „Die Natur des Guten“ steht für die Bejahung dieser These. Weniger reflektiert ist jedoch die Frage, was daraus für die soziale und politische Umwelt folgen müsste, in der wir als moderne Menschen leben. Hierauf wiederum gibt Alasdair MacIntyre einige interessante und provokante Antworten in seinem wenig bekannten Spätwerk „Die Anerkennung der Abhängigkeit“. In Anknüpfung an eine aristotelisch-thomistische Konzeption von Ethik und Politik argumentiert er dafür, dass der Mensch ein rationales und politisches Lebewesen ist, welches nur dann gedeihen kann, wenn es bestimmte Tugenden ausbildet und sich eine soziale wie politische Umwelt schafft, in der es die ihm eigene Rationalität entfalten kann. Das Ziel eines autonomen Lebens kann also nur erreicht werden in sozialen Beziehungen und einem politischen Kontext, in denen das Individuum seine konstitutive Abhängigkeit anerkennt.

Ziele

Ausgehend von Texten dieser beiden Autoren verfolgt das Proseminar ein zweifaches Ziel: Erstens möchte es die TeilnehmerInnen befähigen, den methodischen Ansatz eines (neo-)aristotelischen Naturalismus zu verstehen und sie in die Lage versetzen, dessen metaethische Voraussetzungen zu diskutieren. Zweitens soll die Fähigkeit erworben werden, sich kritisch mit den von MacIntyre skizzierten sozialen und politischen Implikationen eines solchen ethischen Naturalismus auseinandersetzen zu können.

Methode

Die Auswahl und die Abfolge der Texte ist so konzipiert, dass die persönliche Lektüre und die gemeinsame Diskussion der Texte in den einzelnen Sitzungen die TeilnehmerInnen dazu befähigen, die Lernziele zu erreichen. Methodisch werden die Sitzungen so aufgebaut sein, dass es zunächst ein kurzes einführendes Referat durch einen Teilnehmer oder eine Teilnehmerin gibt und die Gruppe sich dann (je nach Größe) im Plenum oder in Kleingruppen der Rekonstruktion und Diskussion der Thesen und Argumente widmet. Mittels zweier Essays, die zur Mitte und zum Ende des Semesters anzufertigen sind, kann der eigene Lernfortschritt überprüft werden.

Qualifikation

Ein Proseminarschein kann erworben werden, wenn drei Leistungen erbracht worden sind:

1) Kurzreferat mit Anfertigung eines Handouts (max. 2 Din A4 Seiten)

2) Anfertigung eines Essay bis zum 2. Juni 2015 (8.400 – 12.000 Zeichen; inkl. Leerzeichen)

3) Anfertigung eines Essay bis zum 4. Juli 2015 (8.400 – 12.000 Zeichen; inkl. Leerzeichen)

Literatur

Die Haupttexte des Seminars finden sich in:

Philippa Foot, Die Natur des Guten, Frankfurt am Main: Suhrkamp, 2004.

Alasdair MacIntyre, Die Anerkennung der Abhängigkeit - Über menschliche Tugenden, Hamburg: Rotbuch Verlag, 2001.

Auf weitere zu besorgende und zu lesende Artikel wird in der ersten Seminarsitzung hingewiesen.