44* | Dr. Thomas Steinforth

Augenhöhe trotz Asymmetrie? Zur Ethik von Führungsbeziehungen

Hauptseminar 2-stdg. Freitag 10–17 Uhr, Samstag 10–13 Uhr
Raum: Seminarraum 3
Termine: 28./29.04.2017 und 02./03.06.2017

BA: WP Bildung
MA-IB: III (IE, PB), IV
MA-Ethik: IV

Thematik

Menschen wollen und sollen sich „auf Augenhöhe“ begegnen können – so eine weit verbreitete moralische Intuition. Anders formuliert: Sie sollen sich in all ihrer je individuellen Besonderheit stets auch und fundamental als Gleiche unter Gleichen anerkennen. Allerdings leben und interagieren wir nicht selten in Beziehungen und sozialen Gefügen, die durch Ungleichheit, genauer: durch die unterschiedliche Ausstattung mit Macht, Wissen, Ressourcen und Kompetenzen geprägt sind. Beispielhaft genannt seien Beziehungen und Konstellationen des Helfens, des Erziehens oder der politischen Herrschaft. Im Mittelpunkt des Seminars stehen jedoch Beziehungen des Führens und des Geführt-Werdens in Unternehmen und ähnlichen Organisationen, in denen wir in einander funktional unter- und übergeordnet sind und in denen Entscheidungsmacht ungleich verteilt ist. Gerade mit Blick auf diesen Kontext wird in etlichen Managementkonzepten und Beratungsansätzen seit geraumer Zeit Führung „auf Augenhöhe“ gefordert oder auch empfohlen, teils aus einem primär betriebswirtschaftlichen Klugheitskalkül heraus (da „Führen auf Augenhöhe“ angeblich Motivation und Effizienz steigere und in einer neuen, sogenannt „digitalisierten“ Arbeitswelt sogar noch wichtiger werde), teils in ausdrücklich führungs-ethischer Hinsicht (weil wir uns auch in diesem sozialen Kontext als irgendwie „Gleiche“ begegnen und behan-deln sollen). Impliziert der „Augenhöhe-Diskurs“ tatsächlich ein kritisches Potential, das zu einer ethischen Reflexion und praktischen Verbesserung von Führungsbeziehungen beitragen kann – oder dient er lediglich der rhetorischen Verschleierung und damit Verfestigung einer (eventuell moralisch problematischen) Macht? Sind funktionale Unter- und Überordnungen mit einer gewissen Gleichheit der Beteiligten (ausgedrückt im „Auf-Augenhöhe-Sein“) vereinbar – und wenn ja: durch welche Strukturen und Handlungsweisen? Anerkennungstheoretisch gefragt: Als was erkennen wir einander an, wenn wir führen und geführt werden, und inwiefern vollzieht sich diese Anerkennung (auch) „auf Augenhöhe“?

Ziele

Studierende üben sich in philosophisch-ethischer Reflexion von Management- und Führungskonzepten und können anerkennungstheoretische Überlegungen mit der Praxis von Führungsbeziehungen verbinden

Methode

Im Seminar werden ausgewählte Management- und Führungskonzepte, Praxisbeispiele aus Unternehmen und nicht zuletzt eigene Erfahrungen der Teilnehmer-/innen mit „asymmetrischen“ Beziehungen führungsethisch und insbesondere anerkennungstheoretisch reflektiert.

Voraussetzungen

Bereitschaft, sich auf die genannte Methode einzulassen und insbesondere eigene Erfahrungen philosophisch zu reflektieren

Literatur

Siehe angehängte Liste Diese wird im Seminar erläutert und ergänzt